Kommentar

Digitale Meinungsvielfalt

Bevor den Mittelständlern wieder einmal konservatives Zaudern vorgeworfen wird, sollten die Consultants einmal umsetzbare Vorschläge machen, wie und wo die Unternehmen konkret bei ihren Digitalisierungsbemühungen ansetzen sollten.

Sicher, die zunehmende Digitalisierung durchdringt alle Lebensräume. Musik und Filme werden online gestreamt, die Heizung wird über das Smartphone gesteuert und das Kinderzimmer von der Webcam überwacht, Schuhe und Klamotten werden im Web gekauft. Bequem und sicher soll das Ganze sein. Und sicher sind sich vor diesem Hintergrund die meisten Auguren und Analysten, Marktbeobachter und Unternehmensberater, dass deutsche Mittelständler früher oder später ihre Existenzgrundlage verlieren werden, wenn sie weiterhin in ihrer „Komfortzone“ verharrten, in der es angeblich so bequem ist.

Denn, so die gängige These, mit der Digitalisierung etablierten sich gerade ganz neue Geschäftsmodelle, die die gestiegenen Anforderungen der Konsumenten nach besserem weil direkterem Service und mehr Information bedienten.

Doch es bleiben Fragen. Zum einen stellt man fest, dass es in den jeweiligen Segmenten immer einige wenige sind, die sich an die digitale Spitze setzen: Amazon, Google, Net­flix, Facebook, Twitter, Airbnb. Manche dieser Silicon-Valley-Vertreter machen bisweilen nicht nur Umsatz, sondern auch Gewinne, und manche zahlen zudem sogar Steuern … Wie und mit welchen Services passen nun aber deutsche Maschinenbauer beispielsweise in diesen Reigen?

Zum anderen sollte schon einmal ernsthaft hinterfragt werden, wie sicher und leistungsstark die IP-Netzinfrastruktur und die notwendigen Komponenten (Sensoren, Kameras, Router) überhaupt sind. Mittelständler leben von ihren Patenten und Erfindungen. Bindet man die komplette Produktion ans Web an, ist zumindest denkbar, dass geistiges Eigentum in falsche Hände gerät. Schließlich kann die Überwachungs-Webcam im Wohnzimmer außer den rechtmäßigen Besitzer auch potentielle Eindringlinge oder die NSA darüber informieren, dass gerade niemand zuhause ist.

Bevor den Mittelständlern wieder einmal konservatives Zaudern vorgeworfen wird, sollten die Consultants einmal umsetzbare Vorschläge machen, wie und wo die Unternehmen konkret bei ihren Digitalisierungsbemühungen ansetzen sollten. Vielleicht gibt es ja neben der immer wieder erwähnten „Vorausschauenden Wartung“ weitere realisierbare Projekte. Wir jedenfalls werden uns weiter um ­solche bemühen.

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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