Flaschenhals im Netzwerk finden

Die Backup-Lösung modernisieren

Im Gespräch erklären die beiden Backup-Experten Peter Bilicki, MTI Technology, sowie Dr. Stefan Radtke, EMC, mit welchem Aufwand die Einführung einer modernen Backup-Lösung verbunden ist.

  • Im Rahmen der Backup-Modernisierung sollten Mittelständler den Flaschenhals im Netzwerk finden.

  • Dr. Stefan Radtke, CTO Isilon Storage Division bei EMC Emerging Technology Division

    „Die größten Schwierigkeiten entstehen oftmals bei Erweiterungen von Backup-Systemen“, weiß Dr. Stefan Radtke, CTO Isilon Storage Division bei EMC Emerging Technology Division.

  • Peter Bilicki, Technical Account Manager bei MTI

    „Auch moderne Backup-Lösungen können einfach und unproblematisch in vorhandenen Infrastrukturen installiert werden“, so Peter Bilicki, Technical Account Manager bei MTI.

ITM: Herr Bilicki, mit welchen Anforderungen und Herausforderungen sind Backup-Lösungen heutzutage konfrontiert? Was müssen ­sie leisten?
Peter Bilicki:
Für viele Unternehmen sind enorm ansteigende Datenmengen und die immer aufwendigere Administration dieser Daten eine große Herausforderung. Oft sind Backup-Lösungen nicht genügend skalierbar, um die Datenmengen heute und in Zukunft zu speichern, und sie benötigen zu viel Zeit, um sie in immer kleineren Zeitfenstern zu sichern. Geschwindigkeit ist jedoch nicht nur bei der Sicherung ein wichtiger Aspekt, sondern auch beim Restore. Moderne Backup-Systeme müssen Datensätze sehr schnell wiederherstellen, denn Produktionsausfälle können für Unternehmen signifikante Verluste nach sich ziehen.

Ein weiteres Backup-Thema sind Compliance-Anforderungen. Viele Unternehmen müssen gesetzliche Regeln für die Datensicherung einhalten. Und sogar für Kredite, die ein Unternehmen unter den Auflagen von Basel II anfordert, kann das Backup eine entscheidende Rolle bei der Risikobewertung spielen. Zusammengefasst liegen die größten Herausforderungen in Leistung, Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und nicht zuletzt in einer möglichst einfachen und schnellen Administration.

ITM: Auf was sollte ein mittelständisches Unternehmen achten, wenn es sein Backup modernisieren will?
Bilicki:
In erster Linie muss ein Unternehmen bewerten, welche Anforderungen heute und zukünftig an das Backup gestellt werden. Dazu gehört eine Risikobewertung eines möglichen Datenverlusts oder Ausfalls von primären Speichersystemen ebenso wie eine Einschätzung der Datenzuwächse über die nächsten Jahre hinweg. Das Analystenunternehmen IDC beispielsweise geht davon aus, dass sich der Datenbestand alle zwei Jahre verdoppeln wird – selbstverständlich kann dies in Unternehmen je nach Branche und Datenart variieren. Darüber hinaus muss sich ein Unternehmen über Kosten und Administrationsaufwand im Klaren sein. Moderne Backup-Systeme benötigen wenig Zeit für die Verwaltung und belasten weder die internen Ressourcen noch die Budgets, die für einen externen Dienstleister bereitgestellt werden müssen.

ITM: Herr Radtke, welche Rolle spielt heutzutage Backup auf Disk für Mittelständler? Welche neuen Möglichkeiten gibt es in diesem Bereich?
Stefan Radtke:
Backup auf Disk ist heute „State of the Art“ und eine sinnvolle sowie zuverlässige Technologie. Viele mittelständische Unternehmen nutzen bereits heute Backup-to-Disk-Lösungen, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Ältere Disk-Backup-Lösungen stoßen jedoch bezüglich Speicherkapazität und Geschwindigkeit an ihre Grenzen und müssen gegen leistungsfähigere Lösungen ausgetauscht werden. Moderne Systeme können die hohen Anforderungen auch langfristig erfüllen. Die Kombination bietet eine gute Ausfallsicherheit, hohe Kapazitäten und ein schnelles Restore, wodurch das Risiko von Schäden durch einen Ausfall des Produktionsbetriebs gesenkt wird.

ITM: Wann ist nach wie vor der Einsatz von Tape sinnvoll?
Radtke:
Die Anforderung an Geschwindigkeit und Speichervolumen von Backup-Lösungen steigt stetig. Tape kann zwar große Datenmengen speichern, ist aber im Vergleich zu Disk-Lösungen langsam. Dies gilt insbesondere für den steigenden Anteil unstrukturierter Daten. Da die Zeitfenster für das Backup aber immer kleiner werden, sollte genau geprüft werden, ob eine Tape-Lösung sowohl für das Backup als auch das Restore überhaupt Sinn macht. Zudem gibt es bei Tape-Lösungen zahlreiche Fehler- und Risikoquellen. Zum Beispiel kann ein defektes Tape ungleich schwerer als eine Disk gerettet werden. Darüber hinaus birgt die Auslagerung von Tapes an einen sicheren Ort ein zusätzliches mechanisches Risiko.

Im Bereich der Langzeitarchivierung kann diese Speichertechnologie auch für große Unternehmen nach wie vor eine sinnvolle Möglichkeit sein, sofern man nur sehr selten auf ältere Daten zugreifen muss.

ITM: Wie geht MTI die Herausforderungen im Backup-Bereich an?
Bilicki:
Für uns als Systemhaus steht eine Bestandsaufnahme und eine möglichst genaue Prognose der individuellen Anforderungen des Kunden an erster Stelle. Dabei betrachten wir nicht nur die technischen Aspekte wie Datenmengen oder Zeitfenster, sondern beleuchten auch unternehmerische Aspekte wie Compliance oder rechtliche Vorgaben. Erst mit diesen Informationen können wir den Kunden beraten und eine Backup-Lösung genau auf die Situation zugeschnitten empfehlen.

ITM: Neue Lösungen erhöhen oftmals die Komplexität, was für den Mittelstand in vielen Fällen schwierig mit internen Ressourcen zu bewältigen ist. Mit welchem (Mehr-)Aufwand müssen die Unternehmen rechnen?
Radtke:
Die größten Schwierigkeiten entstehen oftmals bei Erweiterungen von Backup-Systemen. Je höher die Datenmengen werden, desto besser muss auch die Leistung der Lösung sein. Aus technischer Sicht kann diese Anforderung mithilfe von parallelem Schreiben erreicht werden. Betreibt man die Optimierung jedoch mit klassischen Lösungen, erhöht sich die Komplexität in fast allen Fällen. Die Administratoren benötigen dadurch mehr Ressourcen, die sie eigentlich für wichtigere Aufgaben einsetzen sollten. Es stellt sich also die Frage, ob ein mittelständisches Unternehmen nicht besser in eine modernere Lösung investieren sollte. Die Kombinationslösung von EMC und Commvault beispielsweise automatisiert viele komplexe Aufgaben im Hintergrund.

ITM: Und mit welchen Änderungen muss ein Unternehmen im ­Hinblick auf die vorhandene Infrastruktur rechnen?
Bilicki:
Auch moderne Backup-Lösungen können unproblematisch in vorhandenen Infrastrukturen installiert werden. Im Normalfall müssen keine gravierenden Änderungen vorgenommen werden. Wir empfehlen unseren Kunden, zusätzlich ein Assessment durchzuführen. Hier prüfen wir, ob ein bisher unbemerkter Flaschenhals im Netzwerk zu finden ist, und lösen diesen gemeinsam mit dem Kunden. Eine Migration der Daten vom alten auf das neue Backup-System ist nicht nötig. Nach der Installation lässt man beide Systeme einige Zeit parallel laufen und wartet die automatische Veraltung der gesicherten Daten auf dem früheren System ab. Danach kann das alte Backup abgeschaltet werden.

Bildquelle „Bild 1“: © Thinkstock/iStockphoto

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