Mobile Lösungen prägen den Prozess beim Hauptmünzamt

ERP schafft Transparenz

Die digitale Erfassung aller Warenflüsse vom Werkstor bis zur Auslieferung durch mobile Technologien bringt Transparenz in die Produktion und erleichtert die Rückverfolgung von Chargen – jedoch nur im nahtlosen Zusammenspiel mit einem bestandsführenden ERP-System. Das Bayerische Hauptmünzamt kennt die Anforderungen an dieses „Doppel“ genau, schließlich darf bei einer Milliarde Münzen keine einzige fehlen.

  • ERP schafft Transparenz

    Die Anforderungen vonseiten der staatlichen Auftraggeber bezüglich der Produktqualität oder Rückverfolgbarkeit der Münzchargen sind streng. ((Bildquelle: Getty Images/iStock))

  • ERP schafft Transparenz

    Das Bayerische Hauptmünzamt ist eines der ältesten Deutschlands und produziert 21 Prozent der in der Bundesrepublik in Umlauf gebrachten Euromünzen. ((Bildquelle: Bayerisches Hauptmünzamt))

Rechtliche Vorgaben und die Qualitätsansprüche von Kunden forcieren den Einsatz mobiler Lösungen in der Fertigung: Sämtliche Warenbewegungen und Produktionsabläufe müssen lückenlos dokumentiert und bei Bedarf nachgewiesen werden können. Scanner ersetzen dabei die manuelle Erfassung von Lagerbeständen oder Chargen per Laufzettel. Die mobil erfassten Daten zu Warenflüssen oder verwendeten Werkzeugen werden im ERP vorgehalten und steuern Folgeprozesse. Dass eine lückenlose Chargenführung über den gesamten Fertigungsprozess komplex sein kann, zeigt das Beispiel des Bayerischen Hauptmünzamts in München.

Die Prägestelle ist im Jahr 1158 gegründet worden und damit das älteste Unternehmen in der bayrischen Metropole. Das Hauptmünzamt ist eine von fünf Münzstätten in Deutschland und produziert 21 Prozent der in der Bundesrepublik in Umlauf gebrachten Euromünzen. 

Die Rohlinge für das Hartgeld werden in gepanzerten Behältern angeliefert. Darin befinden sich Metallplättchen, die von der Prägeanstalt in Geld verwandelt werden. Entsprechend streng sind die Anforderungen vonseiten der staatlichen Auftraggeber: etwa im Hinblick auf die Produktqualität oder die Rückverfolgbarkeit der Münzchargen. Um sie zu erfüllen, unterhielt das Bayerische Hauptmünzamt in der Vergangenheit verschiedene Dokumentations- und Datenleitsysteme, die einen hohen Aufwand in der Datenpflege verursacht haben. 

Grundlegend verbessert hat sich die Situation ab 2016 durch die schrittweise Einführung einer Proalpha-ERP-Lösung. Seitdem arbeitet die Prägeanstalt zunehmend durchgängig mit dem ERP-System: von der Auftragsannahme und Materialerfassung über die Produktion, Verpackung und Auslieferung bis hin zur Abrechnung. 

Eindeutige Identifizierung

Das Ausgangsmaterial für Euromünzen wird vom Bundesverwaltungsamt eingekauft und der Prägeanstalt zur Verfügung gestellt. Das Amt erwartet dementsprechend, dass exakt belegt werden kann, von wem wie viel Material im Hauptmünzamt ist und was damit geschieht.

Hierzu werden die gelieferten Plättchen gewogen und Stichproben zur Qualitätskontrolle der Rohlinge gezogen. „Ist alles in Ordnung, vergeben wir mithilfe des ERP-Anbieters eindeutige Chargennummer“, erläutert Ayad Slewa, ERP-Verantwortlicher für den Umlaufbereich im Bayerischen Hauptmünzamt. Das Material aus dem geprüften Behälter bleibt dann bis zur Auslieferung der geprägten Münzen mit der einmal vergebenen Chargennummer verbunden. Diese lückenlose Chargenführung über das ERP zu realisieren, entpuppte sich alles andere als einfach, denn jede einzelne Charge wird mehrfach umgefüllt, dann geprägt, stückgenau erfasst, gelangt danach zur finalen Qualitätssicherung und schließlich in die Auslieferung.

„Insgesamt verwalten wir mithilfe von Proalpha die Bewegungsprofile von rund 1.000 Behältern unterschiedlicher Berechtigungsstufen“, erklärt Slewa. Den Weg vom Wareneingang bis zur Auslieferung legt jede Charge etappenweise in eindeutig identifizierten Behältern zurück. Die Prägestelle arbeitet dazu an allen Übergabestationen mit mobilen Erfassungsgeräten. Wird eine Charge umgefüllt, hat das ERP-System via Scanner sofort die Information, in welchem Behälter diese nun liegt. 

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Daneben spielt die Werkzeugverwaltung eine zentrale Rolle. Um die strengen Vorgaben der Zentralbanken zu erfüllen, muss die Münzanstalt jederzeit nachweisen können, welchen Prägestempel sie für welche Charge genutzt hat. Vom ERP-System erhält jeder Stempel dazu eine eindeutige ID-Nummer. Diese Nummer und ein passender QR-Code werden per Laser eingraviert. Um das Werkzeug aus dem Lager zu entnehmen und in die Prägepresse einsetzen zu können, autorisiert sich der zuständige Mitarbeiter wiederum per mobilem Chip. 

Zeit ist Geld – wortwörtlich

Der durchgängige Einsatz mobiler Lösungen zahlt sich für das Hauptmünzamt aus. Beispiel Inventur: Das Unternehmen ist verpflichtet, regelmäßig alle Material- und Münzbestände im Haus zu inventarisieren. Vor der Einführung der Lösung wurden dafür etwa drei Tage benötigt, in denen der Prägebetrieb stillstand. „Durch die mobilen Prozesse sind wir heute schon nach einem Tag fertig“, ergänzt Slewa. Auch im Alltagsbetrieb spart das ERP-System Arbeitszeit ein. Anstatt neue Aufträge manuell anzumelden oder Laufzettel zu Fuß in die Buchhaltung zu bringen, erfasst das ERP jede Statusänderung über mobile Systeme sofort und veranlasst automatisiert die Folgeschritte. Dadurch ist die Münzanstalt heute in der Lage, Prozesse ganzheitlich zu analysieren und sie weiter zu optimieren.

Industrie 4.0 ist das Ziel

Mit der Einführung der mobilen Lösungen profitiert das Bayerische Hauptmünzamt neben den Zeitersparnissen vor allem durch die gestiegene Transparenz ihres Produktionsprozesses. Dies ist allerdings nur der erste Schritt: Das Unternehmen ist als Entwicklungspartner seines Prägepressenherstellers in ein Industrie-4.0-Projekt eingebunden. Ziel ist es, alle Maschinendaten zu erfassen und auszuwerten – darunter Anpressdruck, Laufleistung und Fehlerquote. Mithilfe der Ergebnisse lassen sich maschinenbedingte Qualitätsverluste künftig über vorausschauende Wartungseinsätze weitgehend ausschließen. 

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