RZ-Speicher auf dem Prüfstand

„Die Kapazität wird weiterwachsen“

Rainer Kaese, Senior Manager Business Development, Storage Products, bei Toshiba Electronics Europe, erklärt im Interview, welche Speichertrends derzeit den RZ-Betrieb beeinflussen.

„Die Kapazität wird weiterwachsen“

„Im Jahr 2019 wurden 84 Prozent des weltweiten Online-Speicherbedarfs durch Festplatten abgedeckt, nur 16 Prozent entfielen auf SSDs.“ Rainer Kaese, Toshiba Electronics Europe

ITM: Herr Kaese, Storage ist bei vielen Anwendern ein sehr pragmatisches Kosten-Nutzen-Thema. Welche Aspekte werden bei dieser Art der Betrachtung gerne übersehen? 
Rainer Kaese: Weil der Speicherbedarf tendenziell schneller wächst, als die Preise pro Kapazität fallen, Unternehmen aber nicht mehr Geld zur Verfügung haben, sind die Kosten tatsächlich der wichtigste Aspekt. Und auch der zweitwichtigste und drittwichtigste. Erst danach geht es um Performance, Zuverlässigkeit und Erweiterbarkeit.

ITM: Welche Lösung liefert die beste 
Perfomance?
Kaese: Die höchste Performance liefern unbestritten Flash-Speicher, allerdings kann ein Storage-System, das geschickt mit modernen Festplatten zusammengestellt wurde, durchaus IOPS im 10.000er-Bereich und Transferraten von einigen Gigabyte pro Sekunde erreichen. Für generische Massendaten ist das in der Regel mehr als genug, zumal der limitierende Faktor meist ohnehin die Netzwerkverbindung ist.

ITM: Welche Faktoren beeinflussen die Zuverlässigkeit und Erweiterbarkeit?
Kaese: Enterprise-Festplatten und -SSDs haben heute durchweg eine „Mean Time To Failure“ (MTTF) von mehr als zwei Millionen Stunden, sind also sehr zuverlässig. Natürlich wäre es ideal, könnten Unternehmen bereits bei der Einführung von Storage-Systemen eine Kapazität bereitstellen, die auch in fünf Jahren noch ausreichend ist. Aber nicht zuletzt aus Kostengründen ist das nur selten möglich. Also muss der Storage erweiterbar sein. Verläuft die Entwicklung des Speicherbedarfs vorhersehbar, bietet sich eine Scale-up-Lösung an, etwa ein Storage-Server oder ein Enterprise-NAS mit Schnittstellen für den Anschluss von Erweiterungsgehäusen. Ist der Speicherbedarf nicht planbar, sollten Unternehmen über Scale-out-Lösungen wie Ceph nachdenken. Hier wird der Speicher nicht an einen zentralen Storage-Server angeschlossen, sondern viele Storage-Server, sogenannte Nodes, werden zu Clustern verbunden. 

ITM: Welche Rolle spielt der Speicher für die Wettbewerbsfähigkeit von Anwendern, die eigene Rechenzentren betreiben?
Kaese: Sie müssen möglichst günstigen und idealerweise optimal auf den Anwendungsfall zugeschnittenen Storage bereitstellen. Dabei helfen die technologische Weiterentwicklung und die steigenden Kapazitäten der Speichermedien.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Von welchen technischen Entwicklungen profitieren die Betreiber derzeit? 
Kaese: Vor allem von stabilen Scale-out-Architekturen, die weit in den Petabyte-Bereich skalieren. In kleineren Umgebungen mit bis zu hundert Terabyte profitieren Anwender dagegen von Systemen klassischer NAS-Hersteller, die einen Großteil der Funktionen bieten, die bisher SAN-Storage von OEMs vorbehalten waren. Bei den Speichermedien haben sich mittlerweile SSDs mit PCI-Express durchgesetzt, während wir bei Festplatten bei bezahlbaren 16-Terabyte-Modellen angekommen sind. Ein Frontloader-Chassis mit 24 Bays bringt es so auf fast 400 Terabyte, während große Toploader mit mehr als 100 Bays sogar über anderthalb Petabyte in einem 4U-Gehäuse bereitstellen können.

ITM: Getrieben durch die anhaltende Popularität von Cloud-Services wächst der Bedarf an effizienten Speicherlösungen konstant. Wie lässt sich diese Nachfrage auch langfristig bedienen?
Kaese: Größtenteils nur mit Festplatten. Im Jahr 2019 wurden 84 Prozent des weltweiten Online-Speicherbedarfs durch Festplatten abgedeckt, nur 16 Prozent entfielen auf SSDs. Selbst wenn die SSD-Fertigungskapazität weiter erhöht wird, wird es nicht möglich sein, den wachsenden Speicherbedarf mit SSDs zu decken.

ITM: Wie wird sich die Technologie Ihrer Meinung in Zukunft nach weiterentwickeln? 
Kaese: Die Kapazität von Festplatten wird weiterwachsen. Experten rechnen noch für einige Jahre mit einer Steigerung von etwa zwei Terabyte pro Jahr bei gleichbleibenden Kosten. Aber auch die Verbreitung von SSDs wird in Zukunft stark zunehmen. Wegen der Explosion der zu speichernden Datenmengen ist es jedoch unmöglich, alle Daten auf SSDs zu lagern. Deshalb bleiben Festplatten gefragt und es ist auch mit einer steigenden Popularität von Tape-Storage zu rechnen. 

Bildquelle: Toshiba

©2021Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok