Weiterbildung der Mitarbeiter notwendig

Faktor Mensch in Industrie 4.0

Die mit der Digitalisierung einhergehende Vernetzung von Herstellern, Lieferanten bzw. Kunden, die Dezentralisierung von Prozessen und Entscheidungsstrukturen im Unternehmen haben Auswirkungen auf die Qualifikation und Organisation von Arbeit.

Der Faktor Mensch spielt auch weiterhin eine wichtige Rolle in der Produktion, die Digitaliserung macht spezielle Weiterbildungsmaßnahmen notwendig.

Der Faktor Mensch wird mit zur entscheidenden Größe bei der erfolgreichen Umsetzung von Industrie 4.0. Dies unterstreicht u.a. der Umsetzungsbericht Industrie 4.0 der Industrieplattform oder auch die Studie des BMWi „Erschließen der Potentiale der Anwendung von 'Industrie 4.0' im Mittelstand“.

Und das betrifft mehrere Dimensionen, die weit über ausschließlich fachliche Qualifikationen hinausgehen.

  • Durch Industrie 4.0 entstehen größere Angriffsflächen, die zu einem gesteigerten Schadenspotential führen können. Die Komplexität der Systeme und Prozesse erfordert ein erhebliches fachübergreifendes Know-how, um Fehler in der Produktion zu finden und zu beseitigen. Die Ausbildung in den klassischen Produktionsberufen müssen um Industrie 4.0-Kenntnisse aus dem IT-Sicherheitsbereich und der M2M-Kommunikation ergänzt werden.
  • Durch die Flexibilisierung und Dezentralisierung der Produktionsprozesse entstehen neue Verantwortlichkeiten der Mitarbeiter. Gefragt sind insbesondere auch Soft-Skills der Mitarbeiter wie Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, aber auch ggf. ein Wandel der Unternehmenskultur.
  • Mit der IT- und Produktionswelt treffen Welten aufeinander, die nicht die gleiche Sprache sprechen. Klassisches Beispiel dafür ist das Thema Sicherheit. Der im Produktionsbereich übliche Begriff der Safety kollidiert mit dem im IT-Bereich gängigen Begriff der IT-Security und bezeichnet einen vollkommen anderen Sachverhalt. Ein gemeinsames Verständnis ist von zentraler Bedeutung für Akzeptanz und Agieren auf Augenhöhe.
  • Durch die Einführung von Industrie 4.0 kann es in Unternehmen zu teilweise gravierenden Veränderungen in der Arbeits- und Unternehmensorganisation kommen. Als Folge können gewohnte Routinen und Privilegien wegfallen, was wiederum zu erheblicher Verunsicherung der Mitarbeiter führen kann. Die Konsequenzen können menschliches Fehlverhalten oder im Extremfall Sabotage sein. Wichtig sind hier Instrumente der Personalentwicklung und des Changemanagements, um Anpassungsschwierigkeiten abfedern zu können.
  • Durch den Aufbau neuer Organisationsstrukturen und  Verantwortlichkeiten steigt auch das Risiko von Social Engineering. Schulungs- und Informationsmaßnahmen können hilfreich sein.
  • Durch die Vernetzung und zunehmende Dezentralisierung steigen generell die Anforderungen an die Qualität der Arbeitsplätze. Die Bündelung von Know-how und Verantwortung stellt besondere Anforderungen an die Personalauswahl hinsichtlich Zuverlässigkeit und Unternehmensbindung. Auch hier sind Unternehmensführung und Personalentwicklung gefragt.

In der Berufsausbildung wird es erforderlich sein, die klassischen Berufsbilder in der Produktion um typisches Industrie 4.-Know-how zu erweitert, dazu zählen in der Regel IT oder auch IT-Sicherheitskenntnisse. Bei der Ausbildung von Experten, die Industrie 4.0-Anlagen planen und errichten, besteht ebenfalls erheblicher Anpassungsbedarf. Ingenieure müssen neben fachlichem Know-how auch verstärkt IT-, und IT-Sicherheitskenntnisse sowie Soft Skills wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit erwerben. Der Bundesverband IT-Sicherheit, TeleTrusT, fordert dann auch eine Neugestaltung der Ingenieursausbildung angesichts der Anforderungen von Industrie 4.0.

Insbesondere um den kurzfristigen Qualifizierungsbedarf zu decken sind Weiterbildungsmaßnahmen erforderlich, die sowohl Maßnahmen im Bereich der technischen Qualifizierung, der Vermittlung von Soft Skills, der Personal- und Organisationsentwicklung sowie Unternehmensführung einschließen.

Wie die neuen Qualifikationen im Detail aussehen werden, ist noch ungewiss und zurzeit Gegenstand eingehender Untersuchungen. So hat der VDMA eigens eine Studie beauftragt, um detailliert den künftigen Qualifizierungsbedarf zu erheben; die Ergebnisse werden voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen.

Einen Erfahrungsaustausch mit Unternehmen der deutschen Großindustrie hat der Schulungs- und Trainingsanbieter qSkills gemeinsam mit dem Industrial IT-Spezialisten Koramis GmbH durchgeführt. „Deutlich wurde, dass ein großer Qualifizierungsbedarf vorhanden ist und dass insbesondere die Großunternehmen derzeit die entscheidenden Impulse setzen. Beim Mittelstand ist das Thema in Verbindung mit Industrie 4.0 noch nicht angekommen, “ so Christian Jacobs, bei qSkills verantwortlich für Business Development. „Einheitliche und standardisierte Schulungen werden dadurch erschwert, dass Mitarbeiter ein sehr unterschiedliches Ausgangsniveau und sehr heterogene Vorkenntnisse haben. Es geht darum, Mitarbeiter unterschiedlichster Berufsgruppen und auch Quereinsteiger zu integrieren. Darüber hinaus gibt es sehr vielfältige Zielgruppen, wie etwa Management, Experten oder Produktionsmitarbeiter. Erforderlich ist ein modularer Schulungsansatz von der Online- bis hin zur Präsenzschulung, der sich am individuellen Bedarf der einzelnen Unternehmen orientiert.“



Bildquelle: Thinkstock/ Photodisc

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