Ausfallsicherheit bei Katastrophen

Das Backup aus der Hand geben?

Benjamin Bayer, im Product Management von Thomas-Krenn Spezialist für Virtualisierung und Storage, ist der Meinung: „Wer eigene Server betreibt, sollte auch das Backup nicht aus der Hand geben.“ Als Ergänzung könne ein Cloud-Backup praktisch sein, etwa um versehentlich gelöschte Daten im Self-Service-Verfahren schnell wiederherzustellen.

Benjamin Bayer, im Product Management von Thomas-Krenn Spezialist für Virtualisierung und Storage

Benjamin Bayer, im Product Management von Thomas-Krenn Spezialist für Virtualisierung und Storage

ITM: Herr Bayer, inwieweit können (Natur-)Katastrophen wie Hochwasser, Erdbeben, Feuer oder Blitzeinschläge für Mittelständler und ihre Daten gefährlich werden?
Benjamin Bayer:
Bei den meisten Mittelständlern dürften dann zumindest zeitweise die sprichwörtlichen Lichter ausgehen. Ohne IT ist – abgesehen vielleicht von ganz traditionellen Handwerksbetrieben – kein produzierendes Unternehmen lebensfähig. Auch nicht kurzzeitig. Wie real die Gefahr ist, zeigen die immer wiederkehrenden Überschwemmungen, die dank Flächenversieglung und Klimawandel inzwischen überall zuschlagen können.

ITM: Wie ernst nimmt der deutsche Mittelstand anno 2018 die Sicherung seiner Unternehmensdaten?
Bayer:
Ausgehend von unseren Daten aus dem Vertrieb: immer noch nicht ernst genug. Bei der Anschaffung neuer Server- und Storage-Hardware steht die zugehörige Backup-Hardware und Software oft genug nicht auf der Einkaufsliste.

ITM: Warum geht hier das eine oder andere Unternehmen Ihrer Ansicht nach noch zu sorglos mit dem Thema um?
Bayer:
Im Vordergrund steht bei den Anwendern eher Business Continuity und Ausfallsicherheit bei „kleineren Katastrophen“. Hier können moderne, hochverfügbare Server- und Storage-Lösungen Beachtliches leisten, am besten in Verbindung mit Georedundanz, also verteilten Standorten. Es ist auch vollkommen vernünftig, sich gegen statistisch viel häufigere Teilausfälle so abzusichern, dass der Betrieb vollkommen unterbrechungsfrei weiter laufen kann. Dennoch muss das Backup als letzte Verteidigungslinie, übrigens auch gegen Cyberangriffe, mitgedacht werden. Nur beschäftigt sich wohl niemand gern mit existenzbedrohenden Risiken.

ITM: Wie sollte eine vernünftige Backup-Strategie grundsätzlich aussehen, um für einen IT-Ausfall und möglichen Datenverlust gewappnet zu sein?
Bayer:
Wir sind Hardware-Hersteller und kein Systemhaus. Deshalb können wir nur für uns selbst sprechen. Die Thomas-Krenn.AG fährt eine klassische Backup-Strategie aus vollständigem und inkrementellem Backup, sowohl mit Backup-to-Disk als auch Tape. Wöchentliche vollständige Backups werden durch tägliche inkrementelle Backups ergänzt. Die LTO-Tapes lagern wir außerhalb des Firmengebäudes in einem Tresor. Für die automatisierte Erstellung setzen wir SEP Sesam ein. Durch das Backup-to-Disk ist ein schneller Zugriff auf gelöschte Daten möglich. Die Tapes sind die Lebensversicherung für den Ernstfall.

ITM: Mit welchen (personellen, zeitlichen, finanziellen) Herausforderungen ist die Umsetzung solch einer Strategie oftmals verbunden?
Bayer:
Auch hier sind keine seriösen Pauschalaussagen möglich. Einmal richtig aufgesetzt, liegt der personelle Aufwand im laufenden Betrieb nahe Null. Auf jeden Fall sollten aber mehrere Mitarbeiter des Unternehmens oder Dienstleister die Wiederherstellung unter wirklichkeitsnahen Bedingungen trainieren und bei der Hardware auf Skalierbarkeit achten. Denn die Datenmengen wachsen sprunghaft.

ITM: Welche Rolle spielt hierbei das Cloud-Backup im Vergleich zum physischen Backup?
Bayer:
Aus unserer Sicht kann ein Cloud-Backup das physische Backup allenfalls ergänzen, aber nicht ersetzen. Im Katastrophenfall ist ja oft auch die Netzwerkverbindung betroffen. Und selbst wenn nicht, kann eine komplette Wiederherstellung einiger Terabytes lange Zeit in Anspruch nehmen.

ITM: Worin bestehen die Vorteile und Möglichkeiten eines Cloud-Backups?
Bayer:
Ein Cloud-Backup ist sicher für Betriebswirtschaftler attraktiv, die auf Investitionskosten schauen. Andererseits kommt in der Regel alles ins Backup, was auf den Servern des Unternehmens liegt, also z.B. auch komplett unstrukturierte personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO. Rechnet man den zeitlichen Aufwand für sorgfältige Auswahl des Cloud-Providers, Verträge zur Auftragsdatenverbreitung, Konformitätsprüfungen und so weiter zusammen, lassen sich dafür vielleicht schon einige Server mit günstigen Festplatten für Backup-to-Disk oder auch so genannte Cold-Storage-Lösungen erwerben, die Archivierung und Backup verbinden. Dann fallen außer Strom und vielleicht einem gelegentlichen Lizenz-Update der Backup-Software kaum noch laufende Kosten an. Wir sind jedenfalls der Meinung, wer eigene Server betreibt, sollte auch das Backup nicht aus der Hand geben. Als Ergänzung kann ein Cloud-Backup praktisch sein, etwa um versehentlich gelöschte Daten im Self-Service-Verfahren schnell wiederherzustellen oder auch im Katastrophenfall außerhalb des zerstörten Unternehmenssitzes einen Notbetrieb einzurichten.

Bildquelle: Thomas-Krenn

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