Mit kleinen Projekten beginnen

Erfolgreiche Digitalisierungsreise

Laut Toni Stork, CEO & Managing Partner von Ommax, sind Digitalprojekte meist zum Scheitern verurteilt, wenn alle großen Themen direkt am Anfang der Digitalisierungsreise angegangen werden.

Toni Stork, CEO & Managing Partner von Ommax

Der Mittelstand steht sich bei der Digitalisierung immer noch zum Teil selbst im Weg, meint Toni Stork, CEO & Managing Partner von Ommax.

ITM: Herr Stork, wo stehen mittelständische Unternehmen in Deutschland Ende 2018 hinsichtlich der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse?
Toni Stork:
Viele Branchen, wie beispielsweise die Gesundheits- oder Versicherungsbranche, stehen erst am Anfang ihrer digitalen Transformation. Hier gibt es einiges an Nachholbedarf. Sieht man sich z.B. die Gesundheitsbranche näher an, wird deutlich, dass die deutschen Firmen hier bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse hinterherhinken. Langfristig gesehen, müssen aber auch diese Branchen die Chancen der Digitalisierung und Technologien nutzen, um so ihren Kunden (oder Patienten) die optimale und an moderne Standards angepasste Versorgung zu bieten.

ITM: Wer oder was hat den Mittelstand bislang bei der digitalen Transformation ausgebremst?
Stork:
Der Mittelstand steht sich immer noch zum Teil selbst im Weg, indem er beispielsweise den Kunden, mit all seinen Bedürfnissen, nicht immer in den Mittelpunkt stellt. Um die Digitalisierung zielorientiert und erfolgreich zu meistern, müssen Unternehmen heute u.a. den Kunden in das Zentrum ihrer Services stellen und ihre digitale Zielgruppe genau dort abholen, wo sie steht.

ITM: Wo verbergen sich die Risiken solcher Digitalisierungsprojekte?
Stork:
Gerade im Mittelstand werden die Anforderungen häufig vorab nicht klar definiert und es fehlt eine ganzheitliche Strategie. Oftmals beobachten wir, dass Lösungen gewählt werden, die entweder die Anforderungen und Funktionen nicht abdecken können oder das Anforderungsprofil und die gewünschten Funktionalitäten übersteigen. Im ersten Fall werden Lösungen nach der ersten Entwicklungsstufe neu gebaut. Im zweiten Fall ziehen sich die Entwicklungen von Digitalisierungslösungen extrem in die Länge.

In beiden Fällen entstehen nicht selten hohe und nicht budgetierte Investitionskosten, die eine Gefahr für mittelständischen Unternehmen bedeuten können, da es hier oftmals um unternehmenskritische Prozesse geht. Dadurch verlieren die Unternehmen im schlimmsten Fall die Lust an der Digitalisierung und es folgt ein Stillstand, der langfristig deutliche Wettbewerbsnachteile nach sich zieht. Deswegen raten wir dringend dazu, in kurzen Strategieprojekten die Anforderungen und Funktionalitäten von erfahrenen Digitalberatern im Detail definieren zu lassen und diesen Prozess bereits vor Beginn der Umsetzung extern begleiten zu lassen.

ITM: Welche mittelständischen Branchen haben nichtsdestotrotz ihre Geschäftsprozesse bereits gut digitalisiert? Woran liegt es, dass sie die Nase vorn haben? Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Stork:
Digitale Vorreiter in Deutschland findet man branchenübergreifend. Im letzten Jahr konnten wir in der Transport- und Logistikbranche erkennen, dass gerade bei Auslastungen im Transport und bei der Planung der Verladung digitale Lösungen deutlichen Mehrwert generieren können. Unternehmen, die Planung und Beladung von Transportfahrzeugen digitalisieren, konnten darüber hinaus in der Verwaltung deutliche Kostensenkungen realisieren.

Bei schnelldrehenden Konsumgütern sehen wir, dass durch Predictive Analytics Produktionskapazitäten besser planbar sind. Dies geschieht mit entsprechenden Markt- und Konsumentendaten, aber auch durch Wetterdaten oder die Auswertung von Kanälen, mit denen Unternehmen am effizientesten und effektivsten mit Konsumenten in Kontakt treten können, so beispielsweise Social Media, Newsletter oder Youtube. Hier ist – wenn auch kein mittelständisches Unternehmen – Coca-Cola als Vorreiter zu nennen.

Aktuell beobachten wir im Handel, dass die Automatisierung und Digitalisierung des kompletten Bestell- und Fertigungsprozesses im Vordergrund stehen. Für 2019 wird für viele Unternehmen die Digitalisierung und Automatisierung der Finanzbuchhaltung im Fokus stehen. Hier beobachten wir häufig noch manuelle, sehr papierlastige Prozesse, die Unternehmen jetzt bereit sind, abzuschaffen.

ITM: Was muss 2019 generell geschehen, um die Digitalisierung weiter voranzutreiben? Wer kann hier wie dem Mittelstand unter die Arme greifen?
Stork:
Der Mittelstand muss begreifen, dass er die Customer Journey zum einen branchenspezifisch und zum anderen individuell anpassen muss. Digitalberatungen können den Mittelstand hier mit ihrer Expertise kompetent unterstützen und dabei helfen, diese Transformation auch nachhaltig messbar und maßgeschneidert anhand einer Strategie, fundierter Datenanalysen sowie leistungsstarker Technologien zu meistern.

Digitalberatungen spielen eine wichtige Rolle bei der digitalen Transformation der jeweiligen Geschäftsmodelle. Sie bringen die Expertise und den Blick von außen mit und können zielgerichtet helfen, Schwachstellen zu finden und in nachhaltig messbare Digitalstrategien zu wandeln. Was häufig missachtet wird, ist, dass eine erfolgreiche digitale Transformation für Unternehmen nicht nur intern von Relevanz ist. So wird beispielsweise vor einer Übernahme durch eine andere Firma heute immer häufiger die digitale Performance intensiv mitgeprüft. Die Digital Due Diligence ist eine explizit auf digitale Aspekte ausgelegte Unternehmensprüfung, die bei einer positiven Bilanz die Entscheidung einer investierenden Firma bei einer potentiellen Übernahme stark beeinflussen kann. Auch hier stehen Digitalberatungen zur Seite.

ITM: Mit welchem personellen, finanziellen und zeitlichen Aufwand muss in Digitalisierungsprojekten i.d.R. gerechnet werden?
Stork:
Das hängt sehr stark vom Grad der Digitalisierung und der Größe der Unternehmen ab und kann nicht pauschalisiert werden. Wir raten Unternehmen immer dazu, am Anfang mit kleinen Digitalisierungsprojekten zu beginnen, mit denen man schnell Erfolgserlebnisse erzielt, um von dort aus Stück für Stück die Komplexität mit zunehmender Erfahrung und zunehmenden internen personellen Ressourcen zu steigern. Alle großen Themen direkt am Anfang einer Digitalisierungsreise anzugehen, ist meist zum Scheitern verurteilt. Aus diesem Grund sind zu Beginn Ein-, Drei- und Fünfjahrespläne sehr wichtig, in denen man Teilziele definiert und diese mit einer robusten Businessplanung und Organisationstruktur bei der Erreichung von Meilensteinen hinterlegt. Nur so kann man Schritt für Schritt die Digitalisierung erfolgreich vorantreiben.

ITM: Welchen Stellenwert schreiben Sie hierbei einem Chief Digital Officer (CDO) zu?
Stork:
Als Digitalberatung schreiben wir einem CDO einen hohen Stellenwert zu, denn er ist derjenige, der unsere externe Beratungshandlung nachhaltig und langfristig intern umsetzt und bestenfalls auch beibehält. Aus diesem Grund sollten Unternehmen diesem ebenfalls einen hohen Stellenwert zuschreiben.

ITM: Welche Fehler passieren häufig in Digitalisierungsprojekten?
Stork:
Häufig wird die digitale Transformation in Unternehmen nicht branchenspezifisch und individuell gedacht, was dann wiederum nicht zum gewünschten Erfolg führt. Außerdem wird der Kunde, der heutzutage digital ist, nicht in den Mittelpunkt gerückt. Unternehmen müssen sich deshalb, wie bereits erwähnt, eine branchenspezifische Customer Journey aufbauen.

ITM: Was raten Sie Unternehmen, die sich die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse für 2019 fest vorgenommen haben?
Stork:
Unternehmen sollten sich selbst oder bestenfalls mithilfe von Experten eine fundierte digitale, datenbasierte Strategie erarbeiten, die auf die jeweils individuellen Anforderungen zugeschnitten ist. Der digitale Geschäftserfolg muss dabei aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, um letztlich auch die Einnahmen zu verbessern.

Bildquelle: Ommax

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