Netzwerk-Monitoring-Software für Kunststoffexperte

Einstieg in das Industrie-4.0-Zeitalter vollzogen

Weisser Spulenkörper, ein Hersteller von technischen Kunststoffteilen, realisierte mithilfe einer Netzwerk-Monitoring-Software den Einstieg in das Industrie-4.0-Zeitalter – dabei wurden erste Industrie-4.0-Applikationen eingeführt.

Platine

Weisser Spulenkörper produziert vor allem technische Kunststoffteile.

Industrie 4.0 zählt derzeit zu den Topthemen in IT und Industrie. So hat sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aktuell des Themas angenommen, um „Industrie 4.0 ‚auf den Hallenboden‘ zu bringen“. Damit will man das, was derzeit laut BMBF immer noch eine „Forschungsagenda“ ist, über definierte Standards beim Mittelstand in der Praxis etablieren. Während hier noch an der Theorie gearbeitet wird, hat Kutzschbach Electronic aus Nördlingen, ein Spezialist für Automatisierung und IT, mithilfe der Lösung „PRTG Network Monitor“ erste Industrie-4.0-Applikationen in die Praxis umgesetzt: Bei Weisser Spulenkörper, einem Hersteller von technischen Kunststoffteilen, verhalf man den Produktionsmaschinen zu mehr „Intelligenz“, wodurch sich gleichzeitig auch die Produktionsprozesse optimieren ließen.

Während der vergangenen 90 Jahre hat sich Weisser Spulenkörper als klassischer deutscher Mittelständler weltweit zu einem der führenden Hersteller von Spulenkörpern entwickelt. Dabei werden die Produkte des Mittelständlers in der Automobilindustrie ebenso wie in der Elektrotechnik, im Maschinenbau oder der Medizintechnik eingesetzt – sozusagen überall, wo elektronische Bauteile in hoher Qualität gefragt sind. Die Voraussetzung dafür, dass Weisser jedem Kunden Spulenkörper nach individuellen Anforderungen liefern kann, ist die effiziente Herstellung prozess­sicherer Spritzgießwerkzeuge. Die Fertigung der dafür benötigten Komponenten ist zum einen sehr zeitintensiv, zum anderen kann die Bearbeitungsmaschine den genauen Zeitpunkt der Fertigstellung nicht selbst angeben. In der Vergangenheit bedeutete dies, dass der zuständige Mitarbeiter die Maschine regelmäßig kontrollieren musste. Um eine bestmögliche Auslastung der Maschine zu erzielen, mussten diese Kontrollen auch über Nacht sowie am Wochenende durchgeführt werden. Daraus ergab sich eine starke Belastung der Maschinenführer, ohne optimale Ergebnisse zu erzielen: Schließlich gab es zwischen Fertigstellung und Kontrolle immer eine Zeitspanne, in der die Maschine stillstand.

Sprachprobleme überwinden

Schnell fand man eine Lösung: Die Maschine muss den Maschinenführer benachrichtigen, sobald das Werkstück fertiggestellt ist. Als Problem stellte sich dabei jedoch heraus, dass die Maschine von Haus aus keine Möglichkeit besitzt, mit konventioneller IT zu kommunizieren. Die traditionelle Trennung von IT und Produktion, Sicherheitsaspekte sowie fehlende Standards sind die Gründe für dieses Kommunikationsproblem und auch dafür, dass Industrie 4.0 in so manchen Bereichen nur schleppend in Fahrt kommt.

An dieser Stelle kam der Anbieter Kutzschbach Electronic ins Spiel: Als Automatisierungshersteller und IT-Systemhaus kennt der Dienstleister beide Seiten. Mit dem PRTG-Wizard hat er überdies ein Produkt auf Basis der Monitoring-Lösung von der Paessler AG entwickelt, das die Verbindung von Maschinen zur Welt jenseits der Produktionshalle schaffen kann. Dazu liest der Wizard-Client die Signale einer Maschine aus und „übersetzt“ sie in XML. Diese Informationen werden an die zentrale Monitoring-Installation weitergeleitet. Dort zeigt die Software die übermittelten Zustände der Maschine in Übersichten an und verschickt je nach Zustand Benachrichtigungen in unterschiedlichen Formaten, beispielsweise als E-Mail, SMS oder Push-Benachrichtigung.

Software zeichnet Maschineninformationen über Auslastung und Stillstände auf

Im Fall von Weisser Spulenkörper hat der Wizard eine Entlastung des Personals sowie eine bessere Auslastung der Maschinen ermöglicht. Ganz konkret haben die Nördlinger in einem Pilotprojekt die Monitoring-Software sowie den Wizard implementiert und die Metallbearbeitungsmaschine für Formenbau angebunden. So wird der Maschinenführer heute umgehend per Nachricht auf seinem Handy informiert, sobald das Werkstück fertig ist, und kann direkt den nächsten Produktionsprozess anstoßen. Darüber hinaus zeichnet die Software sämtliche Informationen über Auslastung, Stillstände und sonstige Zustände der Maschinen auf und liefert damit die Basis für langfristige Auswertungen. Rainer Gschwendtner, IT-Leiter bei dem Kunststoffspezialisten, betont: „Bei uns gibt es heute weder nächtliche Kontrollbesuche noch unnötige Maschinenstillstände. Dies entlastet unser Team und hilft uns bei der Prozessoptimierung.“

Nachdem für den Wizard sowieso eine PRTG-Installation bei Weisser eingesetzt wurde, lag es nahe, diese auch für das Monitoring der „traditionellen“ IT-Infrastrukturen zu nutzen. Dank umfassender Funktionalität wird die Lösung nun unternehmensweit in so gut wie allen Bereichen eingesetzt. So überwacht das Tool neben den Maschinen in der Fertigung auch Hardware wie Netzwerkgeräte, Server oder Drucker, Software wie Datenbankanwendungen und komplette Geschäftsprozesse sowie virtuelle Umgebungen (VMware, Datacore). Damit verfügt der Mittelständler über eine Unified-Monitoring-Lösung, die Produktion, IT und Haustechnik in einer Übersicht zusammenführt. Rainer Gschwendtner zieht ein Fazit: „Mit der neuen Monitoring-Software wurden verschiedene von uns eingesetzte Insellösungen zur Überwachung von Druckern, Haustechnik und Produktion konsolidiert und ersetzt. Damit sparen wir Zeit, entlasten unsere Mitarbeiter und haben vor allem einen zentralen Leitstand, der uns Zusammenhänge erkennen und Prozesse optimieren hilft.“

 

 

Über Weisser Spulenkörper

  • Geschäftsfeld: Hersteller von technischen Kunststoffteilen; das Leistungsspektrum umfasst über 4.500 Artikel aus mehr als 100 Materialien.
  • Gründung: 1922
  • Stammsitz: Neresheim/Baden-Württemberg
  • Mitarbeiter: rund 195

    Bildquelle: © Thinkstock/iStockphoto

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