Nachgefragt bei Christiane Aumeier, Verio

Facebook und Co. als Zeitfresser

Interview mit Christiane Aumeier, Senior Manager Marketing Europe bei Verio Europe GmbH in Neutraubling

Christiane Aumeier, Verio Europe

Christiane Aumeier, Senior Manager Marketing Europe bei Verio Europe GmbH

ITM: Woran kranken die Online-Shops mittelständischer Unternehmen derzeit am meisten?
Christiane Aumeier:
Der Mittelstand scheitert nicht selten an der Komplexität der Shop-Software sowie den sich ständig erweiternden Anforderungen. Wir bieten genau aus diesem Grund die gemeinsam mit dem Webshop-Anbieter Epages auf kleine und mittelständische Unternehmen zugeschnittenen Lösung „eStores“ an. Sie sind einfach einzurichten und komfortabel zu bedienen. Darüber hinaus bieten sie neue Märkte auf Knopfdruck, einen vielfältigen Online-Vertrieb, sie sind für Suchmaschinen sowie mobile und Social-Media-Aktivitäten optimiert, vor Angriffen und Datenverlust geschützt sowie juristisch abgesichert.

ITM: Wie können mittelständische Händler ihre verschiedenen Verkaufskanäle – z.B. Webshops, stationärer Handel, Kataloggeschäft, Social Commerce – IT-seitig mit möglichst wenig Aufwand effizient miteinander verbinden?
Aumeier:
Sie sollten einen dieser Kanäle als Basis verwenden, mit der alle anderen Kanäle verknüpft verwenden – aus unserer Sicht eignet sich der Online-Shop dafür am besten. Ein Katalog ohne gekoppelten Shop ist heute ohnehin nicht mehr vorstellbar, Social Commerce spielt sich ebenfalls vor allem online ab. Führen alle Produkte, auch diejenigen am physischen POS, dieselbe Bestellnummer, und wird jeder Verkauf im Shop-Backend gelistet, hat man eine gute Übersicht. Mit dem eStore können die Produkte direkt aus dem Backoffice heraus zum Ebay-Marktplatz hochgeladen werden. Für diverse andere Produktportale kann der Anwender auswählen, welche Produkte in welchen Zeitintervallen auf dem jeweiligen Portal veröffentlicht werden sollen.

ITM: Mit welchen Maßnahmen können die Ladezeiten der Shops kostengünstig und schnell verringert werden?
Aumeier:
Eine automatische Bildgrößenberechnung beugt langen Ladezeiten schon beim Hochladen der Bilder vor. Eine weitere Möglichkeit ist der Seiten-Cache: Werden einmal aufgerufene Seiten gecacht, bekommt ein zweiter Besucher derselben Seite die gecachte Seite angezeigt. Beide Maßnahmen kosten nichts und sind enorm hilfreich.

ITM: Worauf sollten die Anwenderunternehmen achten, damit sie ihre Shops nicht überfrachten – und den Endkunden damit überfordern? Welche Basisfunktionen sind notwendig? Auf welche Features kann man verzichten?
Aumeier:
Das hängt stark von den konkreten individuellen Rahmenbedingungen ab. Zu den Funktionen, die Shops ihren Besuchern auf jeden Fall bieten sollten, gehören aber sicher eine Such- und eine Warenkorbfunktion sowie verschiedene Zahlungsmöglichkeiten. Der Shop sollte den Besuchern Produktbilder in mehreren Kontexten bieten: eingebunden in Listen, als normales Bild, als Detailansicht und in Slideshows.

Verzichten sollte man darauf, einen Käufer im Nachgang ständig aufzufordern, das gekaufte Produkt zu bewerten. Das wird häufig als lästig empfunden. Auch beim Abfragen von Daten sollte man zurückhaltend sein. Für einen Einmalkauf benötigt der Kunde nicht zwingend ein Konto mit E-Mail-Adresse und Telefonnummer, für das er sich dann auch noch Benutzername und Passwort merken muss.

ITM: Inwieweit sollte ein Online-Shop bereits Social-Media-Funktionen integrieren? Wo liegen hier die Vorteile? Wo lauern die Gefahren?
Aumeier:
Um auch im Social Web aktiv werden zu können und hier zusätzlichen Umsatz zu generieren, sollte der Shop Social-Commerce-Funktionen wie „Gefällt-mir“-Buttons oder einen Facebook-Shop bieten. Aber man muss sich natürlich im Klaren darüber sein, dass ein „Gefällt nicht“ zum Bumerang werden kann. Auch sollte man sich bewusst machen, dass Facebook und Co. schnell zum Zeitfresser mutieren können.

ITM: Online-Shops zählen zu den beliebtesten Angriffszielen von Cyberkriminellen – wie können Shop-Betreiber ihre Portale selbst sowie die Kunden am besten davor schützen?
Aumeier:
Indem sie zuallererst auf höchste Sicherheit im Rechenzentrum achten. Guten Schutz bieten auch E-Commerce-Lösungen, die in isolierte, passwortgeschützte und nur für bestimmte Nutzer zugängliche Module unterteilt sind – beispielsweise für technische, Business- und Händleradministration sowie der Storefront. Aber auch auf die klassischen Maßnahmen wie Firewall und verschlüsselte Kommunikation sollte man natürlich nicht verzichten.

ITM: Welche Gütesiegel bzw. Zertifizierungen für Online-Shops sind derzeit in Deutschland am meisten verbreitet? Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen der einzelnen Gütesiegel bzw. Zertifizierungen?
Aumeier:
Bekannte und weit verbreitete Gütesiegel sind Trusted Shops, das TÜV-Siegel Safer Shopping, Internet Privacy Standards sowie das Siegel EHI Geprüfter Online-Shop. Sie werden auch von unabhängigen Stellen wie der Initiative D21 empfohlen.

ITM: Was muss man als Betreiber in der Regel alles tun (z.B. monetär), damit man für seinen Shop ein Gütesiegel bzw. eine Zertifizierung verliehen bekommt?
Aumeier:
Bei Trusted Shops beispielsweise müssen sich die Betreiber anmelden und ihren Shop einer Prüfung nach mehr als 100 Qualitätskriterien unterziehen lassen. Sind Anpassungen nötig, muss der Betreiber diese umsetzten, anschließend werden sie nochmals von den Experten überprüft. Ein eStore ist für die Vorzertifizierung durch Trusted Shops optimal vorbereitet. Bei erfolgreicher Zertifizierung kann auch das Trusted-Shops-Logo angezeigt werden.

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