Maßnahmen werden minimal gehalten

„Ein Backup ist wie eine Versicherung“

Uwe Jockel, Business Development EMEA, Emerging Solutions and Innovation Group bei Netapp ist der Meinung: „Ein Backup ist wie eine Versicherung – die Bedeutung wird erst im Versicherungsfall klar. Davor tendieren Unternehmen dazu, Herausforderungen kleinzureden und die Maßnahmen minimal zu halten.“

Uwe Jockel, Business Development EMEA, Emerging Solutions and Innovation Group bei Netapp ((Bildquelle: Netapp))

„Um der kontinuierlich ansteigenden Datenflut Herr zu werden, benötigen Mittelständler eine langfristig funktionierende Backup-Strategie“, betont Uwe Jockel von Netapp.

ITM: Herr Jockel, inwieweit können (Natur-)Katastrophen wie Hochwasser, Erdbeben, Feuer oder Blitzeinschläge für Mittelständler und ihre Daten gefährlich werden?
Uwe Jockel:
Für viele Mittelständler zählen die eigenen Datenbestände zu den zentralen Produktionsfaktoren. Aufgrund dessen können Datenverluste im Zuge von (Natur-)Katastrophen hohe wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen und gar existenzbedrohend sein. Auch werden Kunden, Partner sowie Lieferanten davon beeinträchtigt. Ein Backup der Daten ist auch deswegen unerlässlich, da sich Unternehmen nicht gegen den Verlust von Kundendaten versichern können.

ITM: Wie ernst nimmt der deutsche Mittelstand anno 2018 die Sicherung seiner Unternehmensdaten?
Jockel:
Diesem Thema hat sich Netapp bereits in einer Studie im Dezember 2014 angenommen. Die damaligen Ergebnisse bieten nach wie vor einen guten Überblick über die bestehenden Herausforderungen: Trotz der Abhängigkeit von aktuellen Daten sind funktionierende und geprüfte Verfahren für ein Backup sowie Restore bei Mittelständlern eher unüblich. Und obwohl 51 Prozent der befragten Unternehmen im Ernstfall gar ein vollständiger Stillstand droht, verzichten zwei Drittel der Unternehmen auf entsprechende Tests.

ITM: Warum geht hier das eine oder andere Unternehmen Ihrer Ansicht nach noch zu sorglos mit dem Thema um?
Jockel:
Ein Backup ist wie eine Versicherung – die Bedeutung wird erst im Versicherungsfall klar. Davor tendieren Unternehmen dazu, Herausforderungen kleinzureden und die Maßnahmen minimal zu halten. Zwar messen sie laut eigenen Aussagen der Datensicherung eine hohe Bedeutung bei, in der Praxis gilt diese jedoch als wenig bis gar nicht wertschöpfend – und wird deshalb vernachlässigt. Davon zeugt auch der Umstand, dass einige Unternehmen bei der Durchführung der Datensicherung auf Mitarbeiter außerhalb der IT-Organisation vertrauen – ein vermeidbares Risiko.

ITM: Wie sollte eine vernünftige Backup-Strategie grundsätzlich aussehen, um für einen IT-Ausfall und möglichen Datenverlust gewappnet zu sein?
Jockel:
Wir empfehlen die etablierte „3-2-1-Regel der Datensicherung”: Um der Gefahr eines Datenverlustes erfolgreich vorbeugen zu können, sollten Unternehmen mindestens drei Kopien ihrer Daten anfertigen, diese auf zwei unterschiedlichen Medien speichern und eine Backup-Kopie an einem externen Speicherort aufbewahren.

ITM: Mit welchen (personellen, zeitlichen, finanziellen) Herausforderungen ist die Umsetzung solch einer Strategie oftmals verbunden?
Jockel:
Ein Backup ist zunächst keine wertschöpfende IT-Aufgabe und dementsprechend nicht von Beginn an wertsteigernd. Eine Backup-Strategie ist aber durchaus arbeitsintensiv und muss stetig überarbeitet werden. Regelmäßige Wiederherstellungstests sind unverzichtbar, werden aber angesichts des derzeitigen Fachkräftemangels vernachlässigt. Stattdessen werden die anfallenden Aufgaben einem bereits bestehenden Arbeitsumfeld zusätzlich aufgetragen.

ITM: Welche Rolle spielt hierbei das Cloud-Backup im Vergleich zum physischen Backup?
Jockel:
Ein Cloud-Backup ist eine sehr sinnvolle Alternative, da deutsche Service-Provider alle nationalen Datenbestimmungen erfüllen. Anders als beim physischen Backup wird nach Volumen gezahlt und die Aufgaben sind komplett übergeben. Darüber hinaus eignet sich die Cloud, um der „3-2-1-Regel der Datensicherung” entsprechen zu können – die Cloud als sicherer Aufbewahrungsort. Die regelmäßigen Wiederholungstests können auch vom Diensteanbieter erledigt werden – mehr Sicherheit und Kosteneffizienz sind das Ergebnis.

ITM: Worin bestehen die Vorteile und Möglichkeiten eines Cloud-Backups?
Jockel:
Ein Cloud-Backup birgt für Unternehmen viele Vorteile: Dazu zählen u.a. kürzere Recovery-Zeiten sowie ein innovativer Cloud-Speicher und ein geringerer Speicherplatzbedarf vor Ort. Außerdem besticht die Cloud durch eine verbrauchsbasierte Abrechnung – Unternehmen binden kein Kapital mehr in kalte IT-Reserven. Jederzeit zubuchbare Cloud-Ressourcen verleihen eine hohe Skalierbarkeit und Flexibilität. Zudem eignet sich die Cloud als zweiter Standort, um der „3-2-1-Regel der Datensicherung” gerecht werden zu können – die Cloud als Hort für produktionsentscheidende Datenbestände.

ITM: Welche Daten sollten besser durch eine andere Backup-Methode gesichert werden und warum?
Jockel:
Die Anwendung einer anderen Backup-Methode ist nicht notwendig, wenn die Backup-Strategie in Datenkategorien aufgeteilt ist und besonders sensible Daten noch zusätzliche Sicherungen erfahren. Beispielsweise lassen sich produktionsrelevante Daten durch weitere Kopien an anderen Standorten oder kürzere Backup-Zeitfenster schützen.

ITM: Was sind häufige Probleme bei der Datenwiederherstellung?
Jockel:
Bei einem Systemausfall lassen sich aktuelle Daten nicht erneut in das System einspielen. Sollen Datenbestände wiederhergestellt werden, muss die Rücksicherung getestet werden – und da kann alles passieren. Deshalb sind regelmäßig anberaumte Tests essenziell. Bleiben sie aus, kann es im Katastrophenfall (K-Fall) zu unangenehmen Überraschungen kommen.

ITM: Welchen Einfluss üben die neuen Regeln der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) auf die Backup-Strategie der Unternehmen aus?
Jockel:
Zunächst einmal ist die DSGVO keine Backup-Verordnung. Sie regelt den Austausch von persönlichen Daten. Darüber hinaus stellt sie Anforderungen an eine sichere (physikalische) Datenhaltung. Meiner Einschätzung nach veranlasst die DSGVO Unternehmen, sich mit den Themen Datensicherheit und -schutz auseinanderzusetzen. Ihnen ist zu wünschen, dass sie die Notwendigkeit von Backups erkennen, um auch im K-Fall gerüstet zu sein.

ITM: Auf welche Kriterien sollten Mittelständler letztlich bei der Auswahl entsprechender Backup-Lösungen achten?
Jockel:
Um der kontinuierlich ansteigenden Datenflut Herr zu werden, benötigen Mittelständler eine langfristig funktionierende Backup-Strategie. Hierzu gehören Lösungen, die sowohl mit dem Wachstum des eigenen Unternehmens als auch mit den Datenbeständen skalieren. Deshalb tun Mittelständler gut daran, Cloud-Technologien in die eigene IT-Infrastruktur zu implementieren. Mithilfe eines integrierten Backups arbeiten Unternehmen ohne zusätzliche Software-Produkte und Kompatibilitäten.

Bildquelle: Netapp

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