Explorative Tests

Die richtige Balance finden

Jan Wolter, General Manager EU beim Software-Testing-Spezialisten Applause, erläutert im Interview, warum vollständige Automatisierung im Bereich „DevOps“ nicht immer zielführend ist.

  • Jengaturm

    Jedes Unternehmen sollte auf seine Ressourcen schauen und gegebenenfalls Prioritäten setzen.

  • Jan Wolter, General Manager EU bei Applause

    Jan Wolter, General Manager EU bei Applause rät, "bei jedem Testfall individuell zu entscheiden, wie er sich am effizientesten abdecken lässt".

ITM: Herr Wolter, wie viel ist zu viel, wenn es um die Automatisierung von Prozessen in DevOps geht?
Jan Wolter:
DevOps versucht, durch Prozessautomatisierungen sowohl IT und Development näher zusammenzubringen als auch Fehler in der Software-Entwicklung zu reduzieren. Und das ist auch gut so. Doch gerade beim Testprozess lässt sich nicht alles sinnvoll automatisieren. Das liegt zum einen an menschlichen und zum anderen an technischen Einschränkungen. Denn automatisierte Testfälle werden von Menschen geschrieben – und diese können sich einerseits nur eine begrenzte Anzahl von Testszenarien vorstellen und laufen andererseits Gefahr, betriebsblinde oder voreingenommene Entscheidungen zu treffen. Hinzu kommt, dass sich bestimmte Testfälle rein technisch einfach nicht automatisieren lassen: zum Beispiel ein Test, bei dem das Endgerät physisch in einem Auto herumgefahren werden muss.

ITM: Warum und wie können manuelle Tests eine entscheidende Rolle bei der Sicherung der digitalen Qualität spielen?
Wolter:
Indem sie genau die Fälle testen, die sich nicht mit automatisierten Tests abdecken lassen. Bei manuellen Tests prüfen echte Anwender in realen Szenarien solche Funktionen und Anwendungsfälle, die sich entweder kein Entwickler hätte ausdenken können oder die sich rein technisch nicht automatisieren lassen. Abgesehen davon muss jedes Unternehmen auch auf seine Ressourcen schauen und gegebenenfalls Prioritäten setzen. Denn ein automatisierter Test muss nicht nur geplant und geskriptet, sondern später auch gepflegt und aufrechterhalten werden. Daher sollte bei jedem Testfall individuell entschieden werden, wie er sich am effizientesten abdecken lässt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Wie integriert man bestmöglich das manuelle Testen bei der Arbeit in DevOps?
Wolter:
Letztlich geht es darum, die richtige Balance zwischen manuellen Tests und Automatisierung zu finden. Helfen können dabei z.B. Funktionsflaggen, die Funktionen in der Produktion aktivieren, deaktivieren oder verbergen. Sie können für bestimmte Nutzer eingeschaltet werden und auf diese Weise manuelle Tests ermöglichen, die dem Entwicklungsteam wertvolle zusätzliche Erkenntnisse liefern und gleichzeitig keinen negativen Einfluss auf die DevOps-Prozesse nehmen.

Bildquelle: Applause / Thinkstock/iStock

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