Perlen Packaging wechselt auf S/4 HANA

ERP-Umgebung neu verpackt

Durch die Migration auf S/4 Hana will Perlen Packaging viele Prozesse effizienter gestalten, auch dank des Echtzeitzugriffs auf Daten und Kennzahlen mit SAP Fiori. Die neue Applikationssuite bildet zudem einen wichtigen Baustein in der Digitalisierungs-strategie des Herstellers pharmazeutischer Verpackungsfolien.

  • Tablettenpackung

    Das stetige Wachstum machte das SAP-System, das Perlen Packaging und die CPH-Tochter Perlen Papier AG bislang gemeinsam nutzten, komplexer.

  • Packstation

    Nach dem Produktivstart von SAP S/4 Hana gab es weder in der Produktion noch in der Logistik einen Stillstand und die Anwender konnten direkt auf der neuen ERP-Suite weiterarbeiten.

  • René Kuhn, Head of IT Perlen Packaging

    „Wir konnten die Systemkonversion von SAP ERP auf S/4 Hana auf einen Schlag mit einer einzigen Downtime in sieben Monaten abschließen“, berichtet René Kuhn, Head of IT Perlen Packaging.

Mitte April 2018 konnte die Systemkonversion von SAP ERP (mit SAP Enhancement Package 5) auf S/4 Hana in der Version 1709 nach sieben Monaten Projektlaufzeit abgeschlossen werden. „Wir haben die Konvertierung auf die Hana-Datenbank, das Software-Upgrade und die Datenkonvertierung in einem Zug mit einer einzigen Downtime durchgeführt. Als Migrations-Tool diente der Software Update Manager (SUM)“, berichtet Perlen-Packaging-IT-Leiter René Kuhn.

Mit der Durchführung des Projekts hatte der international tätige Hersteller von pharmazeutischen Verpackungsfolien den SAP-Partner T.CON beauftragt, dessen Berater mit den Geschäftsprozessen bei Perlen Packaging vertraut sind und die bereits die Einführung von SAP ERP und des eigenen Manufacturing-Execution-Systems betreut hatten. 

Der Umstieg war für Perlen Packaging, eine Tochter der Chemie + Papier Holding AG (CPH), von strategischer Bedeutung. Das international tätige Unternehmen erzielte 2017 mit 370 Beschäftigten einen Umsatz von 140 Mio. Schweizer Franken. Es stellt im Jahr mehr als 35.000 Tonnen PVC-Monofolien und spezialbeschichtete PVdC-Barriere- und -Hochbarrierefolien an fünf Standorten in der Schweiz, in Deutschland, in den USA, in China und Brasilien her und vertreibt sie in über 85 Länder.

Die Kunden stammen aus der Pharmabranche und verarbeiten die Folien meist zu Blisterverpackungen weiter. Die schützen Arznei- und Medizinprodukte, aber auch Nahrungsergänzungsmittel vor Fremdeinflüssen wie Licht, Sauerstoff, Wasserdampf und Aromen oder mechanischer Belastung. 

Digitaler Wandel erhöht Anforderungen

Perlen Packaging expandiert zudem stetig. Jedoch ergeben sich aus dem digitalen Wandel neue Problemstellungen für das Unternehmen, gerade was die Integration und die Vernetzung technischer Systeme und Prozesse oder auch die GMP-Validierung betrifft. „Die neue Applikationssuite ist ein zentraler Baustein, um innovative digitale Geschäftsprozesse und -modelle oder eine Smart Factory im Sinne von Industrie 4.0 zu realisieren“, erläutert René Kuhn. 

Die ERP-Suite stellt Funktionen für die Integration, Verarbeitung und Analyse von Massendaten bereit – Stichwort Big Data –, aber auch für Prognosen und Simulationen, gleichzeitig will Kuhn viele Prozesse vereinfachen. Dabei sollen das Principle-of-One-Konzept, ein schlankes Datenmodell sowie die Rückführung von Funktionalitäten in den ERP-Kern helfen, etwa aus der Industrielösung SAP DIMP (Discrete Industries & Mill Products). Die benutzerzentrierten Fiori-Oberflächen erlauben Endanwendern den Echtzeitzugriff auf Daten, Kennzahlen und Prozesse – via Desktop genauso wie mobil per Smartphone oder Tablet.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Effekte sind bereits bemerkbar: Im Finanzwesen werden Daten aus Buchhaltung, Controlling und dem Materialregister in einem einzigen Beleg, dem Universal Journal, gebündelt. So entsteht eine einzige Datenquelle für die Finanzprozesse. Da die Verarbeitung der Daten auf Einzelpostenebene erfolgt, können sie in beliebiger Detailtiefe und, dank der In-Memory-Technologie, nahezu in Echtzeit analysiert werden.

Das Zusammenspiel mit dem MES-System, das lokal in den Standorten jeweils auf eigenen Servern installiert ist, funktioniert nach einigen Anpassungen in Bezug auf die Tabellen.  Daten aus den Fertigungsstätten – aus Kalandern, Rollen-schneidern und einer voll automatisierten Verpackungsstraße –  fließen in die Datenbank ein. Sie können dort flexibel mit Informationen aus anderen Geschäftsbereichen verknüpft und analysiert werden, was im Reporting neue Optionen bietet.

Mit der Ablösung des dreistufigen Altsystems auf die neue ERP-Suite verbinden die Verantwortlichen bei Perlen Packaging die Zielsetzung, wichtige Innovationsprojekte anzustoßen. Zudem sorgte man für Investitionssicherheit, weil 2025 die Mainstream-Wartung für SAP ERP ausläuft. 

Gründe für den Umstieg

Das stetige Wachstum machte das SAP-System, das Perlen Packaging und die CPH-Tochter Perlen Papier AG bislang gemeinsam nutzten, komplexer. Damit stieg auch der Aufwand für die Wartung und bei der GMP-Prozessvalidierung. Außerdem stand ein Update der Oracle-Datenbank ins Haus, das mit erheblichen Kosten verbunden gewesen wäre. Eine wichtige Rolle für den Umstieg spielte auch die Bedienbarkeit, denn viele Nutzer erwarten inzwischen Bedienoberflächen, wie sie sie von mobilen Apps gewohnt sind.

Dank eines klar strukturierten Projektablaufs mit exaktem Timing und mit der Unterstützung durch T.CON konnte der Umstieg wie geplant durchgeführt werden. In einem ersten Schritt erfolgte die Trennung des SAP-Systems von Perlen Packaging und Perlen Papier, sodass die Unternehmen mit jeweils einer eigenen ERP-Lösung arbeiteten. 

Dann wurde parallel eine „Sandbox-Umgebung“ mit einer Kopie der alten, gemeinsam genutzten ERP-Anwendung aufgebaut. „Wir konnten die Konvertierung so bereits in einer frühen Phase auf Herz und Nieren testen und auch die Vorarbeiten unabhängig vom laufenden SAP-Betrieb durchführen“, hebt René Kuhn hervor. Das waren Vorabkontrollen der Systemeinstellungen, der Abgleich individueller Anpassungen gegen die sogenannte „Simplification List“ des Software-Herstellers sowie eine Custom-Code-Analyse, die bei ABAP-Eigenentwicklungen den Anpassungsbedarf aufzeigt. 

Nach erfolgreich absolvierten Funktions- und Integrationstests im Qualitätssicherungssystem gab René Kuhn grünes Licht für die Migration des Produktivsystems und die Inbetriebnahme. Die Anwender an den Standorten in der Schweiz, in Deutschland, in China und in den USA konnten im Anschluss direkt weiterarbeiten. Dank der Offline-Fähigkeit des MES-Systems gab es zudem weder in der Produktion noch in der Logistik einen Stillstand.

Bildquelle: Thinkstock/iStock, Perlen Packaging

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