Onlinebuchhaltung: Interview mit Andreas Hermanutz, Addison

Fibu-Software aus der Cloud

Im Interview berichtet Andreas Hermanutz, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Wolters Kluwer Software und Service GmbH, Hersteller der Produktlinie Addison für das kaufmännische Rechnungswesen, das andere Länder im Bereich Onlinebuchhaltung schon viel weiter sind als Deutschland.

Andreas Hermanutz, Addison

„Die Verbreitung von Onlinebuchhaltungssoftware entwickelt sich vom unteren Marktsegment her“, weiß Andreas Hermanutz, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Wolters Kluwer Software und Service GmbH.

ITM: Herr Hermanutz, welche Bedeutung schreiben Sie generell dem Thema „Finanzbuchhaltung in der Cloud“ zu?
Andreas Hermanutz:
Aus unserer Sicht ist Onlinebuchhaltung ein eminent wichtiger und schnell wachsender Markt. Als Teil des weltweit tätigen Informationsdienstleisters Wolters Kluwer sind wir uns bewusst, dass andere Länder hier schon viel weiter sind. Ich denke dabei weniger an die USA, sondern an unseren direkten Nachbarn im Nordwesten, Holland, wo unsere Konzernmutter zu Hause ist. Vor sieben Jahren wurde dort die Onlinebuchhaltung „Twinfield“ auf den Markt gebracht und stellt heute eine der führenden Software-as-a-Service-Lösungen in Europa dar. Wir sind dabei, dieses System auch im deutschen Markt zu platzieren. Ein wichtiges Element ist dabei die Onlinezusammenarbeit mit dem Steuerberater.

ITM: Inwiefern ist das Thema für den Mittelstand interessant und wird von diesem auch nachgefragt?
Hermanutz:
Die Verbreitung von Onlinebuchhaltungssoftware entwickelt sich vom unteren Marktsegment her; daher sehe ich die Addison-Kernklientel, den klassischen Mittelstand ab 50 Mitarbeitern aufwärts, aktuell noch weniger davon betroffen. Wir werden mit unserem Online-Angebot den Markt der Kleinstunternehmen (<10 Mitarbeiter) und Kleinunternehmen (<50 Mitarbeiter) sowie der Selbstständigen und Freiberufler fokussieren.

ITM: Welche konkreten Vorteile und Möglichkeiten bietet eine Fibu-Cloud-Lösung im Vergleich zu einer klassischen Buchhaltungssoftware/Inhouse-Lösung?
Hermanutz:
Es gibt eine Reihe von Vorteilen, die insbesondere Kleinunternehmen ansprechen: keine Anfangsinvestition, transparente Kosten, kein Administrationsaufwand sowie automatische Updates. Für Unternehmen, deren kaufmännische Prozesse keine individuelle Anpassung und keine speziellen Schnittstellen zu Vorsystemen erfordern, bieten sich Systeme aus der Cloud an. Diese Unternehmen haben neben der Buchhaltung auch insbesondere Bedarf an Lösungen für Fakturierung, Zahlungsverkehr und Forderungsmanagement, die wiederum Buchungen für die Finanzbuchhaltung erzeugen. Daher wird unser Online-Angebot über die Buchhaltung hinausgehen und integrierte Funktionen für diese Bereiche mit umfassen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater auf einer solchen Onlineplattform kann dieser dann beratend eingreifen oder je nach Absprache mit dem Mandanten unterstützend oder prüfend tätig werden.

ITM: Welche Aspekte werden vom Mittelstand eher kritisch hinterfragt bzw. halten die Anwender noch davon ab, auf Fibu aus der Wolke zu vertrauen?
Hermanutz:
Häufig sind es komplexe Anforderungen an die Integration in Vorsysteme wie Enterprise-Resource-Planning-Lösungen (ERP) sowie unternehmensspezifische Prozesse, die durch die Konfigurationsmöglichkeiten der Onlinesoftware nicht abgedeckt werden können. Natürlich werden auch immer wieder Sicherheitsbedenken geäußert, die aber aus unserer Sicht mit entsprechender Technologie nachhaltig entkräftet werden können.

ITM: Welche grundsätzlichen und insbesondere technischen Voraussetzungen muss ein Unternehmen mitbringen, um eine Onlinebuchhaltungssoftware nutzen zu können?
Hermanutz:
Einen wesentlichen Vorteil der Onlinelösungen sehe ich darin, dass die Anwenderunternehmen außer leistungsfähigen, stabilen Internetverbindungen keine technischen Voraussetzungen erfüllen und daher auch nicht in Hardware investieren müssen.

ITM: Nach welchen Kriterien sollten Unternehmen entsprechende Anbieter und Lösungen auswählen?
Hermanutz:

1.    Gesetzliche Vorgaben: Erfüllt der Anbieter die Anforderungen der deutschen Finanzverwaltung an die Finanzbuchhaltung – auch im Hinblick auf Datenzugriffsmöglichkeiten?
2.    Datenschutz und Datensicherheit: Werden die neuesten Sicherheitsstandards gewährleistet und die Anforderungen an den Datenschutz in Deutschland erfüllt?
3.    Investitionssicherheit: Handelt es sich beim Anbieter um ein Unternehmen von einer Größe z.B. hinsichtlich des Entwicklungsteams, das imstande ist, eine dauerhafte Rolle im deutschen Markt zu spielen? Sind aussagefähige Referenzen in Deutschland vorhanden (Prüfung der Umsatz- und Kundenzahlen)?
4.    Funktionsumfang der Software: Kann die Software auch komplexere Strukturen (z.B. verschiedene Unternehmensbereiche) abbilden? Sind Auswertungssysteme vorhanden?
5.    Gibt es ein leistungsfähiges Support-System und Team (Telefonhotline, Online-Support, Handbuch, Onlinevideos)?
6.    Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem steuerlichen Berater?

ITM: Mit welchem Aufwand (zeitlich, finanziell, personell) ist die Einführung einer Fibu-Cloud-Lösung verbunden?
Hermanutz:
Der Aufwand  hängt natürlich von der im Anwenderunternehmen vorhandenen Kompetenz ab. Bei vorhandenem, buchhalterischem Grundwissen sollte sich eine Onlinebuchhaltung binnen weniger Stunden einführen lassen.

ITM: Welche Vertrags- und Bezahlmodelle sind hier üblich?
Hermanutz:
Es gibt benutzerbezogene (Anzahl User), nutzungsbezogene (Anzahl Buchungssätze, -zeilen, Dokumente) und anwendungsbezogene (Finanzbuchhaltung, Lohnabrechnung etc.) Berechnungen, wobei der Abrechnungszeitraum ein Monat ist. Ein typisches Preismodell könnte so aussehen, dass fünf bis 15 Euro monatlich für eine Einzellizenz für ein einzelnes Modul wie Finanzbuchhaltung (eventuell mit einer Begrenzung bzgl. der Buchungszeilen pro Jahr) gezahlt werden.

ITM: Wie gestaltet sich ein möglicher Anbieterwechsel – insbesondere auch im Hinblick auf die Überführung der Buchungshaltungsdaten in die neue Cloud-Lösung? Was sind hier häufige Probleme?
Hermanutz:
Aufgrund gesetzlicher Regularien liegen Finanzbuchhaltungsdaten, von welchem System auch immer sie stammen, in bestimmten Formaten vor und sind von daher gut transferierbar. Sicherlich sind die bei der Übernahme verwendbaren Automatismen der Hersteller unterschiedlich ausgeprägt und bedürfen daher mehr oder weniger manueller Korrekturen. Aber durch unsere jahrzehntelange Erfahrung stellen solche Datenübernahmen keine hohen Herausforderungen für uns dar.

ITM: Welche Zukunftschancen sehen Sie für „Fibu aus der Cloud“ und welche Rolle wird die Integration von Komponenten wie „Controlling“, „Anlagenbuchhaltung“ etc. spielen?
Hermanutz:
Wir sehen vor allem im Marktsegment der Kleinstunternehmen und Kleinunternehmen sowie der Selbstständigen und Freiberufler große Chancen, da es für diese Unternehmen auf eine schnell und einfach zu installierende Lösung ankommt. Der Fokus liegt dabei nicht darauf, dem Kunden eine Finanzbuchhaltung anzubieten, sondern vielmehr, ihn bei seinem täglichen Geschäft mit komfortablen Lösungen, die ihm das Leben erleichtern, zu unterstützen. Die Finanzbuchhaltung ist im Endeffekt das Ergebnis aus anderen Anwendungen, für die der Unternehmer eine einfach anzuwendende Lösung braucht. Zusatzmodule müssen ohne großen Aufwand hinzugeschaltet werden können. Inwieweit diese Lösungen dann in das Marktsegment des klassischen Mittelstands hineinwachsen, wird sich zeigen. Zunächst sehe ich den Fokus bei den Mikro- und Kleinunternehmen. Vor allem Start-ups werden vermehrt auf Onlinelösungen setzen.

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