Kommentar von Shahram Rokni, Systrade GmbH

Facebook für IT-Mittelständler?

Der Hype und seine Propheten lenken von einer wesentlichen Frage ab: Was bringt einem Mittelständler im IT-Bereich die Präsenz bei Facebook?

Shahram Rokni, Inhaber des IT-Dienstleisters Systrade GmbH

Um einfach nur „dabei zu sein“ ist der Aufwand mit Sicherheit zu hoch. Man braucht eine Strategie für Social Media, ein Budget und Ressourcen, die den Facebook-Auftritt regelmäßig pflegen. Aber schauen wir doch einmal genau hin: Ein Beispiel ist ein Systemhaus in Deutschland mit B2B-Kunden. Von immerhin über 3.000 Fans „liken“ gerade einmal mehr als 50 Personen die Weihnachtsgrüße des Hauses. Bei anderen Informationen, beispielsweise Mitteilungen über Preise, die das Unternehmen gewonnen hat, liken 35 Fans und bei Produktneuheiten finden sich sogar nur fünf oder gar keine Likes. Das wirft die Frage auf, wie viele der Fans tatsächlich in Kunden konvertiert werden können. Und darum geht es doch letztlich. „Likes“ allein machen noch keinen Umsatz.

Zuerst einmal sollte man sich die Frage stellen, ob man über Facebook seine existenten oder potenziellen Kunden überhaupt auf einer geschäftlichen Ebene erreichen kann. Wann haben Sie z.B. das letzte Mal einen Dienstleister für sensible, hochkomplexe IT-Services über Facebook gesucht? Insbesondere für Unternehmen im B2B-Bereich ist es meist nicht sinnvoll, sich bei Facebook oder ähnlichen Social-Media-Plattformen zu engagieren. Für eine professionelle und seriöse B2B-Kundenansprache technisch orientierter Mittelständler bieten diese Plattformen keine geeignete Umgebung. Da macht es wesentlich mehr Sinn, die Ressourcen auf eine gute, häufig aktualisierte Website und einen regelmäßigen, gezielten Kundenkontakt z.B. über E-Newsletter zu konzentrieren.

Bedingt Einfluss auf Kritik

Unternehmen, die sich bei Facebook engagieren, sollten auch bedenken, dass sie nur bedingten Einfluss auf negative Kommentare nehmen können. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie stark ein einziger negativer Kommentar – ob nun berechtigt oder nicht – die Entscheidung für oder gegen ein Produkt oder einen Dienstleister beeinflussen kann.

Es wird auch immer wieder behauptet, dass Facebook Möglichkeiten biete, gute Mitarbeiter zu finden. Mittlere Unternehmen nutzen das soziale Netzwerk aber sehr zurückhaltend, um neue Mitarbeiter zu gewinnen, das zeigt eine Untersuchung der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Vermutlich liegen sie damit richtig, denn Analysten von Vanson Bourne haben in einer internationalen Studie von 2012 ermittelt: Die meisten Nutzer suchen in den sozialen Netzwerken den Kontakt zu Freunden und Familie, also sind nicht auf der Suche nach Jobs oder Informationen über Firmen. Bevor die Nutzer von Jobangeboten eines Unternehmens erfahren, müssen sie zudem erst einmal Fan des Unternehmens werden.

Auch für Unternehmen im B2C-Bereich bringt Facebook oft nicht die versprochenen Umsatzvorteile. Ganz im Gegenteil: Unternehmen, die in Sozialen Medien zu werblich auftreten, werden dafür abgestraft: 65 Prozent der Nutzer würden eine Marke dann nicht länger verwenden, sagt die Studie.

Nein, es muss nicht jeder bei Facebook sein. Als IT-Mittelständler sollte man sich nicht kritiklos vom Facebook-Hype anstecken lassen, sondern Chancen, Kosten und Risiken sehr genau abwägen.

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