Kommentar

Europa-Cloud: Der Wunsch nach Souveränität

Über Europa soll eine Wolkenfront aufziehen – das wünscht sich zumindest Peter Altmaier.

Cloud Wolke in der Hand

Die Daten-Cloud soll u.a. die Ressourcen europäischer Firmen jeder Größe bündeln und eine leistungs- und wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur schaffen.

Mitte November verkündete der Bundeswirtschaftsminister beim Digitalgipfel in Dortmund seine Pläne zum Projekt Gaia X. Dieses soll schon bald eine datenschutzgerechte Europa-Cloud als Gegengewicht zu den US-amerikanischen Giganten wie Amazon, Microsoft und Google schaffen, die derzeit drei Viertel des Cloud-Markts unter sich aufteilen. Der Startschuss für den Testbetrieb mit ersten Anbietern ist für Ende 2020 anvisiert.

Die Daten-Cloud soll u.a. die Ressourcen europäischer Firmen jeder Größe bündeln und eine leistungs- und wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur schaffen. Gerade vor dem Hintergrund, dass die US-Hyperscaler eine Machtposition im internationalen Datenverkehr innehaben und sie dem amerikanischen Cloud Act verpflichtet sind – US-Behörden es also erlaubt ist, auch auf im Ausland gespeicherte Daten zuzugreifen –, erscheint der Wunsch nach Souveränität trotz des sehr ambitionierten Zeitrahmens sinnvoll. Das bestätigt auch eine kürzlich vom Branchenverband Bitkom bei deutschen Industrieunternehmen durchgeführte Umfrage.

Doch wie sollen Industriekonzerne, Mittelständler und Start-ups gleichermaßen auf diesen Datenpool zugreifen, um ihre Projekte in Sachen Künstlicher Intelligenz (KI) und Industrie 4.0 befeuern zu können? Auch wenn deutsche Großunternehmen wie Bosch, SAP, Telekom, Deutsche Bank und Siemens sowie weitere europäische Partner aus Frankreich sich schon um die Töpfe der Fördergelder positioniert haben und alle Kräfte für die Entwicklung von Gaia X vereinen, ist man sich über die Regeln und Anforderungen des Projekts noch nicht im Klaren.

Das liegt vor allem daran, dass der vielstimmige Zusammenschluss von Wirtschaftsministerium, Wirtschaftsverbänden, beteiligten Mittelständlern und Konzernen ganz unterschiedliche Interessen hat. Für den Mittelstand geht es u.a. darum, Edge Computing, und damit die Verarbeitung von Produktionsdaten, voranzubringen. Für die Automobilindustrie bedeutet Gaia X eine Mobilitäts-plattform, die die Chance bietet, an viele Daten zu gelangen, die fürs Machine Learning und damit fürs autonome Fahren notwendig sind. Festlegen könnte die Regeln und Anforderungen von Gaia X nur eine zentrale europäische Organisation – eine Betreibergesellschaft. Deren Rechtsform muss aber erst bestimmt werden.

Bildquelle:Gettyimgaes

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