Telekom-Konferenz Digital2018

Die vielen Facetten der Digitalisierung

Vergangene Woche kamen rund 7.000 Besucher zur Telekom-Konferenz „Digital2018“ nach Köln. Geboten wurden zahlreiche Vorträge und Diskussionen rund um die Digitalisierung und deren praxisnahe Umsetzung.

  • „Cyborg“ Neil Harbisson

    „In meiner Welt gibt es keine weiße oder schwarze Haut“, sagt der von Geburt an farbenblinde Neil Harbisson in seinem Vortrag. Da ein Sensor Farben in Töne umwandelt, „klingen in meiner Welt alle Menschen orange.“

  • Hagen Rickmann, Telekom Deutschland

    Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland, bei der Eröffnung der Digital2018 in Köln

  • Digital2018 in Köln

    Rund 7.000 Besucher kamen zur Digital2018 nach Köln

Als Schirmherr der Veranstaltung fungierte Hagen Rickmann, Leiter Geschäftskundenbereich bei der Telekom Deutschland. Er vermittelte seinem Auditorium nützliches Hintergrundwissen zum Digitalisierungsgrad deutscher Mittelständler. Als erfolgreiche Beispiele nannte er den Spielehersteller Ravensburger oder den Fotospezialisten Cewe. Letzterer hat allein zwischen 2002 und 2010 über 350 Mio. Euro in das digitale Geschäft investiert. Was sich gelohnt hat, zählt man heute doch zu einem der führenden Digitalfotoanbieter im Netz.

Der Spielehersteller Ravensburger entstammt ebenfalls als klassische Marke aus der physischen Welt. Bereits vor einiger Zeit fiel die Entscheidung zugunsten einer konzernweiten Digitalstrategie. Im Zuge dessen wurden nicht nur eine E-Commerce-Präsenz, sondern auch ein App-Portfolio aufgebaut. Zeitgleich erfolgte die Einführung einer CRM-Software und von „Smart Data“ im Unternehmen. Der Erfolg gibt den Strategen recht: Von 2007 bis 2017 konnte man den Umsatz von 285 auf 471 Millionen Euro steigern.

Neben der Vielfalt an Praxisbeispielen punktete die Veranstaltung mit prominenten Sprechern der IT- und Start-up-Szene, allen voran Apple-Mitgründer Steve Wozniak und Innovations-Guru Dietmar Dahmen. Weiterhin referierten der KI-Pionier Chris Boos und die Wirtschaftswoche-Herausgeberin Miriam Meckel über die Vor- und Nachteile der Künstlichen Intelligenz. Und Ex-Profiboxer Dr. Wladimir Klitschko gab gemeinsam mit dem DFB-Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff Einblicke in die digitalen Möglichkeiten für den Profisport.

Wie Sensoren die Sinne verändern können

Einen weiteren Höhepunkt stellte die Keynote von Cyborg Neil Harbisson dar. Geboren mit einer extremen Form von Farbenblindheit konnte er zeit seines Lebens allein Graustufen sehen. Im Alltag stellte ihn dies regelmäßig vor große Herausforderungen. So lassen sich U-Bahn-Pläne von Großstädten ohne Farbe nur schwerlich nachvollziehen. Ebenso gibt es Erkennungsschwierigkeiten bei Alarm- oder Ampelsystemen oder hinsichtlich des Unterschieds zwischen Heiß- und Kaltwasserleitungen (rot/blau). Auch der Gang durch den Supermarkt ist im grauen Allerlei alles andere als ein Einkaufserlebnis.

Bereits vor 15 Jahren schloss sich Neil Harbisson daher mit verschiedenen Technikspezialisten zusammen. Gemeinsam entwickelte man ein System, das in das Gehirn des Probanden implantiert wurde. Dabei erkennt eine kleine Kamera vor dem Gesichtsfeld die in einem Raum oder auf einer Fläche dominierenden Farben und übersetzt diese in Klänge. Auf Basis eines sogenannten „Colour Code“ wird anschließend jeder Farbton des Regenbogens als bestimmter Ton wiedergegeben. Damit nicht genug könnten laut Neil Harbisson auch für das menschliche Auge nicht wahrnehmbare Farben wie ultraviolett vermittelt werden. Dank des Systems wüsste man dann sofort, zu welchem Zeitpunkt die Sonnenstrahlung gefährlich würde und man besser den Schatten suchen sollte. Da das bei Harbisson implantierte System seit 2012 überdies eine Verbindung zum Internet beinhaltet, kommuniziert er darüber mittlerweile mit seinen Freunden in aller Welt.

Doch mit der Installation lief nicht immer alles rund: In der Regel ist es nicht erlaubt, sich auf Passbildern mit elektronischem Equipment ablichten zu lassen. Erst nach intensiven Gesprächen mit den zuständigen Behörden wurde für Harbisson eine Ausnahme gemacht. Darüber hinaus wird der vor dem Gesichtsfeld befindliche Sensor von der Umwelt sehr häufig argwöhnisch beäugt. Laut Harbisson wurde er von Passanten fälschlicherweise bereits für eine Kamera von Google Street View, ein Leselicht, ein Telefon oder für einen Selfiestick gehalten.

Für die Zukunft spielt Harbisson mit dem Gedanken, sich eine sogenannte „Solar Crown“ ins Gehirn implantieren zu lassen. Damit soll sich das Zeitempfinden beeinflussen lassen, sodass sich ein Tag wie 200 Tage anfühlen könnte. Damit wäre der Schritt hin zum ewigen Leben wohl gar nicht mehr so fern ...

Bildquelle: Ittermann

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