Bereicherung und Chance

Die eigenen IT-Kompetenzen weiterentwickeln

Laut Steve Wainwright, Managing Director EMEA von Skillsoft, gibt es folgende gute Nachricht: „Die meisten Mitarbeiter sehen die Möglichkeit, ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln, als Bereicherung und Chance für die Karriereentwicklung.“ Ein strukturiertes Lern- und Entwicklungsprogramm zeige hierbei den Mitarbeitern, dass das Unternehmen ihre persönliche Entwicklung schätzt.

Steve Wainwright, Managing Director EMEA von Skillsoft

„Die Auswahl einer bestmöglichen interaktiven Lernplattform ist ein wichtiger Schritt“, meint Steve Wainwright, Managing Director EMEA von Skillsoft.

ITM: Herr Wainwright, technische Innovationen, Robotik, Mobilitätslösungen: Inwieweit ist die Digitalisierung bereits im deutschen Mittelstand angekommen?
Steve Wainwright:
Wir sehen gar keine so großen Unterschiede zwischen größeren Unternehmen und dem Mittelstand. Auch hier stehen Digitalisierungsmaßnahmen bei fast allen Unternehmen, mit denen wir sprechen, auf der Roadmap, falls sie nicht bereits angelaufen sind. Ein Vorteil für mittelständische Unternehmen ist, dass sie oft agiler sind als Großkonzerne, und daher mehr Flexibilität bei der Umsetzung von Digitalisierungsinitiativen haben.

ITM: Welchen Einfluss übt die Digitalisierung hierbei auf das Personalmanagement der Unternehmen aus?
Wainwright:
Eine Studie der Oxford University rechnet damit, dass in den nächsten drei bis fünf Jahren 47 Prozent aller aktuellen Jobs wegfallen. Das bedeute nicht, dass es keine Mitarbeiter mehr gibt und die Maschinen übernehmen. Vielmehr werden sich die Arbeitsanforderungen und die beruflichen Positionen verändern. Zukunftsorientierte Unternehmen analysieren bereits heute, welche Qualifikationen und Fähigkeiten sie in drei bis fünf Jahren benötigen werden. Besonders in Hinblick auf den Fachkräftemangel können Unternehmen so bereits heute mit geeigneten Weiterbildungsmaßnahmen gegensteuern und intern die nötigen Kompetenzen aufbauen.

ITM: Welche Rolle spielen bislang die sogenannten Chief Digital Officer (CDOs) im Mittelstand? Werden sie überhaupt benötigt?
Wainwright:
Die Aufgabe eines CDOs ist es, Digitalisierungsinitiativen voranzutreiben und zu steuern, sie fungieren als strategischer Lead zwischen allen beteiligten Abteilungen. Die Idee dahinter ist, dass die Digitalisierung nicht nur die Implementierung neuer IT-Systeme beinhaltet, sondern unternehmensweite Änderungen in Bezug auf Geschäftsprozesse, Strukturen und benötigte Fähigkeiten der Mitarbeiter. Gerade in kleineren Unternehmen gibt es häufig keinen ausgewiesenen CDO. In diesem Fall ist eine gute Zusammenarbeit von Management, IT und HR gefragt, um die nötigen Veränderungen entsprechend umzusetzen.

ITM: Inwieweit zeigen die (bisherigen) Mitarbeiter Bereitschaft, neue digitale Kompetenzen zu erwerben?
Wainwright:
Die gute Nachricht ist: Die meisten Mitarbeiter sehen die Möglichkeit, ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln, als Bereicherung und Chance für die Karriereentwicklung. Ein strukturiertes Lern- und Entwicklungsprogramm zeigt den Mitarbeitern, dass das Unternehmen ihre persönliche Entwicklung schätzt. Dies wiederum erhöht die Loyalität der Mitarbeiter. Unternehmen, die eine starke Lernkultur haben, profitieren laut einer Deloitte-Studie von Mitarbeiterbindung und -engagement, die etwa 30 bis 50 Prozent höher sind als bei Unternehmen, die dies nicht tun.

ITM: Inwieweit haben sich bereits IT-Weiterbildungsstrategien in den mittelständischen Betrieben etabliert?
Wainwright:
IT-Schulungen sind für mittelständische Unternehmen von entscheidender Bedeutung, daher ermöglichen viele Firmen ihren IT-Mitarbeitern die Teilnahme an allen erforderlichen Schulungen. Die Hürden werden allerdings durch schnelle Innovationen und hohe Kosten größer. Deshalb suchen viele Unternehmen nach flexibleren Lösungen, die es den Mitarbeitern ermöglichen, an wichtigen Projekten zu arbeiten und gleichzeitig die erforderlichen Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen zu erhalten. Im Gegensatz zu Präsenzschulungen bieten digitale Lernangebote hier mehr Flexibilität.

ITM: Wie bzw. mit welchen konkreten Tools können die Mitarbeiter digitale Kompetenzen erwerben?
Wainwright:
Der Schulungsbedarf ist natürlich bei jeder Organisation unterschiedlich. Neben Präsenz-Trainings geht der Trend jedoch wie gesagt hin zu digitalen Angeboten, die zeit- und ortsunabhängig flexibel in den Arbeitsalltag integriert werden können. Bei der Wahl eines geeigneten Angebots sollten Unternehmen einige Schlüsselelemente berücksichtigen: Die Ressourcen und Inhalte sollten leicht zugänglich und über jedes Gerät (Desktop, Laptop, Smartphone oder Tablet) zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar sein. Wichtig sind auch intelligente Suchfunktionen bzw. dynamische Inhaltsvorschläge. Moderne Plattformen bieten unterschiedliche Formate wie Micro-Learning, Video-Trainings, E-Books, Lernquiz etc. in einer ansprechenden, benutzerfreundlichen Gestaltung mit Funktionen, wie sie die Mitarbeiter von Netflix oder Amazon kennen.

ITM: Welche Rolle spielt hierbei das E-Learning?
Wainwright:
In der digitalen Arbeitswelt bieten digitale Lernangebote viele Vorteile wie die angesprochene Flexibilität, die es ermöglicht, Trainings in bedarfsgerechten Einheiten in den Arbeitsalltag zu integrieren. Kuratierte digitale Inhalte gehen auf die individuellen Bedürfnisse jedes Mitarbeiters ein, helfen dabei die passenden Inhalte zu finden und fördern die Weiterentwicklung zu Gunsten des Arbeitnehmers und des Unternehmens.

ITM: Worin bestehen die Herausforderungen beim elektronisch unterstützten Lernen?
Wainwright:
Die Auswahl einer bestmöglichen interaktiven Lernplattform ist ein wichtiger Schritt. Unattraktive Lernangebote, unübersichtliche Inhaltssuche oder eine unzureichende Kommunikation zu den Angeboten können zu mangelnder Akzeptanz und Lernbindung führen. Attraktive und gut kuratierte Inhalte, die auf spezifische Funktionen, Aufgaben, Rollen und Fähigkeiten abgestimmt sind, erhöhen hingegen die Nutzungsbereitschaft und die erfolgreiche Nutzung. Eine E-Learning-Plattform sollte den Mitarbeitern heute die Freiheit geben, ihre Lernpfade selbst zu wählen – doch sollten diese Lernpfade von der Organisation geleitet und kuratiert werden, damit die Mitarbeiter die benötigten Inhalte finden und sich nicht überfordert fühlen.

ITM: Welche Bedeutung schreiben Sie dem „lebenslangen Lernen“ zu?
Wainwright:
In vielen Berufsfeldern ist es bereits Gang und Gäbe, permanent neue Technologie einzusetzen und mit sich ständig verändernden Funktionen oder Benutzeroberflächen klar kommen zu müssen. Denn gerade die technische Entwicklung schreitet rasend schnell voran. In anderen Berufen konnte man sich nach der grundlegenden Ausbildung über lange Zeiten hinweg auf sein Expertenwissen stützen. Das wird in Zukunft in immer weniger Berufen der Fall sein. Der Experte von heute kann bereits morgen zum alten Eisen gehören. Es ist daher von entscheidender Wichtigkeit, neue Fähigkeiten durch dauerhaftes freiwilliges Lernen und Fortbildung zu entwickeln, um sich selbst weiterzubilden und die eigene Einsatzflexibilität zu erweitern. Heute ist es einfacher denn je, dies zu tun, da viele Lerninhalte frei verfügbar sind.

Bildquelle: Skillsoft

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