Erfolgsschlüssel

Den Mehrwert für Kunden und Mitarbeiter messen

Alexander Rinke, Mitgründer und Co-CEO bei Celonis, erklärt im Interview, warum die Process-Mining-Technologie zum Schlüssel des Erfolgs werden kann.

Alexander Rinke, Mitgründer und Co-CEO bei Celonis

„Unsere Kunden nutzen die Ergebnisse der Prozessanalyse zur Prozessverbesserung“, erklärt Alexander Rinke, Mitgründer und Co-CEO bei Celonis. ((Bildquelle: Celonis))

ITM: Herr Rinke, Process Mining bietet Ansätze, fehlerhafte Prozesse in Unternehmen sichtbar zu machen. Warum ist das gerade für Mittelständler wichtig?
Alexander Rinke: Prozesse sind das Rückgrat eines jeden Unternehmens. Sie sind wesentlich für Erfolg, Wettbewerbsfähigkeit und Kundenzufriedenheit. Gerade Mittelständler stehen bei der digitalen Transformation vor der Herausforderung, dass es weniger personelle Ressourcen gibt und Maßnahmen schnell einen Mehrwert liefern müssen. Der Wettbewerbs- und Kostendruck ist hoch. Die Process-Mining-Technologie kann ein Schlüssel zum Erfolg sein. Sie hilft Unternehmen, sich auf die wirklich wichtigen Initiativen zu fokussieren und zu messen, welcher Mehrwert für Kunden und Mitarbeiter tatsächlich entsteht. Dabei werden auf Basis der bestehenden IT-Systeme automatisiert die Ist-Prozesse der Firma rekonstruiert, um Engpässe und Reibung in Kernabläufen wie Vertrieb, Einkauf, Logistik oder Produktion sichtbar zu machen. Dank Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning kann Process Mining zudem direkt Handlungsempfehlungen an Mitarbeiter geben.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Rinke: Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz von Process Mining beim mittelständischen Unternehmen Schukat Electronic aus Monheim. Erklärtes Ziel für den Distributor elektronischer Bauteile ist es, Ineffizienzen aufzudecken, um Kundenwünsche bestmöglich zu erfüllen. Dafür bekommt beispielsweise der Ordermanager jeden Morgen eine Benachrichtigung zu Lieferungen, die Gefahr laufen, verspätet versendet zu werden. Entsprechend kann er diese direkt im SAP-System priorisieren und per Express versenden. Process Mining hilft Unternehmen also nicht nur, in Echtzeit mehr Transparenz über ihre Prozesse zu gewinnen, sondern auch, ihre laufenden Prozesse in den Griff zu bekommen und zukünftige Prozesse zu steuern.

ITM: Was sollte bei der Implementierung beachtet werden?
Rinke: Process Mining kann in Unternehmen aller Branchen und Größen schnell implementiert werden. Die wichtigste Voraussetzung ist eine Verknüpfung mit den wesentlichen IT-Systemen. Das können kundeneigene Datenbanken, Cloud-Lösungen oder klassische Unternehmens-Software wie SAP sein.

Daneben müssen aus organisatorischer Sicht vorab einige Entscheidungen getroffen werden: Bevorzugt das Unternehmen eine zentrale oder dezentrale Lösung? Soll Process Mining „top-down“ oder „bottom-up“ aufgesetzt werden? Sehr hilfreich ist es, eine zentrale Stelle zu definieren, die innerhalb des Unternehmens den Einsatz von Process Mining vorantreibt, Wissen bündelt, die Nutzer unterstützt und Best-Practice-Beispiele bereitstellt.

ITM: Durch welche Maßnahmen lässt sich Process Mining noch veredeln?

Rinke: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Erkenntnisse aus Process Mining weiter zu nutzen. Unsere Kunden nutzen die Ergebnisse der Prozessanalyse zur Prozessverbesserung, beispielsweise durch eine erhöhte und intelligente Automatisierung wichtiger Kernprozesse. Das steigert die Produktivität und Geschwindigkeit der Abläufe. Der dritte Schritt, das Process Monitoring, schließt den Kreis und liefert den Entscheidungsträgern eine Sicht auf den Status wichtiger Prozesskennzahlen wie z.B. der Lieferzuverlässigkeit.

Eine weitere Veredelungsmöglichkeit ist externes Benchmarking, denn es bietet Unternehmen schon heute die Möglichkeit, Best Practices inhouse zu identifizieren und diese punktuell in anderen Bereichen anzuwenden, um gesamtheitlich effizienter zu arbeiten. Dabei werden industriespezifisch relevante Prozess-KPIs mit den unternehmenseigenen Werten verglichen. Beispiele sind „On Time Delivery“ und „First Time Right”-Raten oder der Automatisierungsgrad von Teilprozessen.

Grundsätzlich bietet Process Mining die einmalige Chance, system- und fachbereichsübergreifend Prozesse darzustellen und zu analysieren. Unternehmen können so ein Verständnis über die ganze Organisation entwickeln und dann strategische Initiativen mit voller Transparenz einleiten.

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