Datensicherheit & Business Intelligence

Datenschutzvorgaben bei In-Memory Computing

Im Interview unterstreicht Sebastian Amtage, Geschäftsführer bei der auf Business Intelligence (BI) spezialisierten Unternehmensberatung B.telligent, den Nutzen von In-Memory Computing für Mittelständler und betont den hohen Stellenwert von Datenschutz und Datensicherheit.

„Wir arbeiten eng mit den jeweiligen Datenschutzbeauftragten zusammen“, sagt Sebastian Amtage, Geschäftsführer bei B.telligent.

ITM: Herr Amtage, inwieweit nutzen Mittelständler heutzutage Business-Intelligence-Lösungen? Oder schlagen sie sich eher noch mit Excel-Auswertungen herum?
Sebastian Amtage:
Momentan ist es in der Tat so, dass in vielen mittelständischen Unternehmen Daten lediglich in Excel vorliegen. Dabei sind diese „silomäßig“ in verschiedenen Dokumenten abgespeichert, ohne dass Querverweise existieren – oftmals sogar in verschiedenen Formatierungen, je nachdem, wer sie angelegt hat. Neben den hohen Reibungsverlusten beim Auffinden einzelner Datensätze gehen dabei auch wertvolle Informationen verloren, die ein entsprechender Kontext liefern könnte.

ITM: BI-Lösungen werden vor allem in der Finanzabteilung eingesetzt. In welchen weiteren Abteilungen kann sich ein Einsatz lohnen?
Amtage:
Zunächst ist festzuhalten, dass Business Intelligence prinzipiell in jedem Unternehmensbereich gewinnbringend eingesetzt werden kann. Es müssen allerdings zwei Bedingungen erfüllt sein: Zum einen sollte ein Betrieb über eine kritische Masse an Daten oder Datensätzen verfügen, damit sich hieraus Muster und Beziehungen zueinander ablesen lassen. Zum anderen muss die Erkenntnis aus der Datenanalyse dem Unternehmen einen Nutzen bringen, der die BI-Investitionen rechtfertigt.

Als Beispiel kann ein mittelständischer Oberflächenveredler dienen: Nachdem ein Auftrag erteilt wurde, beginnt der Veredlungsprozess. Heruntergebrochen auf einzelne Produktionsschritte kann der Betriebsleiter die Kosten für jeden kleinsten Schritt, beispielsweise die Energiekosten, auf Auftragsebene erfassen. Die sich hieraus ergebenden Informationen bieten die Basis für eine präzise Kalkulation für Kostenvoranschläge künftiger Aufträge mit ähnlichen Parametern. Hierdurch lassen sich wettbewerbsfähigere Angebote erstellen, da weniger „Puffer“ für vormals unbekannte Elemente der Betriebskosten berücksichtigt werden muss.

ITM: Wann sollte man sich als Mittelständler für Open Source BI und wann für ein Standardsystem entscheiden?
Amtage:
Eine solche Entscheidung hängt von vielen Details ab, beispielsweise: Soll die Lösung von den Mitarbeitern selbstständig betrieben werden oder möchte man dauerhaft auf externe Unterstützung setzen, damit sich das eigene Team auf seine Kernkompetenzen fokussieren kann? Wie ist es um die Infrastruktur des Anwenders bestellt? Würde sich eine Lösung hier leicht integrieren lassen oder sind vielfältige Individualisierungen notwendig?

Die Entscheidung, ob und welches System neu eingeführt werden muss, steht im Rahmen unserer Beratungsdienstleistungen an zweiter Stelle. Viel wichtiger ist eine Strategie bzw. ein Konzept, in dem die Ziele und Vorstellungen sowie die geplante Unternehmensentwicklung berücksichtigt sind. Mit den Kunden entwickeln wir zunächst ein gemeinsames Verständnis. Daraufhin führen wir Gespräche mit den Fachbereichen und bewerten die Infrastruktur. Erst dann kann die Technologiefrage beantwortet und eine Entscheidung über ein Standard- oder ein Open-Source-System getroffen werden.

ITM: Stichwort In-Memory Computing: Inwieweit ist der Einsatz solcher Technologien im Mittelstand lohnenswert? Wann wären diese eher überdimensioniert?
Amtage:
Man kann dies nicht ausschließlich an der Unternehmensgröße festmachen, sondern muss zudem die Anzahl der Daten bzw. Datensätze betrachten. Bei einer Vielzahl von Datensätzen oder für Firmen, die Daten in Echtzeit erhalten und bearbeiten wollen, können sich die Investitionen in In-Memory Computing lohnen – dementsprechend auch für den Mittelstand.

ITM: Nutzt man In-Memory Computing verstärkt zur Auswertung des Kundenverhaltens: Wie kann man dafür sorgen, dass solche Auswertungen weder Compliance-Vorgaben noch die Privatsphäre von Kunden verletzen?
Amtage:
Bei In-Memory-Lösungen greifen dieselben Vorgaben wie generell beim Thema Datenschutz. Die Verantwortlichen sollten zunächst darauf achten, dass sie eine entsprechende Sicherheitslösung implementiert haben, die vor unerwünschten Zugriffen schützt. Dazu gehört auch die Verschlüsselung der Daten während der Lagerung sowie während des Transfers. Ansonsten gelten auch bei In-Memory-Lösungen die gleichen Compliance-Richtlinien und Schutzmechanismen wie bei anderen Anwendungen – egal ob on premise oder in der Cloud. Die Einhaltung der Datenschutzgesetze hat bei unseren Projekten, in denen mit personenbezogenen Daten gearbeitet wird, immer eine hohe Priorität. Das heißt, dass der Datenschutz von Beginn an in die Konzepte mit einbezogen wird und wir eng mit den jeweiligen Datenschutzbeauftragten zusammenarbeiten.

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