Tools müssen zusammenpassen

„Einen strategischen Plan entwickeln“

Laut Christina Langfus, Leiterin Vertrieb Großkunden bei der Telekom Deutschland GmbH, werden all jene schnell ins Stolpern kommen, die nur digitalisieren, weil andere das auch machen.

Christina Langfus, Telekom

Zuvor arbeitete Christina Langfus bei Vodafone Global Business als Head of Central Europe Solution Sales.

ITM: Frau Langfus, wie gestaltet sich die derzeitige wirtschaftliche Lage des deutschen Mittelstands im Rahmen des zweiten Corona-(Teil-)Lockdowns?
Christina Langfus:
Derzeit ist es so gut wie unmöglich, das genaue Ausmaß des zweiten Lockdowns zu bemessen. Dafür sind viel zu viele Fragen offen. Wird der Lockdown aufgehoben? Mit welchen Einschränkungen ist weiterhin zu rechnen? Welche Branchen können aufatmen, welche nicht? Klar ist: Je länger die Maßnahmen andauern, desto größer ist der wirtschaftliche Schaden, mit dem der Mittelstand zu kämpfen hat. Ich denke ganz besonders an Bereiche wie Gastronomie, Reisen, Freizeit und Kultur: Wie viele Unternehmen allein hier um ihre Existenz bangen, nicht nur Kleinunternehmen, sondern auch ganze Ketten! Andere Branchen hingegen wird die zweite Welle nicht ganz so hart treffen wie die erste: Schutzmaßnahmen haben sich eingespielt, das Homeoffice ist etabliert und Kunden sind virtuell erreichbar. Auch mit einem Lieferstopp aus Asien ist diesmal nicht zu rechnen. Das heißt: Die Produktion im deutschen Mittelstand läuft.

ITM: Inwieweit waren die Unternehmen dank Digitalisierung bereits auf die Arbeit im Homeoffice vorbereitet?
Langfus:
In den vergangenen Monaten hat sich bei der Digitalen Transformation im deutschen Mittelstand viel getan: Da hat sich die Corona-Pandemie als wesentlicher Treiber erwiesen. Laut dem jüngst veröffentlichten Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021, den wir jährlich gemeinsam mit Techconsult erheben, hat über die Hälfte der Firmen (55 Prozent) in den letzten Monaten neue Arbeitsplätze im Homeoffice eingeführt oder dieses Angebot auf weitere Mitarbeiter ausgeweitet. Auch in anderen Bereichen haben viele Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr erheblich an Tempo zugelegt: Fast die Hälfte der befragten Unternehmen (46 Prozent) hat Geschäftsmodelle oder Produkte und Serviceleistung während der Corona-Krise kurzfristig angepasst. Mehr als ein Drittel (34 Prozent) hat wichtige Prozesse kurzfristig digitalisiert.

ITM: Mit welchen digitalen Lösungen und Tools können sich die Unternehmen derzeit „retten“, um weiterhin produktiv zu bleiben?
Langfus:
Die Studienergebnisse belegen, dass Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad – die sogenannten Digital Leader – im Vergleich bislang besser durch die Krise gekommen sind als andere. Sie können als Vorbilder dienen, doch die perfekte Blaupause fürs eigene Unternehmen liefern sie nicht. Deswegen denken wir bei der Telekom bei der Beratung nicht allein vom Produkt her, sondern erarbeiten gemeinsam mit unseren Kunden individuelle Lösungen, die ihr Geschäft vorantreiben. Wie spezifisch das sein kann, zeigt das Beispiel Dethleffs. Die Freizeitmobilbranche verzeichnet nicht erst seit Corona eine starke Nachfrage. Dethleffs hat bereits 2019 gemeinsam mit uns und dem Start-up Syfit eine Tracking-Lösung entwickelt, mit dem es jedes einzelne Fahrzeug auf dem 280.000 m² großen Werksgelände orten und 4.000 Stellplätze optimal managen kann. Das beschleunigt den Produktionsablauf und spart Ressourcen.

ITM: Welche Rolle spielen bei den Lösungen Künstliche Intelligenz (KI) und das Internet of Things (IoT)?
Langfus:
Das ökonomische Potenzial dieser Technologien haben die Unternehmen längst erkannt. Schließlich können Unternehmen so zukünftiges Verhalten von Kunden oder den Zustand von Maschinen oder Produkten in Echtzeit einschätzen und schneller auf Veränderungen reagieren. Laut Digitalisierungsindex ist ein Drittel der Betriebe davon überzeugt, dass KI die wichtigste Zukunftstechnologie überhaupt sei. Künftig will jedes zweite Unternehmen auf vorausschauende Analysen setzen – erste Priorität haben derartige Projekte gerade allerdings nicht. Das ist bei der derzeitigen ungewissen Wirtschaftslage verständlich, aber durchaus ein Risiko. Um resilient zu sein, sollten Unternehmen gerade jetzt in KI und IoT investieren, schon allein, um nicht von den asiatischen Märkten abgehängt zu werden.

ITM: Was sind häufige Stolpersteine bei der Einführung entsprechender Lösungen und wie kann hier geholfen werden?
Langfus:
Die Zukunft ist digital – oder gar nicht. Das haben die Folgen des ersten Lockdowns mehr als deutlich gezeigt. Wer aber digitalisiert, „weil andere das auch machen“, wird schnell ins Stolpern kommen. Wichtig ist es, einen strategischen Plan zu entwickeln, der dem eigenen Geschäftsmodell und Digitalisierungsgrad entspricht. Auch ist es wenig hilfreich, wenn die verschiedenen Unternehmensbereiche über erstklassige Tools verfügen, die einzelnen IT-Lösungen aber nicht optimal zusammenpassen. Nicht zuletzt gilt es, auch die Mitarbeiter von den neuen Arbeitsweisen zu überzeugen und sie darin zu schulen. Zugegeben, das klingt nach einer Mammutaufgabe. Aber Unternehmen müssen da nicht allein durch, sondern können sich erfahrene IT-Partner mit Branchen-Know-how ins Haus holen.

ITM: Wie sollten Mittelständler jetzt reagieren, um sich nachhaltig zukunftsfähig aufstellen zu können?
Langfus:
Die Erfahrungen im Frühjahr dieses Jahres haben gezeigt, wie schnell es möglich ist, ganze Unternehmen quasi von einem Tag auf den anderen auf Homeoffice umzustellen. Eine solche Digitale Transformation ist auch in anderen Bereichen möglich – vielleicht nicht über Nacht, aber in wenigen Monaten. Von Vorteil ist es, wenn Unternehmen ihren IT-Partner von Beginn an in ihre Pläne mit einbeziehen. Wir bieten unseren Kunden beispielsweise spezielle Digitalisierungs-Workshops mit innovativen Unternehmen aus unserem Partnernetzwerk, in denen wir gemeinsam passgenaue Lösungen entwickeln. Die Umsetzung erfolgt aus einer Hand. Das bietet dem Kunden den nötigen Freiraum, um sich wieder dem zu widmen, was gerade jetzt seine größte Aufmerksamkeit benötigt: sein Kerngeschäft.

Bildquelle: Andi Werner

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