IT-MITTELSTAND befragt

Einfühlsame und gute Übersetzer sind gefordert

IT-MITTELSTAND befragt die Verantwortlichen der großen IT-Anbieter. Diesmal im Interview Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH.

Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH Karsten Glied

Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH Karsten Glied im Interview.

Unter Mittelstand verstehe ich ...
… das dynamische Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Der Mittelstand hebt sich von Großkonzernen dadurch ab, dass ...
… er Kundenorientierung statt Budgetierung in den Mittelpunkt stellt. Im besten Fall ist das Produkt wichtiger als interne Machtfragen und Hierarchien.

Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es ...
… eines Talents als Übersetzer. Der IT-Spezialist muss in der Lage sein, Geschäftsführer und Fachpersonal von der Notwendigkeit großer Investitionen in die IT zu überzeugen. In zwei Fällen zeigt sich dies als besonders wichtig: zum einen bei Investitionen in die Infrastruktur wie in IT-Sicherheit oder der Renovierung von IT-Infrastruktur. Diese Art der Investitionen kommt nur mittelbar dem Geschäft zugute. Zum anderen können Investitionen in die Digitalisierung dazu dienen, das bisherige Geschäftsmodell zu verändern. Hierfür braucht es einfühlsame und gute Übersetzer. Nur so kann IT zur kaufmännischen Seite durchdringen.

Was die IT anbelangt, ist der Mittelstand ...
… bunt gemischt. Es gibt Mittelständler, die früh den Umbau nach Maßgaben der Digitalisierung angegangen sind, andere verweigern sich dem bis heute. Das hat häufig etwas mit dem Unternehmensalter zu tun. Junge Unternehmen sind hier generell besser aufgestellt. Bei ihnen stehen Themen wie „Cloud Computing“ und „Usability“ im Vordergrund. Ältere Unternehmen tun sich dagegen oft etwas schwerer mit der IT-Thematik.

Charakteristisch für IT-Investitionsentscheidungen im Mittelstand ist, dass ...
… man sich mit den sprungfixen Kosten schwertut. Denn wenn Investitionen im IT-Bereich anstehen, dann ist der benötigte Betrag hierfür oft verhältnismäßig hoch. Im Mittelstand dominiert dann die Frage nach der sehr konkreten Kosten-Nutzen-Rechnung: Was bekommen wir eigentlich für das Geld? Diese Denkweise hat ihren Ursprung in der für den Mittelstand typischen Einzelentscheidung. Sie ist stärker erklärungsbedürftig – Investitionen müssen daher immer aus Sicht des Geschäfts und weniger aus IT-Perspektive begründet sein.

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Die typischen IT-Probleme des Mittelstands sind, dass ...
… die guten Cloud-Angebote, die oft despektierlich als Schatten-IT bezeichnet werden, aber auf besonders fruchtbaren Boden fallen. US-amerikanische Cloud-Angebote, wie beispielsweise Dropbox in Kombination mit einem heimischen Internetanschluss, sind der Maßstab vieler User, dem die IT-Abteilung mittelständischer Unternehmen aber nur schwer gerecht werden kann. Konzerne können da eher mit Eigenentwicklungen gegenhalten. Das Dilemma des IT-Mittelstands ist, dass die gute private Nutzererfahrung bei Cloud-Produkten auf intern genutzte Standard-Business-Anwendungen mit einer mangelhaften Nutzerfreundlichkeit trifft. Die kosten im Unterhalt aber nicht weniger Geld. Die Reaktion der Fachseite: Warum ist das so schlecht und so teuer bei Google? Das wiederum erzeugt bei der IT Frust.

Als Lösung für diese Probleme favorisiere ich ...

… die hybride Nutzung beider Welten: Cloud-Produkte datenschutzkonform mit einzubringen und die harte Usability-Brille aufzusetzen. Manchmal fehlt es dem Mittelstand noch am konsequenten Denken aus Sicht des Nutzers. Nur wenn der Anwender den Nutzen der Lösung erkennen kann, lohnen sich solche Investitionen langfristig. Ein wichtiger Punkt ist außerdem, stets offen anzusprechen, falls angedachte Konzepte nicht funktionieren oder sich aufgrund von Bestimmungen nicht umsetzen lassen.

Handlungsbedarf auf IT-Seite im Mittelstand sehe ich ...

… beim Verständnis für Geschäftsmodelle. Sinnbildlich baut die IT Straßen, auf denen das Geschäft fährt. Daher sollte hier auch die Geschäftsstrategie bekannt sein, damit es zu keinem Stau kommt. Dieser „Straßenbau“ braucht Kenntnis der Geschäftsziele und finanziellen Spielraum, um rechtzeitig neuen Belag aufbringen zu können. Statt Schlaglöcher ständig auszubessern, ist ein vorausschauender Ausbau auf zwei oder drei Spuren notwendig. Dabei sollte das Ziel eine in die Zukunft gerichtete IT-Infrastruktur sein, die von Wartungsplanung und einer ständigen Erneuerungsstrategie geprägt ist.

Bildquelle: Techniklotsen GmbH

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