IT-Weiterbildung

Digitale Kompetenzen werden zur Pflicht

Die Digitalisierungswelle ist nicht mehr aufzuhalten. Auch im deutschen Mittelstand halten moderne Technologien stetig, wenn auch langsam Einzug, was zugleich die Nachfrage nach qualifiziertem Personal erhöht. Der Erwerb von digitalen Kompetenzen wird somit zur Pflicht.

  • Geschäftsmann mit Superheldenumhang

    Die Digitalisierung in den Unternehmen führt zugleich unweigerlich zu einer steigenden Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern.

  • Lothar Steyns

    „Gute Personalwesenlösungen bieten individuelle Weiterbildungs- bzw. Lernmodule an, die einfach zu bedienen sind und auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter ausgerichtet werden können”, meint Lothar Steyns, Summit IT Consult.

  • Lucia Falkenberg

    „Wenn Führungskräfte und Mitarbeiter die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens erkennen, dann schaffen sie eine lernende Organisation – also ein Unternehmen, das Mitarbeitern persönliche Weiterentwicklung ermöglicht”, so Lucia Falkenberg, Eco-Verband.

  • Steve Wainwright

    „Gerade in kleineren Unternehmen gibt es häufig keinen ausgewiesenen CDO. In diesem Fall ist eine gute Zusammenarbeit von Management, IT und HR gefragt, um die nötigen Veränderungen entsprechend umzusetzen.” Steve Wainwright, Skillsoft

Laut der IDC-Studie „Future Culture“ konnten deutsche Unternehmen in Sachen „Digitalisierung“ endlich aufholen – auch im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn. „2017 gaben beispielsweise noch knapp 18 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie sich in keiner Weise mit der Digitalisierung beschäftigt hätten“, berichtet Sascha Grosskopf, Field-Marketing- und Demand-Generation-Team-Leiter in EMEA bei Cornerstone On Demand. „2018 sind es nur noch sechs Prozent.“ Auch der Mangel an kompatiblen Technologien und Tools sei von knapp 23 auf unter 18 Prozent gesunken.

Die Digitalisierung in den Unternehmen führt zugleich unweigerlich zu einer steigenden Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern – schließlich müssen die modernen Technologien und Tools auch richtig bedient bzw. eingesetzt werden. Erst im April 2018 stellte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fest, dass insbesondere IT-Experten fehlen. Die IT-Expertenlücke soll sich zwischen den Jahren 2014 und 2018 sogar von 16.000 auf mehr als 39.600 verdoppelt haben. „Damit steigt der Recruiting-Druck für Unternehmen“, weiß Lucia Falkenberg, Chief People Officer (CPO) und Leiterin der Kompetenzgruppe New Work im Eco-Verband. Auf dem heutigen Arbeitsmarkt müssten sich Unternehmen um die Fachkräfte förmlich bewerben. Umso wichtiger sei es für Firmen, authentisch aufzutreten und die vielfältigen Kriterien zu berücksichtigen, die junge Talente ihrer Berufsentscheidung zugrunde legen.

Auch auf das Personalmanagement an sich und die Einstellungsphasen übt die Digitalisierung natürlich einen großen Einfluss aus. So erfolgen Bewerbungsprozesse bei vielen Unternehmen bereits digital – man nehme das Beispiel „Video-Interviews“, die sich laut Joachim Giese zunehmend durchsetzen. „Viele Firmen haben sogar ein eigenes Online-Bewerbungsportal, das die Bewerbung sowohl für die eigene HR-Abteilung als auch für interessierte Bewerber vereinfacht“, so der Vorstand der WBS-Gruppe. Florian Walzer, Head of Sales und Marketing bei der Rexx Systems GmbH, sieht hingegen noch „viel Potential für Professionalisierung und Effizienzsteigerung“, vor allem im Bereich „Service und Operations“. Eigentlich müsste HR der Treiber für die Digitalisierung eines Unternehmens sein, tue sich dabei aber oftmals schwer.

CDO: Ja oder nein?

Im gleichen Atemzug wie die Digitalisierung wird mittlerweile auch oft der sogenannte Chief Digital Officer, kurz CDO, erwähnt. Hinter dieser noch recht neuen Funktionsbeschreibung verbirgt sich im Grunde eine Person, die innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation für die Planung und Steuerung der digitalen Transformation verantwortlich zeichnet. Im Mittelstand soll diese Position bisher aber kaum vertreten sein. Die Spreizung sieht man laut Sascha Grosskopf bereits bei den großen Konzernen. Laut einer Cebit-Studie hätten 40 Prozent der Dax-Unternehmen einen CDO, aber schon bei den Unternehmen im Mdax falle diese Zahl deutlich ab. „Nur zwei der dort gelisteten Unternehmen haben eine vergleichbare Position in ihrer Firmenstruktur, nämlich Airbus und Schaeffler“, so Grosskopf. Er sehe aber keinen Grund, deshalb Alarm zu schlagen. Denn ein CDO in einer Firma könne nicht die alleinige Lösung für die digitalen Herausforderungen sein.

Ähnlich sieht es Lucia Falkenberg: Die Verantwortlichkeiten zur Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie und deren Umsetzung innerhalb der bestehenden Strukturen sollten die Mittelständler zwar klar regeln, dafür bräuchten sie aber nicht unbedingt einen CDO. Zumindest wenn das Bewusstsein in der Geschäftsleitung vorhanden sei. „Wichtig ist nur“, betont Falkenberg, „dass die Aufgaben identifiziert, benannt und dann tatsächlich angepackt werden“. Am besten gemeinsam.

Die Bereitschaft der Mitarbeiter, neue digitale Kompetenzen zu erwerben, variiert dabei von Branche zu Branche bzw. von Unternehmensbereich zu Unternehmensbereich. Eine wichtige Rolle spielen hierbei das Alter der Mitarbeiter, ihre Aufgeschlossenheit gegenüber Neuerungen sowie die Informations- und Umsetzungspolitik des entsprechenden Unternehmens. „Viele haben erkannt, dass die Digitalisierungswelle nicht mehr aufzuhalten ist, aber manche Mitarbeiter haben einfach Angst davor“, weiß Lothar Steyns, geschäftsführender Gesellschafter der Summit IT Consult GmbH, zu berichten.

Digitalisierungswelle ist nicht mehr aufzuhalten

Laut Monika Füllmann ist dies vor allem eine Generationsfrage und mitunter vom Durchschnittsalter der Mitarbeiter abhängig. „Während die Generationen X, Y und Z danach verlangen, mobil und digitalisiert informiert zu werden und zu arbeiten, konnte man diese Bereitschaft bei den älteren Generationen in den letzten Jahren teilweise noch nicht erkennen“, meint die Vertriebsleiterin Deutschland bei Infoniqa. Allerdings käme es mehr und mehr zur Trendwende, habe heute doch nahezu jeder schon ein Smartphone und nutze privat, geschäftlich und in allen Lebenslagen die Möglichkeiten der Digitalisierung.

Für die Unternehmenslenker wird es in Zukunft eine wichtige Aufgabe sein, „mit gutem Beispiel voranzugehen“, ergänzt Lothar Steyns. Schließlich nütze die beste Umsetzungsstrategie nichts, wenn sie nicht sowohl vom Geschäftsführer als auch von den Führungskräften gelebt und in der Praxis umsetzt werde. Ein Aussitzen der Anforderungen hätte für jede Unternehmung fatale Folgen.

Digitale Lernangebote bieten Flexibilität

Wichtig ist es demnach, dass sich Unternehmen nicht nur mit Digitalisierungs-, sondern zusätzlich auch mit entsprechenden IT-Weiterbildungsstrategien befassen, um ihre Mitarbeiter „technisch fit“ zu halten. Laut Steve Wainwright, Managing Director EMEA von Skillsoft, ermöglichen viele Firmen ihren IT-Mitarbeitern die Teilnahme an allen erforderlichen Schulungen. Die Hürden werden allerdings durch schnelle Innovationen und hohe Kosten größer. Deshalb würden viele Unternehmen nach flexibleren Lösungen suchen, die es den Mitarbeitern ermöglichen sollen, an wichtigen Projekten zu arbeiten und gleichzeitig die erforderlichen Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen zu erhalten. „Im Gegensatz zu Präsenzschulungen bieten hier digitale Lernangebote mehr Flexibilität“, meint Wainwright. Schließlich können sie zeit- und ortsunabhängig in den Arbeitsalltag integriert werden.

Bei der Wahl eines geeigneten Angebots sollten Unternehmen aber einige Schlüsselelemente berücksichtigen: Die Ressourcen und Inhalte sollten leicht zugänglich und über jedes Gerät – sei es Desktop, Laptop, Tablet oder Smartphone – zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar sein. „Wichtig sind auch intelligente Suchfunktionen bzw. dynamische Inhaltsvorschläge“, fügt Wainwright hinzu. Moderne Plattformen würden hier unterschiedliche Formate wie Video-Trainings, E-Books und auch Lernquiz in einer ansprechenden, benutzerfreundlichen Gestaltung mit Funktionen bieten, wie sie die Mitarbeiter von Netflix oder Amazon kennen. Das Bildungsunternehmen WBS hat z.B. den sogenannten „Learnspace 3D“ entwickelt, eine virtuelle, dreidimensionale Simulation einer Schulungsumgebung, die es ermöglichen soll, Weiterbildungen ortsunabhängig unter realen Bedingungen zu gestalten.

„Powerpoints und PDFs zum Lernen oder Nachlesen zu versenden, ist jedenfalls Schnee von gestern“, meint Monika Füllmann. Denn so könne niemand kontrollieren, ob diese Dokumente auch wirklich gelesen und verstanden werden. Daher bietet ihrer Ansicht nach das E-Learning eine „optimale Plattform“ für die Wissensvermittlung und auch Wissensüberprüfung. „So ist jederzeit einsehbar, wer welchen Content konsumiert hat, und prüfbar, ob die Inhalte auch verstanden wurden“, erklärt die Vertriebsleiterin.

Im Bereich „E-Learning“ erwartet Sascha Grosskopf „viele spannende Neuigkeiten“ wie z.B. „Virtual Classrooms“, „Smart Media“ oder „E-Tutoring“. Auch firmenübergreifende Seminare seien mit Cross-Corporate-Learning längst keine Zukunftsmusik mehr. „Andere Modifikationen des E-Learning, die erheblichen Einfluss auf die Weiterbildung im Mittelstand haben werden, sind die schrittweise Einführung des Micro-Learning und die Erweiterung des Social-Media-Learning“, so der Field-Marketing-Experte. „Und wenn wir von schrittweiser Einführung des Micro-Learning sprechen, dann trifft dies auch genau den Sinn der neuesten Entwicklung.“ Denn Micro-Learning bedeute Personalförderung in kleinen Lerneinheiten.

Längst keine Zukunftsmusik mehr

Übernommen wurde diese Technik aus dem Sport, heißt es, wo man in gezielten, aber kurzen Intervallen entsprechende Muskeln trainiert oder an seiner Technik im Werfen, Surfen, Schießen, etc. feilt. In Zukunft soll dieses Prinzip nun auch genutzt werden, um die grauen Zellen zu trainieren. „Dementsprechend praktisch sind die Übungen im Vergleich zum theoretischen Lernen aufgebaut, die Settings verlangen auch angewandtes Wissen ab“, so Grosskopf. Als spezielles Beispiel hierfür nennt er bereits erfolgreiche Apps wie das Sprachtraining Duolingo. Dies zeige auch, dass das Micro-Learning sich gut mit Gamification koppeln lasse, um letztlich praxisnahe Erfolge bei den Mitarbeitern messen zu können.
Zugleich ist das elektronisch unterstützte Lernen natürlich auch mit Herausforderungen verbunden. Die größte Herausforderung besteht laut Joachim Giese in einer erforderlichen Haltungsänderung sowohl der Lernenden als auch der Lehrenden, die den Maßgaben durch Arbeit 4.0 und einem konstruktivistischen Bildungsverständnis folgt. „Nur wenn der Lehrer zum Coach auf Augenhöhe wird und der Lernende nicht länger auf ‚vorgekaute’ Lernkost wartet, sondern eigeninitiativ, selbstverantwortlich und selbstgesteuert seine Lernschritte organisiert und erlebt, absolviert er zukunftsfähiges Lernen“, ist sich Giese sicher.

Und auch Lucia Falkenberg betont, dass in der digitalisierten Welt nach wie vor der regelmäßige, persönliche Kontakt zu Dozenten und Mitlernenden wichtig bleibe. Die Vorteile, sich immer und überall fortbilden zu können, würden jedoch deutlich überwiegen. Schließlich verlaufen Karrieren immer seltener linear – sie verlangen ständige Weiterqualifikationen. Entscheidend sei der Mut, sich mit sich selbst und Veränderungen auseinanderzusetzen und mit der Zeit zu gehen, so Florian Walzer. Diejenigen Personen, die das nicht machen, werden seiner Ansicht nach in Zukunft möglicherweise von Robotern und Künstlicher Intelligenz (KI) ersetzt. Wer also mit der heutigen rasanten Markt-, Produkt- und Unternehmensentwicklung mithalten will, kommt laut Lothar Steyns letztlich an einem „lebenslangen Lernen“ nicht mehr vorbei.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2018Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok