Diese Maßnahmen machen Mittelständler attraktiv

Familie und Beruf vereinen

Im Interview erklärt Alexa Ahmad, Geschäftsführerin der Pme Familienservice GmbH, mit welchen Maßnahmen Mittelständler für Fachkräfte attraktiver werden.

  • „Wichtig ist, dass die Unternehmen analysieren und herausstellen, was ihre eigenen Vorzüge sind“, so Alexa Ahmad von Pme Familienservice.

ITM: Frau Ahmad, inwieweit beschäftigen sich Mittelständler mit den Sorgen ihrer Mitarbeiter bzgl. Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben?
Alexa Ahmad:
Mittelständischen Unternehmen ist bewusst, dass sie bei der Höhe des Gehalts und der Benefits oftmals nicht mit den großen Unternehmen mithalten können. Bieten kleine und mittelständische Unternehmen keine gesunde Work-Life-Balance, Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten an, wird es für sie umso schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Vor allem junge Akademiker fragen heute bereits beim Einstieg in den Beruf nach Angeboten zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder fordern sie sogar ein. Deshalb beschäftigen sich Mittelständler zunehmend mit den Themen „Familienfreundlichkeit“ und „Work-Life-Balance“.

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ITM: Wie können Mittelständler mit den attraktiven Arbeitspaketen der Großkonzerne mithalten, um hochqualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren?
Ahmad:
Es ist nicht immer wichtig, dass kleine Firmen wie die ganz großen Unternehmen Unterstützungsangebote (EAP) für ihre Beschäftigten anbieten. Natürlich sind Mittelständler bei zugekauften Leistungen meist schwächer aufgestellt als die großen Unternehmen – beispielsweise bei der Kinderbetreuung oder Beratungen zur Pflege von Angehörigen. Oft wissen sie aber auch nicht, dass es inzwischen EAP-Angebote gibt, die genau auf die Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten kleiner und mittelständischer Arbeitgeber zugeschnitten sind. Wichtig ist, dass die Unternehmen analysieren und herausstellen, was ihre eigenen Vorzüge sind – wie Standort, Unternehmenskultur, flache Hierarchie, eine sinnstiftende Arbeit oder ausdifferenzierte Arbeitszeitmodelle, die sie bislang noch nicht als eine Besonderheit oder Maßnahme zur besseren Work-Life-Balance angesehen haben. Gerade was flexible Arbeitszeit- und Vereinbarkeitsmodelle angeht, sind mittelständische Unternehmen sehr früh wach geworden und haben die Arbeitszeiten an die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter angepasst – sei es durch Home-Office-Möglichkeiten oder flexible Arbeitszeiten ohne Stechuhr. Ich kenne viele Start-ups, bei denen es üblich ist, dass die Kinder der Mitarbeiter nach der Schule ins Büro kommen und dort ein, zwei Stunden ihre Hausaufgaben machen. Das ist eine Leistung, die den Arbeitgeber kein Geld kostet, für die Eltern aber eine große Entlastung sein kann.

ITM: Inwiefern kann neben Serviceleistungen auch IT-Software dabei unterstützen, als guter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden?
Ahmad:
Mobile Endgeräte, Cloud-Services, Webinar-Dienste und Chats ermöglichen mehr Eigenständigkeit und Gestaltungsfreiheit bei der Arbeit – und damit auch mehr Lebensqualität. Mitarbeiter können sich dank entsprechender Technologien heute flexibler und besser ihre Arbeitszeit einteilen, von zuhause aus arbeiten und sich dadurch beispielsweise lange Wege ins Büro und die Kita sparen. Allerdings erfordert das von Unternehmen und Führungskräften intelligente Formen der Arbeitsorganisation und ein vermehrtes Augenmerk auf eine IT-Infrastruktur, die einen leichten, aber auch sicheren Zugang auf Unternehmenssysteme unabhängig von Zeit und Ort ermöglichen. Das ist in vielen Unternehmen noch nicht so selbstverständlich, wie man vielleicht vermuten mag.
Darüber hinaus verbessert IT-Software auch die Zusammenarbeit innerhalb von Teams. Nicht alle Teammitglieder sitzen permanent an einem Ort in einem Büro. Mithilfe von Groupware-Funktionen können Gruppen an verschiedenen Orten Termine planen, Ressourcen einteilen und Dokumente gemeinsam bearbeiten.

ITM: Worauf sollten Mittelständler bei der Auswahl von Personal-Management-Lösungen achten?
Ahmad:
Als Erstes sollten sie sich fragen: Wie möchten wir unseren Bewerbungsprozess gestalten? Welche Angaben eines Bewerbers brauche ich? Soll die Software soziale Plattformen nach Kandidaten durchforsten? Erst wenn ein Anforderungsprofil erstellt ist, sollte man sich auf die Suche nach der Software machen, die die gewünschten Kriterien erfüllt. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Viele Personallösungen verlangen immer noch standardmäßig ein Foto von Bewerbern. Möchte man aus Diversity-Aspekten darauf verzichten, wird es schwer, eine geeignete Software zu finden.

Bildquelle: Thinkstock / Photodisc

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