Nachbericht von der Partnerkonferenz in Mannheim

Cloud-Strategie von Microsoft

Mit seiner Cloud-Strategie ist Microsoft gerade bei deutschen mittelständischen Unternehmen noch nicht gänzlich angekommen. Trotzdem wurde auf der kürzlich in Mannheim veranstalteten Partnerkonferenz deutlich: Es gibt keine Alternative zum webbasierten Geschäft. Die Redmonder setzen hierzulande auf Hosting sowie Office 365 und versuchen, sich als besonders sicherer IT-Anbieter im Bereich Cloud Computing zu zeigen.

„Wir brauchen eine EU-Datenschutzverordnung“, fordert Christian Illek, Deutschland-Chef von Microsoft, und betont, dass man sich außerhalb der Vereinigten Staaten vehement gegen die Herausgabe von Daten an US-Dienste wehre.

Das Thema Cloud Computing hat es nicht leicht in Deutschland. Die Bedenken gegenüber Lösungen aus der Wolke sind groß. Vor allem bei kleinen und mittleren Firmen, für die das Konzept ja eigentlich prädestiniert ist. Das beobachten auch die Verantwortlichen bei Microsoft. „Die Cloud hat sich im Mittelstand noch nicht durchgesetzt“, sagte Christian Illek, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, auf der Partnerkonferenz in Mannheim. Immerhin: Deutschland komme langsam aus den Startlöchern, so Illek. Doch besonders bei der Public Cloud gebe es Nachholbedarf. Die Redmonder konzentrieren sich daher in Deutschland auf das Hostinggeschäft, weil dieses Konzept hierzulande besonders gut ankommt. Das berichtet Floris van Heijst, der als General Manager für das Mittelstands- und Partnergeschäft von Microsoft Deutschland zuständig ist. „Unser Hostingteam in Deutschland ist eines der größten weltweit“, so van Heijst.

Auf Produktseite setzt der Anbieter im Cloud-Geschäft vor allem auf seine webbasierte Büroanwendung Office 365. Die Cloud-Variante von Office kommt bei den Anwendern offensichtlich gut an. Denn der Umsatz in diesem Bereich sei in den vergangenen zwölf Monaten um 400 Prozent gewachsen. Laut van Heijst kümmern sich mittlerweile 3.000 Partner darum, Office 365 zu den Anwendern zu bringen.

Softwarepakete nach Maß

Speziell für kleine und mittelständische Unternehmen hat der Anbieter ein neues Angebot zusammengestellt. Die Firmen können zwischen drei verschiedenen Office-365-Versionen wählen. Die Varianten „Business“, „Business Essentials“ und „Business Premium“ unterscheiden sich in ihrem Funktionsumfang. Die Anwenderunternehmen sollen so die Möglichkeit haben, das für ihre spezifischen Bedürfnisse passende Softwarepaket auszuwählen. Bei der betriebswirtschaftlichen Software Dynamics hält van Heijst vor allem dessen CRM-Funktionen für geeignet, um sie in der Cloud zur Verfügung zu stellen. So hat man nun Dynamics CRM Online mit Office 365 und Power BI integriert.

Grundsätzlich sieht Illek aber noch Verbesserungspotential beim Cloud-Geschäft. „Wir bewegen uns noch nicht schnell genug von On Premise in Richtung Cloud.“ In Deutschland sei Amazon Web Services noch die dominierende Größe. Zur Ausrichtung auf die Cloud gibt es ihm zufolge keine Alternative. „Unser Geschäft wird sich in Richtung Cloud bewegen.“ In einigen Jahren werde der Umsatz mit Cloud-Services über dem mit Nicht-Cloud-Angeboten liegen.
Illek weiß, dass dem Erfolg in der Wolke die anhaltenden Sicherheitsdebatten noch im Weg stehen. Viele deutsche Mittelständler halten sich zurück, weil sie befürchten, in einer Cloud die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren. Zudem fühlen sich viele den hohen Datenschutzanforderungen nicht gewachsen – etwa wenn es um Kundeninformationen in der Cloud geht. „Diesem Thema müssen wir uns stellen“, weiß Illek.

IT-Sicherheitsdebatten sind im Weg

Illek sieht sein Unternehmen in diesem Zusammenhang mit einigen Trümpfen in der Hand. So hebt er z.B. das Sicherheitsniveau der hauseigenen Cloud-Rechenzentren hervor. Zudem könnten die Anwender durch das Konzept der Hybrid Cloud flexibel wählen, welche Daten sie in die Cloud legen und welche sie auf den eigenen Rechnern lassen. Der Deutschlandchef weiß aber auch, dass es zur Zeit für US-amerikanische Anbieter schwierig ist, das Vertrauen der hiesigen Anwender zu gewinnen. So erklärt er, dass Microsoft sich vehement gegen die Herausgabe von Daten an US-Dienste außerhalb der Vereinigten Staaten wehre. „Das werden wir notfalls bis zum Supreme Court erstreiten“, so Illek. Im Kampf für Datensicherheit und -schutz erwartet er Unterstützung von der Politik. „Wir brauchen eine EU-Datenschutzverordnung.“ Die Redmonder selbst haben laut Illek kein Interesse daran, die Daten ihrer Kunden weiterzugeben. „Unser Geschäftsmodell ist nicht das Datengeschäft, wir wollen Produktivitätslösungen anbieten.“

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