Michael Henrich von der BFL Leasing GmbH und Gerhard Knoch vom ERP-Hersteller Infor

Drei Fragen an...

Regelmäßige Software-Updates und Release-Wechsel sind unerlässlich, um den Mitarbeitern eine zeitgemäße IT-Unterstützung zu bieten, im Datenaustausch nicht die Kompatibilität zu verspielen und die Standards der Zukunft nicht zu verpassen. Das kann finanztechnisch dadurch günstiger gestaltet werden, dass ein Unternehmen die Software least und nicht kauft (und damit auch immer wieder Updates bezahlt).

  • „Anders als eine Bank kennen wir unsere Lösung genau und passen die Finanzierung entsprechend individuell an“, sagt Gerhard Knoch, Vice President und General Manager DACH beim ERP-Hersteller Infor.

  • „Unsere Kunden machen sich ungern zu einem politischen Spielball, bei dem die genaue Interessenlage undurchsichtig ist", meint Michael Henrich, Geschäftsführer der BFL Leasing GmbH in Eschborn.

Weiterer Vorteil: Die Leasing-Raten werden erst mit der Nutzung der Software fällig, also wenn das Einführungsprojekt erfolgreich abgeschlossen ist und die Investition sich zu amortisieren beginnt. Hier liegt aber auch einer der Haken beim Leasing von Software, weil nicht immer auf Anhieb klar ist, wer das Nutzungsrecht besitzt: Der Leasing-Geber oder der -Nehmer? Darf das Nutzungsrecht überhaupt verleast werden? Ein Vermieten wird oft bereits in den Nutzungsbestimmungen von Softwareherstellern ausgeschlossen.


Viele Softwarehersteller arbeiten jedoch durchaus mit Leasing-Gesellschaften zusammen und räumen ihnen als Vertragspartner das Recht ein, ihren Kunden die Nutzungsrechte an der Software zu überlassen bzw. sie unterzulizenzieren. Dafür gibt es dann oft standardmäßig vorbereitete Musterverträge, die dann an den konkreten Fall angepasst werden.


Ohne ausdrückliche Rechts­einräumung ist eine Unterlizenzierung bzw. Vermietung aber unzulässig, verstößt sie doch gegen § 69c Nr. 3 UrhG. Der IT-Chef muss deshalb darauf achten, dass die Rechte seines Unternehmens in den Verträgen zwischen Softwarehersteller und Leasing-Gesellschaft ausreichend gewahrt sind – und sonst gegebenenfalls nachverhandeln. IT-MITTELSTAND hat bei zwei Experten nachgefragt, worauf es beim Software-Leasing sonst noch ankommt.

ITM: Wenn es um Softwareprojekte im Mittelstand geht: Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen einer Finanzierung durch den Hersteller selbst gegenüber einer durch einen unabhängigen Leasing-Geber bzw. ein Finanzinstitut?

Michael Henrich:
Unsere Kunden nennen uns drei Vorteile, die sie bei unabhängigen Finanzdienstleistern sehen. Zuerst einmal ist es ein Vorteil, jemanden für die Finanzierung zu gewinnen, der nicht an einen Hersteller gebunden ist, nämlich um selbst eine freie Entscheidung zu treffen.
Zudem bekommen die Kunden auf diese Weise das Beste von zwei Experten: Der eine, der sich in der Softwarelösung perfekt auskennt, und der andere, der die Kniffe der Finanzierung in allen Facetten beherrscht. Der dritte Vorteil liegt darin, dass die Gefahren von Quersubventionen bei einem herstellerneutralen Finanzierer eben nicht gegeben sind.

Unsere Kunden machen sich ungern zu einem preispolitischen Spielball, bei dem die genaue Interessenlage für sie meist undurchsichtig bleibt. Unterm Strich sind die Finanzierungskonditionen bei den herstellerunabhängigen Dienstleistern mindestens genauso gut – und der Kunde bleibt auch gegenüber seinem Lieferanten unabhängig.

Gerhard Knoch: Der größte Unterschied ist, dass unser Geschäft nicht die Finanzierung an sich ist, sondern der Verkauf von Software sowie der damit verbundene Service und Support. Daher sind unsere Angebote eher darauf ausgelegt, Unternehmen insgesamt so zu unterstützen, dass sie möglichst flexibel moderne Software nutzen können. Wir sehen eine ganze Reihe von Vorteilen.

Leasing schont grundsätzlich die Liquidität: Denn in der Regel belastet ein Leasing-Vertrag nicht die Kreditlinie unseres Kunden und steht somit weiteren Anschaffungen über Bankkredite – etwa von Maschinen für die Produktion – nicht im Weg. Zudem kennen wir den Wert unserer Softwareprojekte und können ihn im Bereich der Bonitätsentscheidung berücksichtigen.

Unsere Herangehensweise ist, alle verbundenen Implementierungsdienstleistungen zusammenzufassen und in monatlichen oder vierteljährlichen Zahlungen über die gesamte Nutzungsdauer der Ausrüstung zu strecken. Anders als eine Bank kennen wir unsere Lösung genau und passen die Finanzierung entsprechend individuell an. Ein Beispiel: Ein ERP-Projekt wird nicht sofort, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg angeschafft und geliefert. Wir können dies flexibel mit einer veränderbaren Leasing-Rate und einer angepassten Laufzeit abbilden – beispielsweise wann mit den Zahlungen für die Lizenzen gestartet wird. Später fließen die Kosten für Dienstleistungen in die Raten ein. Da die Raten parallel zur Nutzung der Software anfallen, finanziert sich das Leasing-Objekt praktisch selbst. Die monatlichen Zahlungen können unter Umständen sogar als Betriebsausgaben geltend gemacht werden, womit sie steuerlich absetzbar wären. Grundsätzlich gilt beim Hersteller-Leasing, dass die Software bilanzneutral finanziert wird. Schließlich bieten wir im Vergleich zu Banken eine hohe Flexibilität: Leasing-Verträge können bei Bedarf jederzeit erweitert oder aktualisiert werden. Gegebenenfalls sogar, ohne dass die monatlichen Zahlungen erhöht werden müssen.

ITM: Welche neuen Randbedingungen kommen ins Spiel, wenn es sich dabei um eine Cloud-Lösung handelt?

Knoch:
Klassischerweise ist ein Cloud-Angebot nicht durch Mietkauf oder Leasing finanzierbar, da anstatt eines Wirtschaftsgutes lediglich eine Dienstleistung bezogen wird. Zumeist werden Cloud-Angebote sowieso in einem Subscription-Modell angeboten, für das monatliche Gebühren fällig werden und das flexibel gekündigt werden kann. Dadurch ergibt sich bereits eine ähnliche Kostenflexibilität, wie sie Mietkauf oder Leasing mit sich bringen.

Da zudem keine zu On-Premise-Projekten vergleichbaren Implementierungskosten anfallen, erfordern Cloud-Projekte geringere Anfangsinvestitionen. Modernisierungen und Upgrades werden online zur Verfügung gestellt und ziehen keinen kostspieligen Einführungsaufwand nach sich. Infor bietet für die Bereitstellung von Software in der Cloud flexible Finanzierungsmodelle mit monatlichen Raten und individuellen Zahlungsstrukturen an, um einen schnelleren Einstieg zu ermöglichen.

Henrich: Eine Vielzahl neuer Themen kommt dann ins Spiel, in der Tat. Das beginnt schon mit der Vielfalt der Inhalte, die sich hinter dem Begriff „Cloud“ verbergen. Public oder Private, dediziert oder skaliert. Da müssen schon Experten ran, die auch die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen richtig einschätzen können. Schließlich sind die Leasing-Vorteile des „off balance“ an bestimmte Bedingungen geknüpft, die einer Wirtschaftsprüfung standhalten müssen. Wir haben uns daher sehr klar für unsere Ausrichtung als IT-Finanzierungsspezialisten entschieden, um unseren Kunden in den Projekten als Experten zur Verfügung zu stehen. Unsere Investition in gut ausgebildete und fachlich hochqualifizierte Mitarbeiter zahlt sich aus.

ITM: Worauf ist bei der Vertragsgestaltung für die Finanzierung von Softwareprojekten besonders zu achten?

Henrich:
Die Finanzierung muss zum Projekt passen – nicht andersherum. Wir hören deshalb erst einmal zu, weil wir das Projekt verstehen müssen. Erst wenn wir die Zielsetzung und den Projektplan verstanden haben, können wir uns an die Vertragsgestaltung machen.

Dabei ist wichtig: Sind Vorfinanzierungsphasen zu beachten? Wann wird welche Phase beendet? Ergibt es Sinn, den Vertrag erst an einem bestimmten Meilenstein anlaufen zu lassen, um dann sukzessive Aufstockungen zu realisieren oder gestaltet man den Projektzeitraum anders? Wir machen dies von Projekt zu Projekt variabel, können aber immer auf leistungsstarke Vertragsmodule zurückgreifen. So erhalten unsere Kunden den Vorteil starker Standards, die durch modulare Verwendung zur passgenauen Lösung werden. Das ist bei der IT-Finanzierung genauso wie bei der IT-Lösung selbst.

Knoch: Wichtig ist, dass sich Unternehmen bewusst machen, aus welchen Gründen sie sich für eine Softwarefinanzierung entscheiden. Wer kaum Änderungen in seinem Business und damit für die benötigte Software erwartet, entscheidet sich für einen Mietkauf. Dabei handelt es sich um einen Ratenkauf mit festem Zahlungsplan.

Bilanzrechtlich muss der Käufer die Software ab dem Zeitpunkt der Inbesitznahme in seiner Bilanz führen. Die Umsatzsteuer wird komplett am Anfang fällig. Ganz anders beim Leasing: Hier handelt es sich um eine Nutzungsüberlassung. Das heißt, dass sich der Käufer am Ende der Laufzeit entscheiden kann, ob er die Software tatsächlich kauft, die Lizenzen zurückgibt oder den Leasing-Vertrag verlängert. Leasing bietet zusätzliche Flexibilität, was die Erweiterung eines Projekts betrifft – interessant für Unternehmen, die gerade expandieren. Die Zahlung der Umsatzsteuer erfolgt mit den Leasing-Raten. Zudem ist die Finanzierung für den Leasing-Nehmer in der Regel bilanzneutral – das heißt, der Finanzierer weist die Lösung als Asset in seiner Bilanz aus.

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