Telekom zwingt zum Wechsel

Darum zögern Mittelständler den All-IP-Umstieg hinaus

Die Funktionalität der Telefonanlage ist für jedes Unternehmen überlebenswichtig. Wer mit seiner Telefonanlage zufrieden ist, hat wenig Motivation, sein funktionierendes System auszutauschen. „Dementsprechend zögern gerade Mittelständler, in diesem Bereich Änderungen vorzunehmen“, erklärt Florian Buzin, Geschäftsführer der Starface GmbH, im Interview.

Florian Buzin, Starface

„Die Umstellung hat in der Mehrzahl 2015/2016 begonnen und wird 2017 ihren Höhepunkt erreichen“, weiß Starface-Chef Florian Buzin.

ITM: Herr Buzin, welche Chancen bietet der Übergang von ISDN zu All-IP für den deutschen Mittelstand?
Florian Buzin:
Unternehmen haben durch die Umstellung von ISDN auf All-IP die Gelegenheit, ihre Kommunikationsinfrastruktur zu überdenken und neu zu strukturieren. Durch die Umstellung der Telefonie auf die IP-Technologie ergeben sich komplett neue Möglichkeiten, die Telefonie des Unternehmens mit anderen Kommunikationskanälen wie Chat, Voicemail, Webcam, Fax, File-Sharing und Presence-Tools zu verknüpfen und in die IT-gestützten Geschäftsprozesse ihres Unternehmens zu integrieren.

ITM: Inwieweit haben Mittelständler das Thema „All-IP“ überhaupt auf dem Schirm und sind sich über dessen Bedeutung bewusst?
Buzin:
Lange Zeit war das Bewusstsein beim Mittelstand wirklich wenig ausgeprägt. Aber seit Ende 2015 und vor allem im Verlauf des Jahres 2016 wurde das Thema in den Medien präsent und hat die Entscheider in den Unternehmen erreicht. Das zeigen die Anfragen und Projekte bei unseren Partnern ganz deutlich.

ITM: Wie weit ist die Umstellung auf All-IP konkret im Mittelstand vorangeschritten?
Buzin:
Die Umstellung hat in der Mehrzahl 2015/2016 begonnen und wird 2017 ihren Höhepunkt erreichen.

ITM: Was hält das eine oder andere Unternehmen noch davon ab, auf All-IP umzusteigen?
Buzin:
Die Funktionalität der Telefonanlage ist für jedes Unternehmen überlebenswichtig. Wer mit seiner Telefonanlage zufrieden ist, hat wenig Motivation, sein funktionierendes System auszutauschen. Dementsprechend zögern gerade Mittelständler, in diesem Bereich Änderungen vorzunehmen. Die Telekom zwingt sie jetzt allerdings dazu, sich mit dem Thema „All-IP“ auseinanderzusetzen und den Umstieg aktiv zu planen.

ITM: Welche Anforderungen müssen für einen Umstieg auf All-IP zunächst erfüllt sein?
Buzin:
Wichtig ist zunächst eine Bestandsaufnahme des Status Quo. Dann sollten die Verantwortlichen sich Gedanken darüber machen, ob sie den Umstieg auf All-IP dazu nutzen wollen, ihre Unternehmenskommunikation neu zu strukturieren und mit der Telefonie zu kombinieren ─ Stichwort „Unified Communications & Collaboration“ (UCC). Dies sollten sie mit darauf spezialisierten Systemhäusern angehen.

ITM: Wie „einfach“ ist der eigentliche Wechsel tatsächlich? Sprich: Mit welchen zeitlichen, personellen und finanziellen Herausforderungen müssen die Anwender beim Umstieg rechnen?
Buzin:
Pauschale Aussagen lassen sich hierzu nur schwer treffen, da jede Installation ihre Besonderheiten besitzt.

ITM: Was gilt es bei der Migration auf jeden Fall zu beachten? Welche Stolpersteine können auftreten?
Buzin:
Vor Beginn der Migration sollte eine Bestandsaufnahme aller mit der Telefonanlage zusammenhängenden Geräte erstellt und analysiert werden. Lassen sich alle – häufig analogen – Geräte in die All-IP-Struktur integrieren oder müssen sie über Gateways verbunden werden? Hier können sich einige Aufgaben verbergen, die aber lösbar sind.

ITM: Wie gestaltet sich die Integration von Mobilgeräten in eine All-IP-Umgebung?
Buzin:
Die Integration von Mobilgeräten geschieht über die All-IP-unterstützende Telefonanlage. Unsere All-IP-fähigen Telefonanlagen integrieren z.B. mit den Mobile Clients iPhones und Android-Smartphones, die mobilen Mitarbeitern Zugriff auf alle wichtigen Features und Funktionalitäten der Telefonanlagen gewähren. Ihnen steht damit eine breite Palette von Leistungsmerkmalen wie Makeln, Weiterleiten oder Rückfragen zur Verfügung. Selbst anspruchsvolle Features wie das Einberufen von Ad-hoc-Konferenzen, die Remote-Verwaltung der Rufumleitung oder das Management der iFMC-Einstellungen können über das Smartphone erledigt werden. Chat, Voice, Präsenzstatus sowie Firmen- und Kundenkontaktdaten lassen sich auf dem Smartphone integrieren. Damit werden Mobiltelefone zur leistungsfähigen mobilen UCC-Kommunikationszentrale.

ITM: Wie ist es hierbei um die Sicherheit bestellt?
Buzin:
Die Kommunikation zwischen den mit den Mobile Client integrierten Mobiltelefonen und unserer Telefonanlage wird nach SIPS über TLS verschlüsselt.

ITM: Ein Begriff, der in Zusammenhang mit All-IP häufiger fällt, lautet „Next Generation Network“ (NGN). Was verbirgt sich dahinter? Nur eine Marketing-Phrase?
Buzin:
Als Next Generation Network oder NGN bezeichnet man ein durchgängig IP-basiertes Netz („All-IP“) für eine sehr hochwertige Sprachübertragung. Voraussetzung dafür ist eine eigene Netzarchitektur, um Sprache und Daten voneinander zu entkoppeln. Insofern gehören All-IP und NGN zusammen und sind absolut keine Marketing-Phrasen.

ITM: Welche Problematiken sehen Sie noch bis 2018 bzgl. All-IP auf die Unternehmen zukommen?
Buzin:
Der kritischste Punkt ist es, zur individuell richtigen Zeit mit dem Umstieg zu beginnen. Wer zu lange wartet, riskiert aufgrund begrenzter Ressourcen bei den Systemhäusern die Umstellung zu spät abzuschließen.

Bildquelle: Starface

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