Ungesundes Selbstvertrauen

Der Stolz der ITler

„Auf Seite der Arbeitnehmer beobachten wir teilweise ein ungesundes Selbstvertrauen, das vor allem bei ITlern etwas ausgeprägter ist als in anderen Bereichen“, so Florian Walzer, Head of Sales & Marketing bei Rexx Systems. ITlern falle es oftmals schwerer, inhaltlich von anderen etwas anzunehmen. Das basiere auf dem eigenen Stolz, selbst zu wissen, was richtig ist.

Florian Walzer von Rexx Systems

„...dazu noch etwas Spritzigkeit, die Gabe von Inspiration und Innovation und schon haben wir den perfekten Mitarbeiter ‚gebacken‘“, meint Florian Walzer von Rexx Systems.

ITM: Herr Walzer, inwieweit wird der deutsche Mittelstand anno 2019 tatsächlich durch einen IT-Fachkräftemangel ausgebremst?
Florian Walzer:
Dem deutschen Mittelstand entgehen laut Schätzungen des Beratungshauses EY pro Jahr knapp 50 Mrd. Euro Umsatz, weil sie nicht genügend Mitarbeiter finden und deshalb Aufträge ablehnen müssen. Das Recruiting von Spezialisten ist ein entscheidendes Thema, das durchaus „zur Chefsache“ gemacht werden sollte. Ein Werkzeug, besser damit umgehen zu können, ist die Digitalisierung des HR-Bereichs. Eben dieser Weg wird für Unternehmen zunehmend wichtig und aktiv beschritten.

ITM: Wie groß sind denn die derzeitigen Qualifikations- und Wissenslücken der Arbeitssuchenden und Mitarbeiter? Woran hapert’s?
Walzer:
Für Unternehmen wird es darauf ankommen, insbesondere technische Mitarbeiter auszubilden und zu schulen. Generell könnten die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Bewerber besser sein. Aber auch hier kommt die Digitalisierung des HR ins Spiel: Ist es für das Unternehmen transparent, welcher Mitarbeiter welche Kompetenzen und Qualifikationen hat? Wie werden diese nachgehalten und aktiv gefördert? Wie kann der Bereich HR Ressourcen für Talententwicklung und Skill-Management haben?

ITM: Welchen konkreten Einfluss hierauf haben Trends wie Digitalisierung, Internet of Things (IoT) und Künstliche Intelligenz (KI)?
Walzer:
Technologien wie Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge oder Blockchain können monotone Prozesse automatisieren. Insbesondere werden dadurch Mitarbeiter von Routineaufgaben entlastet und können kreativer werden, vor allem aber Freiräume schaffen, sich um die wesentlichen Aufgaben zu kümmern.

ITM: Welche Rolle spielt demnach das Thema „IT-Weiterbildung“ in mittelständischen Unternehmen – seitens der Arbeitgeber, seitens der Arbeitnehmer?
Walzer:
Das Thema Weiterbildung ist ganz entscheidend, insbesondere in mittelständischen Unternehmen. Die Menge an Informationen in unserer Gesellschaft im Verhältnis zu anderen Bereichen der Gesellschafts- oder Wirtschaftsordnung nimmt überproportional zu. Andere nennen das bereits Informationsexplosion. So ist es insbesondere für die Arbeitgeber wichtig, sich gezielt um die Weiterbildung der Mitarbeiter zu kümmern, auch im Sinne des Employer Branding, also der Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen sowie um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicher zu stellen.

ITM: Woran scheitern IT-Weiterbildungsmaßnahmen seitens der Arbeitgeber / seitens der Arbeitnehmer oftmals? Was sind die großen Hemmnisse?
Walzer:
In meinen Augen ist die wesentliche Ursache fehlende zeitliche Kapazität. Für Arbeitgeber geht es also nicht nur um das finanzielle Investment einer Weiterbildungsmaßnahme, sondern vor allem um zeitliche Kapazitäten, an denen der Mitarbeiter nicht verfügbar ist, um wichtige Projekte bearbeiten zu können. Auf Seite der Arbeitnehmer beobachten wir teilweise ein „ungesundes Selbstvertrauen“ bei den Mitarbeitern, das vor allem bei ITlern etwas ausgeprägter ist als in anderen Bereichen. So fällt es ITlern oftmals schwerer, inhaltlich von anderen etwas anzunehmen. Das basiert auf dem eigenen Stolz, selbst zu wissen, was richtig ist. Aber auch hier hindern fehlende zeitliche Ressourcen den Erfolg von Weiterbildungsmaßnahmen.

ITM: Inwieweit kann KI gar bei der Jobsuche bzw. Suche nach IT-Talenten helfen?
Walzer:
KI kann Lebensläufe automatisch durchforsten und häufig gestellte Fragen von Bewerbern beantworten. Das steigert die Effizienz und Geschwindigkeit bei der Personalauswahl. Unser Kunde Materna hat mit Dosy einen Chatbot im Einsatz, der automatisiert alle Fragen zum Thema Jobs sowie allgemeine Fragen über das Unternehmen beantwortet. Und das rund um die Uhr. Solche Gimmicks können IT-Talenten zeigen, wie das Unternehmen mit der Zeit geht und sich für verschiedene Technologien öffnet. Aber wir sollten den Blick auch drehen: KI hilft Bewerbern bei der Jobsuche; das ist beispielsweise bei Apps wie dem Jobbringer der Fall, dass Stellenangebote vom Jobbringer nach den individuellen Wünschen und durch Algorithmen der Künstlichen Intelligenz aus der trendigen Jobbörse finest-jobs.com selektiert und durch die App vorgeschlagen werden. Aber KI ist darüber hinaus in der Lage, passende Kandidaten aufzuspüren, die durch Recruiter individuell angesprochen werden können.

ITM: Welche Skills müssen Arbeitnehmer anno 2019 und für die Zukunft mitbringen, um für ihre Arbeitgeber attraktiv zu sein und zu bleiben?
Walzer:
In erster Linie ist es eine Offenheit. Offenheit für Veränderung und Change-Prozesse aktiv mitzugehen, die Fähigkeit, sich selbst zu öffnen und zu vernetzen, aber auch der Erwerb und die Vermittlung digitaler Kompetenz. Aber natürlich geht es auch um die Fähigkeit, konzeptionell denken zu können und vor allem zu wollen. Dazu noch etwas Spritzigkeit, die Gabe von Inspiration und Innovation und schon haben wir den perfekten Mitarbeiter „gebacken“. Tatsächlich sieht der Arbeitsmarkt bei uns derzeit etwas anders aus. In Zeiten der Vollbeschäftigung ist es durchaus eine Herausforderung an gute Mitarbeiter zu kommen.

Bildquelle: Rexx Systems

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