Hybride IT-Landschaften

„Die Anforderungen sind zu individuell“

Gabriel Willigens, Experte für Datacenter & Connectivity bei Itenos, erklärt im Interview, wie mittelständische Unternehmen ihre IT-Infrastrukturen trotz spezieller Hürden sinnvoll modernisieren können.

„Die Anforderungen sind zu individuell“

„Die Verschiebung von Capex zu Opex macht die IT-Infrastruktur zunehmend zu einem geschäftskritischen Faktor.“ Gabriel Willigens, Itenos

ITM: Herr Willigens, Anwender stehen heute vor einer Vielzahl an Möglichkeiten, wenn es um die Wahl der richtigen IT-Infrastrukturen geht. Welche Strategie ist bei mittelständischen Unternehmen am weitesten verbreitet?
Gabriel Willigens: Eine gute Frage! Die Antwort lautet wohl: keine. Standardlösungen sind in der IT ein schwieriges Thema, besonders wenn es um die Infrastruktur geht. Hier ist ein großer Hype entstanden, der in der Praxis so aber schlichtweg nicht umsetzbar ist. Besonders im Mittelstand gibt es nicht die eine IT-Strategie – die Anforderungen sind zu individuell. Was wir aber sehen, ist, dass der Weg fast ausnahmslos in die Cloud führt.

ITM: Viele Unternehmen stehen vor dem Dilemma, dass sie ihre Daten zwar gerne im eigenen Rechenzentrum halten wollen, die damit einhergehenden Kosten aber kaum tragen können. Gibt es einen gangbaren Kompromiss?
Willigens: Das stimmt. Dafür gibt es in der Regel zwei Gründe: Sicherheitsbedenken und der Wunsch nach räumlicher Nähe. Für beide Aspekte gibt es Lösungen. Diese führen zu einer Mischung aus unterschiedlichen Modellen – sprich einer hybriden Infrastruktur. Die Ausprägungen sind dabei vielfältig. Wer nicht auf das eigene Rechenzentrum verzichten aber Kosten reduzieren möchte, kann die eigene Infrastruktur um Kapazitäten aus der Public Cloud erweitern. Beispielsweise für den Aufbau einer Testumgebung. Immer beliebter wird auch die Kombination von Cloud-Lösungen und Colocation-Services. Letztere bieten nicht nur Sicherheit, sondern auch eine geringe Distanz.

ITM: Die Verwaltung von hybriden Infrastrukturen gilt bisweilen als sehr aufwendig. Inwiefern lassen sich solche Aufgaben outsourcen? 
Willigens: Die Verschiebung von Capex zu Opex macht die IT-Infrastruktur zunehmend zu einem geschäftskritischen Faktor. Gerät sie ins Stocken, kann das das ganze Unternehmen gefährden. Gleichzeitig kommen in Zeiten von Hybrid- und Multi-Cloud aber unterschiedliche Lösungen, Dienstleister, Partner, Zugänge und Verträge zusammen. Um die wachsende Komplexität zu reduzieren und einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, braucht es eine zentrale Schnittstelle – einen Ansprechpartner, der alle Ressourcen im Blick behält und koordiniert, idealerweise mit einem Vertrag und einem Port. Diese Leistungen lassen sich in Form von Managed Services einkaufen. Wichtig ist dabei, dass der Partner in Sachen Konnektivität und Know-how breit aufgestellt ist.  

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Oftmals stehen geschäftskritische Legacy-Systeme der Modernisierung der 
Infrastrukturen im Weg. Was raten Sie Anwendern in solchen Fällen?
Willigens: Ganz klar: Finger weg von blindem Aktionismus! Entscheidend ist eine strukturiere Herangehensweise. Wir empfehlen daher zwei Dinge: eine genaue Analyse und eine schrittweise Migration – besonders, wenn selbstentwickelte Applikationen Teil der Digitalisierung sind. Hier gilt es, alle Business-Prozesse zu prüfen und die IT dann sukzessive Cloud-ready zu machen, etwa indem große Anwendungen aufgebrochen und in einzelnen Containern virtualisiert werden. Gleiches gilt in puncto Datenmigration. Daten müssen bereinigt, vorbereitet, modelliert und eine passende Datenbank etabliert werden.

ITM: Neben der eigentlichen Infrastruktur spielt auch die entsprechende Anbindung eine wichtige Rolle. Ein Faktor, der bei Unternehmen aus ländlichen Gebieten oft problematisch ist. Welche Einschränkungen gehen damit bei Modernisierungsvorhaben einher?
Willigens: Bei allen großen Trends der Digitalisierung liegt der Erfolg in der Vernetzung. Gestaltet sich die Anbindung mit dem Internet, neuen Partnern oder Cloud-Diensten schwierig, können demnach bestimmte Modelle, Services und Anwendungen gar nicht oder nicht umfassend genutzt werden. Deshalb sollten Unternehmen bei der Wahl des Rechenzentrums auf die Konnektivität achten. Nur so kann eine gesamtheitliche, anwendungs- und anbieterübergreifende IT-Infrastruktur entstehen, die gleichermaßen effizient und agil ist. 

Bildquelle: Itenos

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