Neue Verteidigungsstrategien

Die Festung Netzwerk hat ausgedient

Die Digitalisierung kritischer Geschäftsprozesse verbunden mit dem Einsatz hybrider Clouds und von mobilen Endgeräten haben zu einer gestiegenen Komplexität von internen Netzwerkinfrastrukturen geführt. Um deren Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit zu sichern, sind neue Tools, Strategien und Initiativen zur Verwaltung unverzichtbar.

  • Levin Merl, Regional Marketingmanager bei der HP-Tochter Aruba.

    „Die Zeiten traditioneller Netzwerkmodelle sind vorbei“, glaubt Levin Merl, Regional Marketingmanager bei der HP-Tochter Aruba.

  • Thomas Harrer, CTO Hardware Sales bei IBM Systems.

    „Leistungsfähige Netzwerke sind die Grundlage für die Nutzung hybrider Cloud-Angebote“, erklärt Thomas Harrer, CTO Hardware Sales bei IBM Systems.

  • Gerhard Abeska, Enterprise Portfolio Business Manager bei Dell Networking

    „Sicherheit fordert Integration“ kommentiert Gerhard Abeska, Enterprise Portfolio Business Manager bei Dell Networking weiter unten im Text.

  • „Datenautobahn war gestern“ sagt Olaf Hagemann, Director DACH bei Extreme Networks im Kommentar am Ende der Seite.

Nach Vorhersage des vom Netzwerkspezialisten Cisco durchgeführten Visual Networking Index (VNI) wird es im Jahr 2020 voraussichtlich 767,5 Millionen vernetzte Geräte in Deutschland geben –  mehr als die Hälfte davon werden Maschinen sein, die nicht direkt mit Menschen kommunizieren. Die erzeugte Datenmenge der Maschinen wird jedoch nur sechs Prozent der Gesamtsumme betragen. Der klassische Computer (36 Prozent) wird in Sachen Datenverbrauch zunehmend vom Fernsehen eingeholt (32 Prozent). Smartphones und Tablets folgen dahinter mit 26 Prozent.

Für das explosive Datenwachstum sind verschiedene Entwicklungen verantwortlich. Dazu gehören etwa Innovationen im Bereich Internet der Dinge (IoT), Videoanwendungen, intelligente Stromzähler, digitale Gesundheitssensoren sowie M2M-Services der nächsten Generation. Alleine die Maschinenvernetzung wächst bis 2020 fast um das Dreifache auf weltweit 12,2 Milliarden Geräte.

Das sind Entwicklungen, die auch an den IT-Architekturen kleiner und mittelgroßer Unternehmen nicht spurlos vorübergehen. Klassische Verteidigungsstrategien wie „Deiche erhöhen“ oder „Festung ausbauen“ funktionieren in Zeiten von Industrie 4.0, Social Collaboration, Cloud-Diensten und Mobile Enterprise nur noch lückenhaft – Unternehmensnetzwerke sind keine geschlossenen Systeme mit wenigen, einfach zu kontrollierenden Zugangspunkten mehr.

IT-Experten sind sich einig: Zu einem zukunftssicheren Netzwerkmanagement gehören die Formulierung klarer Strategien sowie die fortlaufende Steuerung, Überwachung und Verbesserung von Prozessen, Strukturen, Systemen und Ergebnisse.

Vorausschauende Analysen verhindern Fehler

Bisherige Netzwerkmodelle basierten auf dem Konzept rein statischer, verkabelter Desktop-Clients, die mit einem Pool interner Server kommunizieren. Doch diese Modelle decken nach Meinung von Levin Merl, Regional Marketingmanager bei der HP-Tochter Aruba, längst nicht mehr den aktuellen Bedarf, beispielsweise an Drahtlosverbindungen, ab. „Die zunehmende Mobilität erfordert den Zugang zu sicheren WLAN-Verbindungen in einer ganzen Reihe von Branchen und Organisationstypen. Wave-2-Implementierungen des IEEE 802.11ac sind hier in der Lage, die geforderten Kapazitäten bereitzustellen, um eine zuverlässige Konnektivität für die stetig steigende Zahl an WLAN-fähigen Geräten im Unternehmensnetz zu gewährleisten“, so Merl.

Unternehmen benötigen laut Merl eine leistungsfähigere, zuverlässigere und auch speziell gesicherte Netzwerkinfrastruktur. Nach seinen Vorstellungen steuern Netzwerkmanagementapplikationen zukünftig intelligent die Ressourcen im Netzwerk und zwar herstellerunabhängig und über alle Layer des Netzwerks hinweg – vom Rechenzentrum bis zum Endgerät. Netzwerkzugriffsapplikationen sichern nicht mehr nur den Perimeter, sondern vergeben Rechte und Zugriff nach Profilen sowie rollenabhängig vom Kontext der Benutzung. „Letztlich versetzen vorausschauende Analysen Netzwerkadministratoren in die Lage, Probleme zu erkennen, bevor sie entstehen, und das Netzwerk software-abhängig zu steuern und damit eine optimal angepasste Funktionalität zu gewährleisten“, prognostiziert Merl.

Ohne Monitoring-Experten läuft nichts

Für Leon Adato von Solarwinds besteht die Herausforderung beim Netzwerkmanagement in der Verwaltung einer immer komplexer werdenden Mischung aus physikalischen und virtuellen Komponenten sowie dem Internet. „Gleichzeitig erfordern privat und geschäftlich genutzte Geräte (BYOD), nicht autorisierte Anwendungen (BYOA), Tablets und Smartphones eine höhere Bandbreitenkapazität und werfen neue Sicherheitsfragen auf. Aktuelle Trends wie IoT, Software-defined Networking (SDN) und hybride IT verstärken diese Entwicklungen“, stellt Adato fest.

Egal ob on premise oder in der Cloud – mit ganzheitlichem Monitoring der IT-Umgebung, sprich einer einheitlichen Ansicht von Fehlern, Leistung, Verfügbarkeit, Datenverkehr und Konfigurationen, können Systeme seiner Ansicht nach stetig verbessert und Geschäftsprozesse erfolgreich optimiert werden. Er empfiehlt Unternehmen deshalb die Benennung eines dezidierten Netzwerküberwachungsexperten, der eine ganzheitliche Übersicht über die Performance der IT-Infrastruktur hat. „Alternativ müssen Unternehmen sicherstellen, dass das bestehende IT-Team detailliert mit der Funktionsweise von Monitoring-Komponenten, Netzwerken, Anwendungen, Virtualisierung und dem generellen Konfigurationsmanagement vertraut ist“, so Adato.

Dass man ein leistungsfähiges Netzwerk braucht, um sein Geschäft mit hybriden Cloud-Angeboten anzureichern, ist unter IT-Experten heute unbestritten. „Unternehmen benötigen die richtige Bandbreite, sowie Quality of Services und gegebenenfalls muss auch auf Latenzzeiten geachtet werden. Die Verfügbarkeit des Netzes spielt ebenfalls eine große Rolle. Außerdem müssen Sicherheitsaspekte wie Firewalls, DMZ, Intrusion Detection, etc. berücksichtigt werden“, unterstreicht Thomas Harrer, CTO Hardware Sales bei IBM Systems DACH.

SDN-Lösungen übernehmen die Kontrolle

Ein nicht ausreichend leistungsfähiges Netz kann Unternehmen dabei behindern, von Trends wie Cloud, Big Data, Mobiltechnologien, Social Media und Sicherheitstechnologien zu profitieren. IT-Services mit mangelhafter Leistung wirken sich direkt auf die Benutzer- und Kundenzufriedenheit aus. Sie führen zu geringerer Produktivität und niedrigeren Umsätzen. Nach Überzeugung von Harrer kann eine SDN-Lösung – ein integraler Bestandteil der software-definierten Umgebung – Netze virtualisieren und zentralisierte Steuerung ermöglichen, damit Netzservices agiler und flexibler werden.

„Ein software-definiertes Netz auf Basis offener Standards unterstützt dabei durch die sehr schnelle Implementierung von Netzen. Es trägt zur Verringerung der Managementkomplexität und Betriebsausgaben durch automatisierte Steuerung bei und steigert die Sicherheit durch die Nutzung von Mustern in der Software. Letztlich fördert es künftige Innovation durch einfacheren Einsatz von Cloud-Ressourcen und den Aufbau einer agilen Plattform zur Durchführung von Analysen und Gewinnung verlässlicher Geschäftsinformationen“, fasst Harrer die Vorteile von SDN-Lösungen zusammen.

„Sicherheit fordert Integration“

Kommentar von Gerhard Abeska, Enterprise Portfolio Business Manager bei Dell Networking

Moderne, zukunftssichere Netzwerk- und Systemmanagementkonzepte müssen die gestiegenen Anforderungen der Unternehmen vor allem in Bezug auf IT-Sicherheit zu erfüllen. Gerade das Zusammenwachsen von Wired- und Wireless-Konnektivität wie auch die Anbindung unterschiedlicher Geräte, seien es mobile Devices, IP-Telefone, Scanner oder private Systeme, erfordern eine verstärkte Integration der Management-Tools. Sie sollten Monitoring, Konfiguration sowie Troubleshooting unterstützen und eine hohe Zugangs- und Netzwerksicherheit bieten. Für das Rechenzentrum ist eine höhere Automatisierung angeraten; so lassen sich Fehler vermeiden und Zeit sowie Kosten sparen. Außerdem ist die Entkoppelung der Hard- und Software sowie die weitere Modularisierung von Betriebssystemen unausweichlich. Die Unterstützung offener Schnittstellen wird noch wichtiger, damit Unternehmen von der geforderten Funktionalität, Integration und Homogenisierung des Systemmanagements profitieren können.

„Datenautobahn war gestern“

Kommentar von Olaf Hagemann, Director DACH bei Extreme Networks

Heutzutage erwarten Anwender hochleistungsfähige Netzwerke, die leicht skalierbar, flexibel und robust sind. Eine einfache, schnelle und intelligente software-basierte IT-Architektur und eine belastbare Hardware-Infrastruktur sind der Schlüssel dazu. Der Markt für mobile Endgeräte boomt und die Grenze zwischen privat und beruflich genutzten Geräten verschwindet. Daher erwarten Anwender eine nahtlose Integration, um alle Applikationen jederzeit, auf jedem Gerät nutzen und Inhalte schnell herunter- laden zu können. Die Netzwerke sollten nicht länger unter dem Fokus der Hardware und als reine Daten-Highways gesehen werden, sondern als „Gehirn“ Geschäftsentscheidungen unterstützen und optimale Kundenerlebnisse ermöglichen. Sinnvoll ist hierfür eine Lösung, die mehrere Netzwerkmanagementsysteme in einer einzigen Ansicht bündelt, um so das Management des Netzwerks anwenderfreundlicher und einfacher zu gestalten. 

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