IT-Flexibilität

ERP-Projekte mit Flexibilität planen

Interview mit Cansever Sezer, Geschäftsführer der Industrial Application Software GmbH, über IT-Flexibilität im Mittelstand

Cansever Sezer, Industrial Application Software GmbH

„Ein neues ERP-System lässt sich nicht von außen über die Organisation ‚stülpen‘: Für das Gelingen der Einführung ist wichtig, einen detaillierten Einblick in die Prozesse sowie Abteilungen zu gewinnen und beteiligte Mitarbeiter und Anwender frühzeitig einzubinden“, rät Cansever Sezer, Geschäftsführer der Industrial Application Software GmbH

ITM: Herr Sezer, warum ist die Flexibilität in der IT so wichtig für den Mittelstand?
Cansever Sezer:
Entscheidend für mittelständische Unternehmen ist das Thema Wettbewerbsfähigkeit. In der heutigen globalen, vernetzten, schnell agierenden und sich ständig verändernden Welt überlebt der Mittelstand dadurch, dass er flexibel ist. Und das nicht nur in Bezug auf seine Produkte, sondern auch in seinen Prozessen und seiner Organisationsform.

Verändert sich ein Unternehmen, muss auch seine IT mit diesem Wandel Schritt halten können. Mit flexibler IT-Organisation und anpassungsfähiger Software können Mittelständler schnell auf neue Anforderungen reagieren und damit erforderliche Prozessveränderungen effizient umsetzen. Letzten Endes stellen flexible IT-Systeme den Fortbestand und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sicher und sind damit ein Erfolgsfaktor.

ITM: Der Begriff Flexibilität ist sehr facettenreich. Wann sind ein Unternehmen und seine IT flexibel?
Sezer:
Ein Unternehmen ist flexibel, wenn es in seiner Organisationsform – mit seinen Produkten, Abteilungsstrukturen und Prozessen – schnell und ohne großen Aufwand auf Bedürfnisse seiner Kunden, der Branche und des Marktes reagieren kann. Im IT-Bereich äußert sich die Flexibilität in der Applikation selbst (durch Customising und Einstellungen), in den innerhalb der Software implementierten Prozessen und Business-Logiken sowie in den Technologien und der IT-Infrastruktur als Ganzes. So konnten unsere Kunden aufgrund technologischer Offenheit unserer ERP-Software bereits 2004 per Webservices kommunizieren und z. B. ihre Kreditlimit- und Bonitätsprüfungen mit ERP durchführen – eine Funktionalität, die zwölf Jahre später Standard ist. Deshalb ist es für Unternehmen essentiell, IT-Trends zu beobachten und den Veränderungsbedarf sukzessive zu identifizieren.

ITM: Wie flexibel ist Ihre Lösung, die in mittelständischen Betrieben eingesetzt wird?
Sezer:
Ohne viel über uns selbst zu reden, halte ich es für sinnvoll, sich die Meinungen der Anwender anzusehen, die mit der Software arbeiten. Wie andere mittelständische Unternehmen das System bewerten, zeigen beispielsweise Umfragen und Studien der Trovarit AG und der GPS Gesellschaft zur Prüfung von Software. Diese unabhängigen Marktuntersuchungen belegen, dass die „Flexibilität im Mittelstand“ ein wichtiges Thema ist und damit unmittelbar die Zukunftsfähigkeit verbunden wird. Dort lässt sich letzten Endes auch die Positionierung von CaniasERP im Hinblick auf die Flexibilität anhand von konkreten Zahlen ablesen. 

ITM: Welche Nachteile haben flexible Systeme und wo liegen typische Stolpersteine?
Sezer:
Ist man flexibel und hat alle Möglichkeiten, Dinge zu verändern, dann verändert man diese unter Umständen auch. Das ist ein Problembereich einer hohen Flexibilität im IT-Kontext. Ich sage immer, eine „100-Prozent-Lösung“ ist häufig keine optimale Lösung. Die Erfahrung zeigt, dass das Optimum zwischen dem Nutzen aus Anpassung und der Investition (und damit den Kosten) irgendwo zwischen 95 und 98 Prozent liegt. Unternehmen, die ihre Software zu 100 Prozent an ihre spezifischen Prozesse und Besonderheiten anpassen, zahlen in der Regel zu viel Geld. In diesem Fall verewigen sich Anwender bis in den letzten Button in der Applikation, was automatisch mit einem höheren Release-Aufwand einhergeht und – ganzheitlich betrachtet – nicht wirtschaftlich ist.

ITM: Welche Tipps geben Sie Mittelständlern in Bezug auf das Thema „Flexibilität zu einem bezahlbaren Preis“?
Sezer:
Bei langfristig ausgelegten Software-Anschaffungen muss immer ein Return on Investment (ROI) kalkulierbar sein. Deshalb sollte vor Projektbeginn klar sein, was mit dem neuen System erreicht werden soll und welches Budget dafür investiert werden kann. Wenn die Kernprozesse und Kennzahlen des Unternehmens identifiziert sind, macht es bei knapp bemessenen Budgets durchaus Sinn, zentrale Bereiche als Erstes mit IT zu unterstützen.

Hierbei können modular aufgebaute ERP-Systeme eine praktikable Lösung sein. So kann beispielsweise mit nur sieben Modulen von CaniasERP (von knapp 40) der Kernprozess jedes beliebigen Unternehmens abgebildet werden. In diesem Fall wäre es wichtig, im ersten Schritt Module wie CRM, Vertrieb, Bestandsführung, Einkauf sowie Rechnungsprüfung und Finanzbuchhaltung einzuführen. Unsere Software ist technisch so flexibel, dass der Bereich Fertigung relativ einfach über die Bestandsführung realisiert werden kann. Durch den modularen Systemaufbau und schrittweises Projektvorgehen können Mittelständler schnell und zu attraktiven Konditionen ihr Unternehmen IT-gestützt steuern und den Funktionsumfang im Laufe der Zeit weiter ausbauen.

ITM: Worauf sollen Unternehmen bei ERP-Projekten noch achten?
Sezer:
Ein neues ERP-System lässt sich nicht von außen über die Organisation „stülpen“: Für das Gelingen eines Einführungsprojekts ist wichtig, einen detaillierten Einblick in die Prozesse sowie Abteilungen zu gewinnen und beteiligte Mitarbeiter frühzeitig einzubinden. Es ist aber auch Chefsache. Die Geschäftsleitung muss mit Überzeugung hinter dem Vorhaben stehen, den Weg für die Anwender vorgehen und alle mit ins Boot holen.

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok