Vom RZ-Konzept bis zur Realisierung

Der Weg zum modernen Rechenzentrum

Wie genau sieht es aus, „das“ moderne Rechenzentrum (RZ), das den Ansprüchen einer komplett vernetzten und unaufhörlich Daten produzierenden Industrie standhält? Auf was sollte man bei der Planung des RZ-Konzepts bis zu dessen Realisierung besonders achten?

Der Weg zum modernen Rechenzentrum

Worauf sollten die Verantwortlichen auf ihrem Weg zum modernen Rechenzentrum (RZ) besonders achten?

Nicht selten betreiben mittelständische Unternehmen ein eigenes Rechenzentrum (RZ) auf dem eigenen Firmengelände. Doch immer öfter scheinen die Data Center etwas in die Jahre gekommen zu sein. Ob das eigene Rechenzentrum modernen Ansprüchen genügt und in welchen Bereichen noch nachjustiert werden sollte, kann ein mittelständischer IT-Verantwortlicher mit der Untersuchung verschiedener RZ-Parameter herausfinden:

Ist das eigene RZ widerstandsfähig?

Technische Probleme und Ausfallzeiten im Rechenzentrum besitzen einen großen Einfluss auf die Profitabilität von Unternehmen. Dabei sind die Konsequenzen solcher Ausfälle nicht nur für Banken oder Mobilfunkanbieter verheerend, sondern durchaus auch für Mittelstandsbetriebe. Deshalb ist es wichtig, dass Netzwerke trotz steigender Anforderungen zuverlässig und sicher funktionieren.

Ist das Rechenzentrum immer verfügbar?

Viele mittelständische Unternehmen nutzen mittlerweile Anwendungen wie CRM-Tools aus der Cloud oder lagern ganze IT-Aufgaben an externe Anbieter aus. Auch der Trend zum virtuellen Arbeitsplatz spielt eine große Rolle, denn das Arbeiten von unterwegs oder aus dem Home Office gehört zum Alltag vieler Betriebe. Globale Teams kommunizieren rund um die Uhr per Videokonferenzen oder E-Mails. Die Folge: Immer mehr Daten, aber gleichzeitig auch immer höhere Anforderungen an die Verfügbarkeit. Netzwerke müssen deshalb zugänglich sein und zuverlässig funktionieren – rund um die Uhr, immer und überall.

Ist das RZ flexibel und skalierbar?

Skalierbarkeit bedeutet Leistungssteigerung, und zwar durch das Hinzufügen weiterer Netzwerkressourcen. Das ist heute wichtiger denn je, denn die Ansprüche an moderne Rechenzentren steigen kontinuierlich an. Deshalb ist Flexibilität beim Ausbau und Umbau der Infrastruktur gefragt. Denn wer flexibel und dynamisch auf Trends reagiert, sichert seine Position im Wettbewerb.

Falsche Investitionen?

Kommen mittelständische RZ-Leiter im Zuge der Beantwortung der vorausgegangenen Fragen nun zur Erkenntnis, dass ihr Rechenzentrum diesen Ansprüchen nicht genügt, bedeutet dies konkret: Was müssen Unternehmer und IT-Entscheidungsträger berücksichtigen, wenn sie ihre Rechenzentren auf kommende Herausforderungen vorbereiten wollen?

Viele Unternehmen machen laut Anbieter Brocade vor diesem Hintergrund häufig folgenden Fehler: Sie investieren weiterhin in ihre Legacy-Infrastrukturen und versuchen, sie am Leben zu erhalten. Doch das wird auf lange Sicht nicht genügen. Stattdessen sind fundamentale Änderungen nötig – insbesondere im Netzwerkbereich – die wie folgt aussehen können:

Moderne RZ-Netzwerk-Infrastruktur

Die Basis jedes Rechenzentrums ist noch immer die physische Netzwerkinfrastruktur, also die Verbindung zwischen Anwendungen, Servern und Storage. Leistungsstarke Switch-Netzwerke bilden durch ihre eng vermaschte Architektur eine Grundlage für moderne Rechenzentren. Sie automatisieren und vereinfachen das Netzwerk und können es deshalb mit der wachsenden Komplexität in der IT im Allgemeinen und in Rechenzentren im Besonderen aufnehmen. Außerdem können sie in bereits bestehende Umgebungen implementiert werden. So kann Schritt für Schritt die Migration eines Legacy-Netzwerks in eine neue Infrastruktur realisiert werden.

Virtuelle Infrastruktur

Ist das physische Fundament erst einmal geschaffen, geht es im nächsten Schritt darum, die Virtualisierung des Rechenzentrums möglichst weit voranzutreiben. Während physische Bestandteile des Rechenzentrums – wie beispielsweise Server – in den vergangenen Jahren bereits fast überall virtualisiert wurden, geht man im modernen Rechenzentrum noch einen Schritt weiter: Desktop, Storage und Netzwerke sowie deren Funktionen werden ebenfalls virtualisiert. Der Begriff Network Functions Virtualization (NFV) steht dabei genau für diese Fahrtrichtung. Denn das Ziel von NFV ist es, dedizierte, kostspielige Hardware – wie beispielsweise Switches und Router – durch Softwarelösungen zu ersetzen und so die Agilität des Netzwerks zu steigern. Einzelne Funktionen werden also von ihrer proprietären Hardware losgelöst und in softwarebasierte Lösungen integriert. Diese laufen auf einer einzigen Plattform, basierend auf einer flexiblen Infrastruktur, zusammen. So können beliebig viele Anwendungen und Dienste automatisiert gesteuert werden. Für Mittelständler kann dies ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein, denn sie können neue Services innerhalb kürzester Zeit in ihre Netzwerke integrieren.

Software-defined Networking

Ein weiterer Schritt ist die Automatisierung des Rechenzentrums. Dies geschieht durch Orchestrierung, also die zentrale Konfiguration ganzer Rechenzentren – von virtuellen Servern über Storage-Lösungen bis hin zum Netzwerk. Orchestrierungstools dienen dazu, die Funktionen des Netzwerks zu verzahnen und die Prozesse zwischen allen Netzwerkkomponenten im Rechenzentrum zu automatisieren. Eine technologische Grundlage für Orchestrierung bietet Software-Defined Networking (SDN). Bei SDN geht es – knapp zusammengefasst – um die Steuerung der einzelnen Datenpakete im Netzwerk und um die Frage, wie die dafür entsprechende Controller-Instanz aussieht. Dabei kommt es zu einer Trennung der Steuer- von der Datenebene. SDN ermöglicht damit die zentrale und flexible Verwaltung von immer komplexeren und virtualisierten Rechenzentren. Letztlich kann sich dies ebenfalls auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken, denn Unternehmen können so schnell und gezielt auf die sich ständig verändernden betriebswirtschaftlichen Bedürfnisse reagieren.

Ein Blick auf die Anforderungen und Lösungsansätze für heutige Rechenzentren zeigt: Die Mischung macht’s. Eine Kombination von physischen und virtuellen Komponenten sowie der Einsatz moderner Technologien wie NFV und SDN können zu mehr Stabilität, Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Effizienz verhelfen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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