Arbeiten 4.0

Das Gefühl für die Gemeinschaft erhalten

Katrin Beuthner, Geschäftsführerin von United Planet, im Gespräch über fehlendes Vertrauen, asynchrone Zusammenarbeit und den Vorteil von Social-Collaboration-Plattformen.

Katrin Beuthner, Geschäftsführerin von United Planet

Die richtige Work-Life-Balance ist für Katrin Beuthner, Geschäftsführerin von United Planet, weniger eine technische Angelegenheit, sondern viel mehr eine Frage der Unternehmenskultur.

ITM: Frau Beuthner, wieso sind Kernarbeitszeit und Anwesenheitspflicht für viele Führungskräfte solch empfindliche Themen?
Katrin Beuthner: Ich vermute, dass es hier oft an Vertrauen fehlt. Häufig haben Vorgesetzte immer noch ein falsches Bild vor Augen, wenn ein Mitarbeiter nach Homeoffice-Möglichkeiten fragt. Dazu kommt, dass es mehr Arbeit für den Vorgesetzten bedeutet, gute Ziele mit seinen Mitarbeitern zu definieren und die Zielerreichung regelmäßig zu besprechen, sodass ein Mitarbeiter auch unabhängig von Anwesenheit zielorientiert arbeiten kann. Ich glaube, dass viele Führungskräfte auch heute noch denken, dass sie ihre Mitarbeiter besser anleiten und kontrollieren können, wenn diese am Arbeitsplatz sitzen.

ITM: Wie kann eine Annäherung zwischen beiden Extremen – Anwesenheitspflicht und der Arbeit von zu Hause – gelingen?
Beuthner: Ein Teil einer Lösung kann eine Social-Collaboration-Plattform sein. Diese bietet über Telefon und Videokonferenzen hinaus auch eine asynchrone Zusammenarbeit und stärkt das „Wir-Gefühl”. Mitarbeiter, die nur im Homeoffice arbeiten, fühlen sich schnell nicht mehr als Teil der Firma. Dies wird durch Social-Collaboration-Tools verhindert, da der Mitarbeiter auch zu Hause am Geschehen beteiligt ist.

ITM: Die neue Freiheit durch Homeoffice und mobile Arbeitsplätze kann durch ständige Kontrolle und Erreichbarkeit auch schnell zur Belastungsprobe für Arbeitnehmer werden. Gibt es seitens aktueller Software auch Funktionen oder Mechanismen, die auf eine gesunde Work-Life-Balance einzahlen?
Beuthner: Es gibt technische Möglichkeiten, die auch von einigen Unternehmen genutzt werden, so z.B. den Mail-Versand ab einer bestimmten Uhrzeit abzuschalten. Ich denke jedoch, dass die technische Lösung alleine kein zufriedenstellender Ansatz ist. Das ist ein großes Thema der Unternehmenskultur und auch für jeden persönlich. Jeder muss seinen Weg zu seiner Work-Life-Balance finden. So ist es für manche nicht hinnehmbar, am Wochenende zu arbeiten, ich finde das manchmal sehr entspannend. Dann muss aber an anderen Tagen etwas kürzer getreten werden. Das ist der Punkt, an dem es oft schwierig wird – sowohl für den Mitarbeiter als oft auch in der Unternehmenskultur. Wenn hier Anwesenheitspflicht und Kernarbeitszeiten herrschen, dann wird es schwierig mit der Flexibilität, die die Work-Life-Balance fördert.

Bildquelle: United Planet

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