Individuelle Ansatz gefragt

„Digitalisierung ist ein Dreiklang“

Elisabetta Castiglioni, CEO von A1 Digital, betrachtet die Digitalisierung als einen Dreiklang, „der aus IoT-Lösungen für smarte Assets, Cloud-Diensten auf Basis einer sicheren und leistungsstarken europäischen Plattform und übergreifenden Sicherheitslösungen besteht“. Doch was ist entscheidend für den Erfolg in der Praxis?

Elisabetta Castiglioni, CEO von A1 Digital

„IT-Sicherheit muss von Anfang an in alle Überlegungen einbezogen werden und sich durch alle Unternehmensebenen ziehen“, so Elisabetta Castiglioni von A1 Digital.

ITM: Frau Castiglioni, inwieweit hat der deutsche Mittelstand anno 2020 bereits seine Prozesse digitalisiert?
Elisabetta Castiglioni:
Aktuell betrachtet eine Mehrheit der mittelständischen deutschen Unternehmen die Digitalisierung noch mit Skepsis. 58 Prozent, so eine Studie von Bitkom, sehen sich als Nachzügler, auch wenn sie sich der Notwendigkeit der Digitalisierung bewusst sind, um Geschäftsprozesse zu verbessern und die Profitabilität zu sichern. Besonders die Verbesserung der Kundenbeziehungen liegt vielen Unternehmen am Herzen. Darum wird die Transformation aus unserer Sicht in diesem Bereich am schnellsten im Mittelstand Fuß fassen.

ITM: Welchen Einfluss übt hierbei die aktuelle Corona-Krise aus?
Castiglioni:
Durch den Shutdown erlebt auch der deutsche Mittelstand einen enormen Nachfrageeinbruch. Die Welt ist auf dem Weg in eine Rezession. Wie lange und schmerzhaft diese sein wird, können wir noch nicht vorhersehen. Seit Lockerung vieler Corona-Maßnahmen zeigt sich, dass die Nachfrage nur langsam wieder in Schwung kommt. In der Krise scheinen viele Verbraucher auch gelernt zu haben, mit weniger Konsum auszukommen. Ferner ist die aktuelle Krise ein zusätzlicher Faktor, der die Digitalisierung vorantreibt. Man könnte sogar von der „Stunde der Digitalisierung“ sprechen. In der Krise zeigt sich, dass die Unternehmen, die zuvor schon stark auf digitale Geschäftsmodelle und Verkaufskanäle setzten, am besten durch die schweren Zeiten kommen. In vielen Bereichen, in denen bisher der persönliche Kontakt unabdingbar schien, hat sich erwiesen, dass er durch digitale Prozesse zumindest teilweise ersetzbar ist. Besonders stark zeigt sich diese Tendenz im Handel, wo traditionelle Ladengeschäfte die Konkurrenz durch E-Commerce-Unternehmen noch stärker zu spüren bekommen haben.

ITM: Welche Prozesse rücken bei der Digitalisierungsstrategie derzeit besonders in den Fokus?
Castiglioni:
Neben den bereits genannten Kundendienstprozessen geht es in erster Linie um den Durchbruch des Home Office bzw. Remote Working. Auch erwarte ich starke Auswirkungen auf die Supply Chain. Die Krise hat deutlich vor Augen geführt, dass die üblichen globalisierten und weit verzweigten Lieferketten schneller zusammenbrechen können als von den meisten erwartet. Darum wird es zu einer stärkeren Regionalisierung der Lieferketten kommen. Diese stärker regionalen Lieferketten werden zudem vor allem durch den verstärkten Einsatz von IoT-Technologien digitalisiert. Das sorgt für mehr Transparenz und bessere Kontrolle. Unternehmen können so häufig schon auf Engpässe reagieren, bevor diese sich auf die Produktion auswirken.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Was sind häufige Stolpersteine bei der Umsetzung?
Castiglioni:
Oft wird die Digitalisierung nicht als ganzheitliche Maßnahme gesehen, die den gesamten Betrieb betrifft. Zudem haben viele Unternehmen Sicherheitsbedenken, die es auszuräumen gilt. Wir betrachten die Digitalisierung als einen Dreiklang, der aus IoT-Lösungen für smarte Assets, Cloud-Diensten auf Basis einer sicheren und leistungsstarken europäischen Plattform und übergreifenden Sicherheitslösungen besteht. Entscheidend für den Erfolg in der Praxis ist der individuelle Ansatz. Kein Unternehmen gleicht dem anderen. Zum Thema „Sicherheit“ möchten wir Kunden bewusstmachen, dass dies ein integraler Prozess ist, der einerseits alle Elemente der IT-Infrastruktur betrifft und andererseits niemals abgeschlossen ist. IT-Sicherheit muss von Anfang an in alle Überlegungen einbezogen werden und sich durch alle Unternehmensebenen ziehen.

ITM: Worauf sollten Mittelständler achten, wenn sie auf Digitalisierungsexperten zurückgreifen?
Castiglioni:
Sehr viele Anbieter positionieren sich als Digitalisierungsspezialisten. Viele ITK-Unternehmen haben das Thema „Digitalisierung“ für sich entdeckt und versuchen nun, ihre Produkte über diese Schiene zu verkaufen. Das macht sie unserer Meinung nach nicht per se zu Digitalisierungsspezialisten. Es gibt kaum Anbieter, die speziell zu dem Zweck gegründet wurden, Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung mit einer breiten Produktpalette sowie individuellen Lösungen zu unterstützen. Hier sollten Mittelständler darauf achten, einen Dienstleister zu wählen, der die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens erkennt, eine maßgeschneiderte Strategie entwickelt und flexible Lösungen liefert. Wichtig ist auch ein starkes Team von Experten, die den Kunden von Anfang bis Ende des Projekts begleiten.

ITM: Wie viel Digitalisierung(swahn) wird nach Corona tatsächlich erhalten bleiben?
Castiglioni:
Der Wahn um die Digitalisierung wird sich in eine realistische Erkenntnis der Notwendigkeit der Digitalen Transformation wandeln. Corona hat jetzt schon viele Unternehmen in einem Ausmaß verändert, das vorher kaum vorstellbar war. Ganz sicher hat Corona dem Home Office in Deutschland zum Durchbruch verholfen. Neben einer stärkeren Digitalisierung regionaler Lieferketten, erwarten wir, dass die Produktionsindustrie große Schritte auf dem Weg zur Industrie 4.0 unternehmen wird. Hier wird Edge Computing in größerem Ausmaß zum Einsatz kommen, weil die Kommunikation mit einem zentralen Rechenzentrum oft zu langsam ist, um Produktionsabläufe effektiv steuern zu können.

Bildquelle: A1 Digital

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