IT-Kosten senken durch Software-Remarketing

Das Einsparpotential gebrauchter Software nutzen

Dass der Markt für Gebraucht-Software entgegen aller Cloud-Tendenzen und Abomodelle wächst, hat nach Ansicht von Björn Orth mehr Gründe als nur den Preis. Orth ist Geschäftsführer der Vendosoft GmbH, einem Anbieter von gebrauchter On-Premise-Software.

  • Mann fixiert Stapel aus Münzen

    „Vielen Unternehmen geht es beim Kauf gebrauchter Lizenzen darum, ältere Software-Versionen nachzukaufen, die der Hersteller nicht mehr anbietet, deren Lebenszyklus aber längst noch nicht abgelaufen ist“, erläutert Björn Orth, Geschäftsführer der Vendosoft GmbH.

  • Björn Orth, Vendosoft

    „Unternehmen, die ihre Software auf dem neuesten Stand halten wollen, müssen tief in die Tasche greifen. Dies gilt umso mehr, seit die großen Hersteller darauf drängen, ihre Mietmodelle durchzusetzen. Deshalb empfiehlt es sich, Gebraucht-Software in Erwägung zu ziehen“, rät Björn Orth.

ITM: Herr Orth, welche Art von gebrauchter Software wird zurzeit am häufigsten bei Ihnen nachgefragt?
Björn Orth: Wir handeln neue und gebrauchte Lizenzen der Hersteller Microsoft und Adobe. Gebraucht sind aktuell Adobe Acrobat Professional sowie die Creative Suite sehr begehrt, genauer gesagt Adobe CS6. Bei den Microsoft-Produkten werden verstärkt Windows Server, Server-Zugriffslizenzen und Office-Anwendungen ab Version 2013 nachgefragt. Wir können in der Regel alle gängigen Office-Anwendungen, Windows-, SQL- und Exchange-Server, deren Zugriffslizenzen sowie die Adobe-Produkte in großer Stückzahl liefern.

ITM: Wie arbeiten Sie mit den Software-Herstellern zusammen, wo werden Sie von Ihnen behindert?
Orth: Microsoft hat sich spürbar für das Thema gebrauchte Software geöffnet. Mittlerweile gibt es keine wirkliche Behinderung durch Microsoft oder Adobe mehr, weder uns noch unseren Kunden gegenüber. Wir arbeiten als Microsoft-Partner und Adobe Certified Reseller ohnehin eng mit beiden Herstellern zusammen.

ITM: Sie sagen, Software nutze sich nicht ab. Was aber ist mit zunehmenden Inkompatibilitäten zu anderen Programmen und/oder Betriebssystemen, die die Software-Anbieter bewusst einbauen?
Orth: Vielen Unternehmen geht es beim Kauf gebrauchter Lizenzen darum, ältere Software-Versionen nachzukaufen, die der Hersteller nicht mehr anbietet, deren Lebenszyklus aber längst noch nicht abgelaufen ist. Der Lebenszyklus von Microsoft-Software beispielsweise beträgt bis zu zehn Jahren. Ab Release-Datum erhalten Anwender – auch die Zweitkäufer – also zehn Jahre lang Updates und Sicherheits-Patches, wenn der „Extended Support“ zum Tragen kommt. Damit ist Microsoft Windows Server 2012 noch weitere vier Jahre ohne Sicherheitsrisiko einsetzbar.

Neuere Versionen wie Office 2016, Exchange Server 2016 oder der SQL Server 2017 bleiben auf lange Sicht verlässliche Alternativen zu den von den Herstellern propagierten Software-Abonnements. Bewusst eingebaute Inkompatibiliäten sind uns in all den Jahren nicht begegnet. Dass dies bei sehr alten Lizenzen der Fall sein kann – also beispielsweise ein Microsoft Exchange Server 2007 nicht auf dem neuesten Microsoft-Betriebssystem läuft –, halte ich für legitim. Technische Entwicklungen lassen sich nun mal nicht aufhalten. Zu Ihrer Frage fällt mir noch das Microsoft Service Agreement (SA) ein. Hier werden spezielle Funktionalitäten oder Sonderrechte einer Software-Lizenz tatsächlich nur bei Abnahme eines SA-Pakets vergeben. Das kann man richtig finden. Oder eben nicht.

ITM: Welche Finanzierungsangebote nehmen Mittelständler am häufigsten wahr und welche Volumina nehmen die Unternehmen in der Regel ab?
Orth: Unserer Erfahrung nach sind Mittelständler in Europa in Sachen Lizenzbeschaffung eher konservativ eingestellt. Sie kaufen lieber, als dass sie mieten, wobei es nicht immer die neueste Version sein muss.
Das durchschnittliche Auftragsvolumen liegt bei knapp 10.000 Euro. Was die Finanzierung angeht, nutzen unsere Kunden sehr aktiv unsere Refinanzierungsmöglichkeiten: Das ist zum einen der Ankauf gebrauchter Software aus den Unternehmen. Denn in fast jeder Firma findet sich ungenutzte Software, weil Geschäftsbereiche ausgelagert, Software-Updates durchgeführt oder neue Server angeschafft wurden. Hier liegen je nach Firmengröße Vermögenswerte von etlichen 10.000 bis 100.000 Euro brach und können veräußert werden.

ITM: Wie organisieren Sie die Implementierung und den Support für ältere gebrauchte Software?
Orth: Implementierung und Support gewährleisten wir durch geschultes Personal und eine eigene Support-Abteilung.

ITM: Wie verhalten sich Anbieter wie Microsoft oder Adobe in Lizenz-Audits, wenn sie auf gebrauchte Software stoßen?
Orth: Gebrauchte Software wird, wenn sie ordentlich dokumentiert ist, ebenso akzeptiert wie Neulizenzen. Um dies sicherzustellen, bedienen wir uns übrigens derselben Verfahren wie Microsoft: Microsoft lässt seine Audits von Wirtschaftsprüfern vornehmen, die die korrekte Lizenzierung bestätigen. Deshalb legen auch wir die Lieferkette aller Ankäufe gegenüber einer Wirtschaftsprüfungskanzlei offen. Diese bestätigt unseren Kunden die Korrektheit der erworbenen Lizenzen.

ITM: Welche Gründe spielen für die Käufer von gebrauchter Software neben dem Preis eine Rolle für die Inanspruchnahme Ihres Modells – Widerstand gegen die Cloud oder andere Herstellergebaren?
Orth: Die Motivation, gebrauchte Software-Lizenzen zu kaufen, ist vielfältig. Widerstand gegen die Cloud ist für manche Unternehmen ein Grund. Andere können die neueste Version aufgrund von Kompatibilitätsproblemen nicht einsetzen oder scheuen den Schulungsaufwand, den diese mit sich bringt.
Theoretisch können sich mittelständische Firmen komplett aus zweiter Hand eindecken.

Die Konzerne und großen Organisationen unter unseren Kunden stocken damit zumeist vorhandene Bestände auf oder aktualisieren diese. Es gibt Rechenbeispiele, die belegen, dass gebrauchte Software selbst bei aktuellen Programmversionen oft 50 Prozent unter dem Neupreis liegt. Damit stellt Gebraucht-Software eine günstige Alternative zu Mietabonnements dar.

ITM: Dennoch: Die neuesten Adobe-Produkte gibt es nur noch im Mietmodell, ebenso Office 365. Wie werden Sie vor diesem Hintergrund Ihr Geschäftsmodell im Sinne der Software-Nutzer anpassen?
Orth: Wir sind darauf vorbereitet, weil unser Portfolio auf neue und gebrauchte Software ausgerichtet ist. Damit bieten wir auch Cloudlösungen wie Microsoft Office 365 und/oder Hybridlösungen an. Alle unsere Mitarbeiter werden im Übrigen zu ‚Microsoft Licensing Professionals’ ausgebildet und zertifiziert. Mit dieser Form der Beratungsleistung werden wir von Kunden und Interessenten bereits heute als Spezialist für herstellerkonforme Lizenzierung wahrgenommen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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