Neue Arbeitsmodelle

Eine Frage der Unternehmenskultur

Anton Michael Doeschl, Architecture Lead Collaboration bei Cisco in Deutschland, im Gespräch über das zunehmende Bedürfnis nach flexiblen Arbeitsbedingungen und die technischen Grundlagen für entsprechende Regelungen.

Anton Michael Doeschl, Architecture Lead Collaboration bei Cisco in Deutschland

„Eine gesunde Unternehmenskultur basiert auf Transparenz und Zusammenarbeit”, meint Anton Michael Doeschl, Architecture Lead Collaboration bei Cisco in Deutschland.

ITM: Wieso sind Kernarbeitszeit und Anwesenheitspflicht für viele Führungskräfte so ein empfindliches Thema?
Anton Michael Doeschl:
Viele Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag von Civey: Für 45,2 Prozent der 2.500 Befragten war mehr Flexibilität der größte Wunsch an den digitalen Arbeitsplatz. Ob und wie Führungskräfte hierfür Raum schaffen, ist Ergebnis der jeweiligen Unternehmenskultur und letztlich auch des Arbeitsstils der Führungskräfte. Zwar nutzen diese laut der Civey-Umfrage am ehesten digitale Tools (27,6 Prozent), aber immer noch sperrt sich ein Drittel (33,7 Prozent) dagegen. Sie müssen sich aber nicht nur selbst einen Überblick über die Vorteile des modernen Arbeitsplatzes verschaffen, sondern auch mit alten Gewohnheiten – etwa Vorurteilen gegenüber Home Office und standortübergreifenden Teams – brechen, um ihr Unternehmen durch digitales Arbeiten erfolgreicher zu machen.

ITM: Wie kann eine Annäherung zwischen beiden Extremen – Anwesenheitspflicht und Homeoffice – gelingen?
Doeschl
: Im Austausch mit anderen arbeiten wir schneller, effektiver, flexibler und kreativer. Unternehmenskulturen, die auf Vertrauen, Eigenverantwortung und Vorbilder setzen, fördern diesen Austausch. Das heißt aber nicht, dass wir uns im Büro treffen müssen. Technologie wird dafür heute mehr denn je zum Erfolgsfaktor.

ITM: Die neue Freiheit durch Homeoffice und mobilen Arbeitsplätzen kann durch ständige Kontrolle und Erreichbarkeit auch schnell zur Belastungsprobe für Arbeitnehmer werden. Gibt es Seitens aktueller Software auch Funktionen oder Mechanismen, die auf eine gesunde Work-Life-Balance einzahlen?
Doeschl
: Technologie kann an dieser Stelle als Mittel genutzt werden, um Grenzen zu setzen. Viel wichtiger ist aber eine Unternehmenskultur, die auf Vertrauen und Respekt für geleistete Arbeit basiert sowie den Mitarbeitern entsprechenden Raum für ihr Privatleben und benötigte Ruhepausen bietet. Auch hier kommt natürlich der Vorbildfunktion von Führungskräften, die eine Work-Life-Balance vorleben sollten, eine zentrale Rolle zu. Auf dieser Basis können dann die Tools eingeführt werden, mit denen sich Home Office, freie Zeiteinteilung oder dezentrales Arbeiten umsetzen lassen.

ITM: Stichwort Erreichbarkeit: Wer definiert überhaupt die Regeln im Umgang mit einer UCC-Lösung?
Doeschl
: Das hängt von den Bedürfnissen und dem Aufbau eines Teams ab. Oft erarbeiten diese selbst gemeinsam mit Personal und den Führungskräften ein Regelwerk. Das ist elementar, wenn es darum geht, ineffizientes Arbeiten oder Überlastung zu vermeiden. Auch hier gilt: Herrscht in einem Unternehmen eine Kultur des Vertrauens, fühlt sich ein Mitarbeiter auch nicht unter Zugzwang, von unterwegs doppelte Arbeit zu leisten.

ITM: Welche Absprachen mit der Belegschaft oder dem Betriebsrat sind bei der Einführung eines UCC-Systems besonders wichtig?
Doeschl
: Eine gesunde Unternehmenskultur basiert auf Transparenz und Zusammenarbeit. Führungskräfte sollten daher frühzeitig interne Gremien wie den Betriebsrat mit in die Überlegungen einbeziehen. Als Technologieunternehmen sind wir aber viel mehr die Experten für die Umsetzung mobilen Arbeitens, weniger für das begleitende Regelwerk im Arbeitsalltag

Bildquelle: Cisco

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok