Interview mit Dirk Backofen, Telekom und Edgar K. Geffroy, Unternehmer

Digitalisierung setzt Mittelstand unter Zugzwang

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mittelstand – die Macher“ sprachen wir mit Dirk Backofen, Leiter Marketing Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland, sowie Edgar K. Geffroy, Unternehmer, Strategiecoach und Consultant. Der Tenor der Unterhaltung: Mittelständler, die die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse verschlafen, werden es in Zukunft schwer haben.

  • Dirk Backofen, Leiter Marketing Geschäftskunden bei der Deutschen Telekom

    Dirk Backofen, Leiter Marketing Geschäftskunden bei der Deutschen Telekom

  • Edgar K. Geffroy, Unternehmer,  Strategiecoach und Consultant

    Edgar K. Geffroy, Unternehmer, Strategiecoach und Consultant

ITM: Herr Backofen, wo genau drückt Mittelständlern heutzutage IT-seitig der Schuh?
Dirk Backofen:
Die Herausforderung liegt in der Digitalisierung ihres Geschäfts und aller damit verbundenen Prozesse. Dabei hantieren IT-Anbieter oftmals mit Fachbegriffen, mit denen Mittelständler zunächst kaum etwas anfangen können. Vor diesem Hintergrund ist es eine unserer Aufgaben, mittelständischen IT-Verantwortlichen sämtliche Aspekte rund um die Digitalisierung begreifbar zu machen. Dabei müssen Firmen zwei Dinge ­verstehen: zum einen, dass sie im Zuge der Digitalisierung selbst aktiv werden müssen, und zum anderen aber auch, dass sie als „die Macher“ beste Voraussetzungen für den digitalen Wandel mit sich bringen.

ITM: Dennoch sind viele IT-Vorhaben in der Vergangenheit gescheitert. Warum?
Edgar K. Geffroy:
IT-Projekte scheitern, da die betroffenen Mitarbeiter meist nicht miteinbezogen werden. Setzen die Verantwortlichen kein adäquates Change Management um, werden IT-Projekte nicht selten von den eigenen Leuten bewusst ausgebremst. Von daher gilt es stets die Gruppendynamik im Blick zu behalten und Mitarbeiter aktiv in die Projektarbeit einzubinden.

ITM: Welche wichtigen Gründe sprechen für die Digitalisierung?
Geffroy:
Viele junge Menschen, neudeutsch Digital Natives, wollen nicht mehr für Unternehmen arbeiten, für die digitale Kompetenz ein Fremdwort darstellt. Im Zweifelsfall entscheiden sie sich für die Betriebe, die technologisch modern und damit zukunftsfähig aufgestellt sind.

Backofen: Dennoch sollten mittelständische Firmen stets ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen. Denn die Digitalisierung „Made in Germany“ funktioniert nur, wenn erhobenen Hauptes eigene Wege beschritten werden. Nichts wäre einfacher, als die Geschäftsmodelle US-amerikanischer Anbieter einfach zu kopieren bzw. nachzuahmen. Doch damit würde man auch die kaum innovativen Dinge übernehmen, etwa was die ausufernde Datensammelwut und die damit verbundene Verletzung von Privatsphäre anbelangt.

ITM: Immer häufiger hört man, dass Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind.
Backofen:
Das stimmt nur teilweise, denn selbstredend müssen die eigentlichen Produktionsprozesse, Wertschöpfungsketten und Serviceleistungen nach wie vor hohen Qualitätsansprüchen genügen.

Für das Internet hingegen stellen Daten eine zunehmende wichtige Währung dar. Da  immer mehr Services kostenfrei nutzbar sind, spielt Geld hier nur noch eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geben die User – z.B. bei  ­Messenger-Diensten – ihre Eigentumsrechte an ­privaten Daten komplett aus der Hand.

ITM: Wo sehen Sie im Mittelstand Potential für die Digitalisierung?
Geffroy:
Aktuell verändert die Verbreitung sogenannter Smart Homes die Arbeit des Handwerks. Mittlerweile lassen sich bereits das Energiemanagement, Sicherheitsvorkehrungen sowie Multimediasysteme per App und damit auf Knopfdruck steuern. Vor diesem Hintergrund müssen sich Handwerksbetriebe neu erfinden – denn um das Strippenziehen allein wird es künftig kaum noch gehen. Zudem benötigen Betriebe künftig qualifizierte Mitarbeiter, die die modernen, intelligenten Systeme installieren und warten können.

ITM: Stellen solche Veränderungen die Firmen nicht unter enormen Handlungsdruck?
Backofen:
Doch, sie müssen schnell etwas verändern, um ihre Marktposition behaupten und bestenfalls weiter ausbauen zu können. Dabei dürfen die Veränderungen nicht lange auf sich warten lassen. Mittelständische Firmen, die die aktuellen Entwicklungen verschlafen, werden spätestens in einigen Jahren weg vom Fenster sein. Denn bemerken die Verantwortlichen, dass das Geschäft nicht mehr läuft, ist es für einen digitalen Wandel meist zu spät.

 Bildquelle: Telekom

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