Schrott als Rohstoff

Digital unterstütztes Recycling

Eine Plattform für den Handel mit Schrott und Metallen soll für Schrotthändler und Recyclingfirmen den Aufwand bei dem An- und Verkauf von Wertstoffen reduzieren und den Aktionsradius der Partner erhöhen. Anders als Uber oder Airbnb setzt Matthias Spanic, Geschäftsführer der Scrappel GmbH, jedoch explizit nicht auf Verdrängung.

  • Schrott auf einem Schrottplatz

    „Grundsätzlich richtet sich unser Angebot an Unternehmen, die Wertstoffe in ihrer Produktion als Rohstoff einsetzen”, so Matthias Spanic, Geschäftsführer der Scrappel GmbH. ((Bildquelle: Getty Images / iStock))

  • Man biete den Kunden die Möglichkeit, mit neuen Partnern und weniger Aufwand den Handel mit Wertstoffen zu betreiben, so Spanic. ((Bildquelle: Scrappel GmbH))

ITM: Schrotthandel und Digitalisierung sind zwei Dinge, die man nicht unbedingt miteinander assoziiert. Wie kam es zu der Idee?
Matthias Spanic: Die Idee für eine digitale Plattform zum Handel von Schrott und Metallen entstand während eines Gesprächs mit einem Schrotthändler. Dieser beklagte sich über diverse Probleme in seiner Branche: Intransparenz und Unübersichtlichkeit im Markt, der Aufwand bei der Suche nach geeigneten Partnern und vor allem das mangelnde Vertrauen zwischen Händlern und Abnehmern. Aber eben auch über die stereotypischen Arbeitsweisen: Viele Geschäfte in der Branche werden noch immer klassisch über Telefon, Fax oder von Angesicht zu Angesicht abgewickelt. Rechnungen und Kaufverträge werden oft per Post verschickt und allenfalls Ausschreibungen erfolgen als Excel-Liste per E-Mail.

Damit ging viel Zeit verloren. Gleichzeitig gibt es in vielen mittelständischen Unternehmen noch eine gewisse Skepsis gegenüber der Digitalisierung. Die Frage war also, wie wir es schaffen, die Vorteile digitaler Möglichkeiten so umzusetzen, dass unsere Lösung möglichst einfach und dennoch sicher und praktikabel wird.

ITM: Welche Software- bzw. IT-Infrastruktur wird verwendet? Welche Anforderungen stellt dieses Geschäftsmodell speziell an die IT?
Spanic: Wir wollten das Rad nicht neu erfinden, sondern auf vertraute Wege der Kommunikation setzen. Bei der Zielgruppenanalyse fiel auf, dass die Nutzung von Messenger-Diensten wie Whatsapp zwar durchaus auch für die Kommunikation zwischen Geschäftspartnern in der Industrie zum Einsatz kommt, die letzte Konsequenz, d.h. die Erstellung von Verträgen und das Dokumentenmanagement, aber wieder außerhalb dieser Dienste erfolgt.

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Außerdem kam das starke Bedürfnis nach compliance-gerechten Prozessen –  sprich der umfassenden Dokumentation der einzelnen Geschäftsprozesse – zum Ausdruck. Wir haben uns deshalb entschieden, dass sich alles bei Scrappel um eine effiziente und nachvollziehbare Kommunikation zwischen Handelspartnern drehen muss.

ITM: Wie sieht die aus?
Spanic: Im Kern haben wir eine Instant-Messaging-Komponente entwickelt und diese um zusätzliche Funktionen erweitert. Vereinfacht ausgedrückt ist Scrappel eine Kombination aus Messenger à la Whatsapp, Ausschreibungsplattform in Anlehnung an Ebay sowie Netzwerkfunktion, wie sie Nutzer von Linkedin oder Xing kennen. Wir haben die Handelsplattform als Progressive Web App (PWA) entwickelt, damit sie sowohl am Desktop als auch auf dem Smartphone verwendet werden kann.

ITM: Welche Zielgruppe hat die Plattform im Visier und welche Voraussetzungen müssen Interessenten erfüllen, um an der Plattform teilnehmen zu können?
Spanic: Grundsätzlich richtet sich unser Angebot an Unternehmen, die Wertstoffe in ihrer Produktion als Rohstoff einsetzen, und an Unternehmen, in deren Produktion Materialreste anfallen, die als Sekundärrohstoff vermarktet werden können. Heute sind es Schrott und Metalle, später werden weitere Materialien dazukommen. Ein Beispiel: Wir adressieren aktuell mit unserer Plattform vor allem Mittelstandsunternehmen aus dem Bereich Metallerzeugung und -verarbeitung. Das Spektrum reicht vom Schrottplatzbetreiber über die Gießerei bis hin zum Stahlproduzenten.

ITM: Plattformen handeln nicht aus Nächstenliebe. Inwieweit unterscheidet sich Scrappels Geschäftsmodell von denen solcher Plattform-Turbo-Kapitalisten wie Uber oder Airbnb, die sich mit ihren ach so „disruptiven“ Ansätzen über sämtliche sozialen und im Geschäftsumfeld geltenden Werte hinwegsetzen?
Spanic: Zunächst einmal führt unser Geschäftsmodell nicht zu einer Verdrängung oder steigendem Kostendruck in einer etablierten Branche. Wir bieten unseren Kunden vielmehr die Möglichkeit, mit neuen Partnern und weniger Aufwand den Handel mit Wertstoffen zu betreiben. Außerdem handeln wir nicht mit Daten, sondern stellen die Informationen, die wir von den Nutzern erhalten, innerhalb der Plattform dar, um potentiellen Handelspartnern die Recherche und Suche zu erleichtern. Erwähnt werden sollte hier auch, dass es Händlern freisteht, bestimmte Informationen nicht öffentlich zu machen.

ITM: Thema Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung: Welchen Beitrag kann Digitalisierung in der Recyclingbranche leisten?
Spanic: Die Recyclingbranche selbst trägt ja per se schon zur Ressourcenschonung bei, da der Einsatz von Primärrohstoffen verringert wird. Die Digitalisierung kann aus meiner Sicht einen vielfältigen Beitrag zur Effizienzsteigerung im Recycling leisten. Beispielsweise können Sensoren und Bilderkennung bei der Sortierung von Wertstoffen helfen und so das Recycling verbessern. Aber auch die Logistik im Wertstoffhandel kann von der Digitalisierung profitieren.

ITM: Wie können Unternehmen Plattformen in ihren täglichen Arbeitsablauf implementieren, Stichwort ERP- und Logistik-Software-Anbindung?
Spanic: Ich denke, hier muss man differenzieren: Der Schrotthandel in Deutschland nutzt aktuell kaum automatisierte ERP-Prozesse. Viele tägliche Arbeitsabläufe wie Terminabstimmungen, die Erstellung von Wiegenoten oder die Dokumentation erfolgen größtenteils noch analog.

Diese lassen sich auf der Plattform bündeln und verwalten. Allerdings sehen wir zunehmendes Interesse auch von Betrieben aus der Metallerzeugung und -verarbeitung. Deshalb arbeiten wir derzeit an Schnittstellen, die eine Anbindung der ERP-Systeme unserer Kunden an unsere Plattform ermöglichen.

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