5 Tipps für die Praxis

Das bringt IoT in der Landwirtschaft

Das EU-Forschungsprojekt „Internet of Food & Farm 2020“ (IoF2020) veröffentlichte Handlungsempfehlungen für die Etablierung des Internet of Things (IoT) in der europäischen Land- und Ernährungswirtschaft. Noch mangelt es an wesentlichen Voraussetzungen in der Branche. Auch die Politik ist hier gefordert.

Eine Karotte steckt in der Erde

In der Landwirtschaft gibt es viele denkbaren Einsatzszenarien für das Internet of Things (IoT).

Selbstfahrende Traktoren, vernetzte Erntemaschinen, Sensorsysteme zur Ermittlung der Bodenbeschaffenheit – in der Landwirtschaft sind vielfältige Szenarien für den Einsatz des Internet of Things (IoT) denkbar. Doch für die Branche ist das noch Zukunftsmusik. Die Hürden für einen mehrwertstiftenden IoT-Einsatz in der europäischen Land- und Ernährungswirtschaft sind hoch. Denn vielerorts mangelt es an essentiellen Grundlagen wie etwa flächendeckend schnellem Internet, Regelungen zum Datenschutz oder offenen Standards für den reibungslosen Datenaustausch.

„Zwar sind viele Technologien bereits erfolgreich in anderen Branchen etabliert und grundsätzlich auch auf die Landwirtschaft übertragbar. Doch die Rahmenbedingungen müssen stimmen“, betont Klaus Förderer, Senior Manager bei GS1 Germany, und weiter: „Hier sind die politischen Akteure gefordert.“ Im Rahmen des EU-Forschungsprojekts „Internet of Food & Farm 2020“ (IoF2020) wurden nun unter der Leitung von GS1 Germany sieben „Policy Recommendations“ erarbeitet:

  1. Digitale Infrastruktur ausbauen: Ohne flächendeckendes, performantes Netz findet keine Digitalisierung statt – und damit auch kein Einsatz des Internet of Things. Denn Hightech im Feld oder Stall setzt ein ausreichend schnelles Internet voraus. Insbesondere in ländlichen Regionen gilt es, die Netzabdeckung stark zu optimieren. Dies betrifft sowohl hoch performante Glasfaser- und 5G-Mobilfunknetze als auch Technologien, die für eine hohe Abdeckung sorgen und die für viele IoT-Anwendungen bereits eine ausreichende Bandbreite liefern. So zum Beispiel Low-Power Wide-Area Wireless-Technologien (LPWAN).
  2. Öffentliche Daten bereitstellen: Ohne Daten kein Datenaustausch. Ohne Datenaustausch kein IoT. Offen zugängliche Informationen wie Wetter-, Umwelt- oder Geodaten sind Voraussetzung, um das volle IoT-Potential nutzen zu können. Darüber hinaus bedarf es zukunftsfähiger Schnittstellen zur Datenübertragung zwischen Objekten wie beispielsweise Landmaschinen.
  3. Dateneigentum und -nutzung regeln: Die im Rahmen von IoT-Prozessen generierten und geteilten Daten gilt es zu schützen. Dafür werden Rahmenbedingungen benötigt, die die gemeinschaftliche Datennutzung und die Rechte des Dateneigentümers, also des Landwirts, regeln und sichern.
  4. Datenschutz sicherstellen und vereinfachen: Datenschutz ist eine der wesentlichen Herausforderungen im Rahmen von IoT-Projekten. Voraussetzung dafür sind entsprechende Regelungen sowie Unterstützung für die Akteure entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette – vom Bauern über den weiterverarbeitenden Betrieb bis hin zum Händler.

 IoT-Komponenten wiederverwerten: IoT-Ökosysteme basieren auf unterschiedlichen Technologien. Um doppelten Aufwand zu vermeiden, Kosten möglichst niedrig zu halten und Nachhaltigkeit zu fördern, gilt es die Wiederverwertung von einzelnen Komponenten – aus anderen Branchen oder Anwendungen – zu ermöglichen und zu unterstützen. 

Standardisierung fördern: Der Einsatz von Standards erhöht gegenüber proprietären Lösungen die Prozess- und Kosteneffizienz für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette. Dazu zählen zum Beispiel Standards von GS1 zur Identifikation von Unternehmen, Produkten und anderen Objekten oder der Schnittstellenstandard Epcis zur Verfolgung von Objekten entlang der Wertschöpfungskette. Gefordert sind Rahmenbedingungen, die die Nutzung von offenen Standards ohne die Entstehung von zusätzlichen Kosten ermöglichen.
  5. Digitalisierung fördern und Verwaltungsaufwand senken: Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie Menschen leben und arbeiten. Diese Transformation gilt es, zu managen und zu begleiten. Die Land- und Ernährungswirtschaft mit all ihren unterschiedlichen Akteuren benötigt Unterstützung, um gemeinsam neue Technologien und Prozesse zu adaptieren sowie neue Denkansätze zu verinnerlichen. Erst wenn Unternehmen zusammenrücken, kann es gelingen, dem Bedürfnis der Verbraucher nach mehr Transparenz gerecht zu werden.

Bildquelle: iStock/Getty Images Plus

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