ERP-Experte gibt Tipps

Einführung modularer ERP-Systeme

Modulare ERP-Systeme können den individuellen Bedarf von Mittelständlern passender abdecken. Allerdings ist auch die Einführung „kleinerer“ Systeme mit einem gewissen Beratungsaufwand verbunden, wie Tobias Hagenau, Gründer und Geschäftsführer von HQLabs in Hamburg, erklärt.

Tobias Hagenau, Geschäftsführer der HQLabs GmbH

„Fakt ist, dass viele Unternehmen mit der Analyse ihrer Bedürfnisse und der entsprechenden ERP-Modul-Auswahl überfordert sind“, berichtet Tobias Hagenau, Geschäftsführer der HQLabs GmbH.

ITM: Herr Hagenau, der Trend in der Softwarebranche geht immer mehr in Richtung Standardisierung. Warum werden im ERP-Bereich noch immer komplexe Individual­lösungen angeboten?
Tobias Hagenau:
Diese Feststellung ist so nicht richtig: Bei vielen ERP-Lösungen handelt es sich mittlerweile um Standardlösungen. Dabei sind die Zeiten, in denen Unternehmen Software eingekauft haben, die alle denkbaren Anwendungen und Zukunftsszenarien abdeckt, vorbei. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen wäre diese Herangehensweise viel zu teuer, denn jede einzelne Funktion will bezahlt werden – ob sie nun tatsächlich benötigt und eingesetzt wird oder nicht.

Insbesondere für Mittelständler bietet sich ein anderer Weg an, der ihnen Zugang zu moderner Unternehmenssoftware bietet, aber einen nicht annähernd so hohen Kapital- bzw. Investitionsbedarf hat. Für sie gibt es modulare ERP-Systeme, die über zahlreiche Schnittstellen und Importfunktionen verfügen. Aufgrund ihrer Modularität passen sich die Systeme genau an die Bedürfnisse der Firmen an. Zudem können sich die Anwender aus einem Katalog von Erweiterungen einfach die passenden Module heraussuchen.

ITM: An welchen Stellen könnte es haken?
Hagenau:
Fakt ist, dass viele Unternehmen mit der Analyse ihrer Bedürfnisse und der entsprechenden ERP-Modul-Auswahl überfordert sind. Genau daraus resultiert der Beratungsbedarf, der über den bloßen Verkauf einer Standardlösung hinausgeht. Am Ende ergeben sich aus der Kombination von einsatzfertigen Modulen und persönlicher Beratung Lösungen, die maßgeschneidert zum Kunden passen.

ITM: Wenn Software im B2B-Bereich per se eine Dienstleistung ist: Wird das auf ewig so bleiben?
Hagenau:
Auf Dauer wird es eine Mischung von Standard- und Individuallösungen geben. Parallel dazu gehören ERP-Dienstleistungen dazu, um mit Standardsoftware die individuellen Anforderungen von Kunden abdecken zu können.

ITM: Worauf kommt es bei modularen ERP-Systemen an?
Hagenau:
Im Unterschied zu den großen ERP-Lösungen liegt der Fokus bei kleinen, modularen ERP-Systemen klar auf der Konfiguration. Das aufwendige, fehleranfällige sowie wartungsintensive Programmieren von Erweiterungen hingegen gehört der Vergangenheit an. Entsprechend dazu müssen sich auch die Dienstleistungen, die mit dem Ausrollen einer ERP-Lösung verbunden sind, verändern.

ITM: Welche Vorteile kann man sich von modularen ERP-Systemen versprechen?
Hagenau:
Kleine und mittelständische Unternehmen profitieren u. a. davon, dass die IT damit nicht mehr ausschließlich Expertensache ist. Denn die Module lassen sich auch ohne Spezialwissen und steile Lernkurven anpassen, sodass sie dort effizient ist, wo sie effizient sein soll: in den Fachbereichen, in denen die Mitarbeiter z. B. Kundenbewegungen und Produktionsabläufe analysieren wollen.

ITM: Abschließend ein Blick auf mobile ERP-Funktionen: Warum funktionieren App-Stores nicht in diesem Kontext?
Hagenau:
Generell funktionieren App-Stores mit Unternehmenslösungen sehr wohl, beispielsweise beim Ausrollen von Standardsoftware oder von Paketen, die vorher an den Bedarf der Unternehmen angepasst wurden. Sogenannte „Enterprise Appstores“ sind auch für die Auslieferung von Erweiterungen und Modulen sinnvoll. Allerdings versagen sie dort, wo es um die individuelle Konfigurationen und das dafür nötige Know-how geht. Solche Bedürfnisse können Anwendungen von der Stange aus dem Store eben nicht befriedigen.

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