RZ-Trends für 2016

Das Rechenzentrum der Zukunft

Wie wird das Rechenzentrum der Zukunft aussehen? Welche Rolle werden Dauerthemen wie Cloud, Software-defined, Energieeffizienz und Datenschutz für Betreiber im nächsten Jahr spielen? Ein Blick auf die möglichen RZ-Trendthemen für 2016.

Rechenzentren sind im Laufe der vergangenen Jahre zur Basis der gesamten IT geworden. In ihnen halten Server- und Rechenanlagen den digitalen Betrieb von Wirtschaft und Unternehmen aufrecht.

Mit zunehmender Digitalisierung steigen die Anforderungen an einen modernen RZ-Betrieb etwa in Bezug auf Ausfallsicherheit, maximale Verfügbarkeit und Datenschutz. Denn Störungen oder Ausfälle von IT-Systemen können massive wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen, sodass das Data Center zu einer unverzichtbaren Infrastruktur geworden ist. Da wundert es nicht, dass „es relativ viele Mittelständler gibt, die ein eigenes Rechenzentrum betreiben oder auch komplett neu konzipieren“, so Wilfried Cleres, Principal Business Developer – Data Center Management & Automation bei Fujitsu.Weiter schätzt er, dass dies auf mehr als 50 Prozent des Mittelstandes zutrifft.

Mit 50 Milliarden vorhergesagten Geräten, die in den nächsten fünf Jahren laut Gartner an das Internet angeschlossen sein werden, stehen Rechenzentren vor der Herausforderung, für Unmengen an Daten benötige Speicher- und Rechenleistungen bereitzustellen. Und das nach Möglichkeit besonders energie- und kosteneffizient.

Nahezu jede Online-Aktivität durchläuft ein Rechenzentrum. Schon jetzt können Rechenzentren mit den aktuell vorhandenen Speicherkapazitäten kaum mit dem rasanten Datenwachstum Schritt halten. Laut Cisco Global Cloud Index wird der jährliche IP-Verkehr der Rechenzentren bis Ende 2018 weltweit 8,6 Zettabyte (ZB) erreichen. 2013 waren es noch 3,1 ZB, das entspricht einem jährlichen Zuwachs von über 20 Prozent.

Cloud erhöht den Druck


Neben der allgemeinen Digitalisierung spielt Cloud Computing in Form von verschiedenen Anwendungsformen (Saas, PaaS, IaaS), Diensten und Infrastrukturen eine Hauptrolle bei dem entstehenden Datenzuwachs. Zwar gehen „die meisten Unternehmen sehr vorsichtig und nur sukzessive in eine Cloud-Umgebung“, wie Wilfried Cleres glaubt. Doch „für viele mittelständische Unternehmen ist es mit steigendem Daten- und Rechenaufkommen dank monatlich abrechenbaren Cloud-Modellen, in der Regel heute schon günstiger, auf die Server-Leistung eines Dienstleisters und immer preiswertere Hosting-Modelle zurückzugreifen, als eine eigene Infrastruktur zu betreiben“, weiß Peter Hartl, Geschäftsführer der Hartl Group.

Und trotzdem unterhält ein „Großteil heute noch eigene Rechenzentren und das wird in Deutschland auch noch eine Weile so bleiben. Ein Hauptgrund ist der Datenschutz, der viele dazu bringt, die notwendigen Services in eigenen RZs zu betreiben“, berichtet Maik Hähnel, Executive Enterprise Datacenter Architect bei Fritz&Macziol. Und nicht erst seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Safe-Harbor-Abkommen ist zu spüren, dass internationale Cloud-Service-Provider ein deutsches Rechenzentrum als Partner suchen oder selbst einen Rechenzentrumsbetrieb in Deutschland aufnehmen.

Deutscher Datenschutz


Weil das deutsche Bundesdatenschutzgesetz in Bezug auf die informationelle Selbstbestimmung zu den strengsten Gesetzen zählt, ist dieses neben klaren Richtlinien und Zertifizierungen ein deutlicher Standortvorteil. Denn die Nutzung personenbezogener Daten ist hierzulande per se verboten und bedarf der ausdrücklichen und gesetzlichen Zustimmung des Betroffenen. Im angloamerikanischen Rechtsraum ist es genau umgekehrt. Wer seine Daten unter den Schutzschirm deutscher Gesetze stellen will, ist daher bei hiesigen RZ-Betriebern gut aufgehoben. Denn US-Gesetze, wie etwa der Patriot Act, haben zur Folge, dass amerikanische Unternehmen auf Antrag von US-Sicherheitsbehörden Einblick in sämtliche gespeicherten Nutzerdaten gewähren müssen. Das gilt unabhängig davon, wo sich diese Daten befinden.
Der Claim „Made in Germany“ wird im kommenden Jahr also auch weiterhin für Aufschwung im deutschen Rechenzentrumsmarkt führen.

Software-definiert ins Rechenzentrum


Viel ist derzeit die Rede vom software-gesteuerten Rechenzentren – dem Konzept des Software-defined Data Center (SDDC). Dabei sind nicht nur Rechenleistung und Speicherplatz virtualisiert, sondern auch Netzwerke und Sicherheitskomponenten. „Durch die Vorteile der Virtualisierung ist es mittlerweile möglich, Speichersysteme und komplette Rechenzentrumsinfrastrukturen als (hardware-unabhängigen) Service anzubieten, der ausschließlich über die Software zur kontrollieren ist. Dies führt direkt zu höheren Flexibilität und Skalierbarkeit für den Kunden bei gleichzeitig geringeren Investitionskosten“, so Rüdiger Sievers, Geschäftsführer DMRZ, Deutsches Mittelstandsrechenzentrum.

Obwohl im Mittelstand auch bei diesem Thema Vorsicht herrscht, „sind sich aber viele bewusst, dass es zukünftig auf eine Software-defined-Infrastruktur hinausläuft“, glaubt Wilfried Cleres. Bei allen technologischen und monetären Vorteilen muss allerdings auch die andere Seite betrachtet werden: „Nachteil ist, wenn man so will, dass Mittelständler diese Technologie im eigenen Rechenzentrum nur schwer selbstständig umsetzen können. Kosten, fehlendes IT-Personal und Zeitaufwand sind hier zu nennen“, gibt Peter Hartl zu bedenken.

Energieeffizienz trotz Leistungsdruck

Kritisch für die Zukunftsfähigkeit eines Rechenzentrums ist ebenfalls der Energieverbrauch. Da hierzulande die Energiepreise vergleichsweise hoch sind, sind neue Technologien und die Implementierung von Data-Center-Infrastructure-Management-Lösungen gefragt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Energieeffizienz ist in Rechenzentren schon lange ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor. Die Bedeutung nimmt aber natürlich in dem Maße weiter zu, in dem Rechenzentren ihre Kapazitäten immer weiter ausbauen. In Einklang bringen lässt sich das nur mit einem ganzheitlichen Energiekonzept“, weiß auch Lars Göbel, Leiter Vertrieb und IT-Services DARZ.

Wird es in zehn Jahren noch Rechenzentren im klassischen Sinne geben? Oder werden Daten von virtuell gemanagten Maschinen an virtuellen Standorten vorgehalten? Das RZ „wird sicher zu einem sehr hohen Grad automatisiert sein und weiterhin für die klassischen Unternehmensanwendungen eine wichtige Plattform darstellen“, prognostiziert Ulrich Hamm, EMEA Consulting System Engineer Datacenter bei Cisco.

Um den Rahmen für eine leistungsstarke IT zu bieten und für die Zukunft gerüstet zu sein, müssen Rechenzentren bereits heute in Dimensionen geplant sein, die erst in Zukunft benötigt werden. „Das Rechenzentrum der Zukunft wird zum energieeffizienten Rundumversorger für (fast) alle Belange der Unternehmens-IT werden“, ist sich Peter Hartl sicher.

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