Hyperkonvergenz

Flexible Server werden schlüsselfertig

Galten hyperkonvergente Infrastrukturen vor wenigen Jahren noch als die Rolle rückwärts von NAS und SAN zu Universal-Servern, so sind sie mittlerweile für viele Anwendungen die effizienteste Lösung. Dabei steigt die Komplexität durch einen zusätzlichen Software-Layer nicht – vielmehr sinkt sie sogar.

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  • Erik Sterck, Experte für hyperkonvergente Infrastrukturen

    Erik Sterck, Experte für hyperkonvergente Infrastrukturen, erklärt: „Bei Hyperkonvergenz geht es um ein software-basiertes Netzwerk, bei dem alle Hardware-Ressourcen gemeinsam mit der Partitionierung durch einen Hypervisor verwaltet werden.“

Auch wenn es zunächst nach Marketing klingt: Hinter einer hyperkonvergenten Infrastruktur (Hyperconverged Infrastructure, HCI) steckt mehr, als die oft kolportierte Abschaffung von ausgelagerten Speichereinheiten. Als Einstieg in die Thematik nur so viel: Es geht um ein software-basiertes Netzwerk, bei dem alle Hardware-Ressourcen gemeinsam mit der Partitionierung durch einen Hypervisor verwaltet werden. Das bringt, wie in den Anfangszeiten moderner Rechenzentren, vor allem die Massenspeicher wieder direkt in den Server. Ein NAS oder SAN wird für die grundlegenden Funktionen nicht mehr benötigt, egal ob RAM oder Festplattenplatz knapp werden – die Neupartitionierung oder der Umzug von virtuellen Maschinen (VMs) wird durch die direkt angebundene Hardware deutlich schneller und flexibler. Ein Nebeneffekt: Das Netz wird weniger belastet, sodass die Nutzer weniger von den Arbeiten der Admins mitbekommen.

Zertifizierte Datenbanken

Bei der Arbeit mit den Kunden hören die Verfechter von hyperkonvergenten Infrastrukturen zwar zunächst häufig, dass diese zentrale Verwaltung durch Tools wie die von Nutanix die Komplexität erhöhen würden. Das mag durch eine zusätzliche Schicht an Software so erscheinen, doch anders als bei früheren Versprechungen kann Nutanix tatsächlich nahezu alle anderen, oft herstellerspezifischen, Management-Tools ersetzen. Ein HCI-Layer kümmert sich zudem vorrangig um die Hardware, Virtuelle Maschinen und Benutzer lassen sich mit allen bekannten Werkzeugen wie Citrix konfigurieren. „Und auch die Datenbanken selbst sind längst zertifiziert, schon seit über zwei Jahren arbeitet Nutanix offiziell mit Oracle und SAP zusammen“, ergänzt Erik Sterck, Experte für HCI-Installationen und Geschäftsführer der Erik Sterck GmbH in Leonberg.

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Dennoch bleibt die Aufteilung der Ressourcen und das Erstellen der zentralen Verwaltung bei HCI ein zusätzlicher Schritt, der sich nicht wegdiskutieren lässt. Da jedoch immer mehr Unternehmen auf HCI setzen, haben sich auch die großen Anbieter wie Lenovo dieser Herausforderung angenommen. Ein Ziel ist dabei, den Kunden schlüsselfertige Lösungen anzubieten. Konkret bedeutet das, dass alle Software-Schnittstellen zu gebräuchlichen Komponenten vorinstalliert sind, und sich Nutanix so auch auf neuer Hardware in wenigen Stunden einsatzfertig machen lässt. Dies bedeutet dabei nicht nur, dass sich die Management-Tools anklicken lassen: Backends, Anwendungen, Benutzer – das gesamte Netzwerk kann nach diesem Prozess genutzt werden.

Hier fürchten die Nutzer einen „Vendor lock-in“, schlimmstenfalls gekoppelt mit langfristigen Beraterverträgen, ohne die man die eigenen Systeme nicht mehr zum Laufen bekommt. Das wäre jedoch das genaue Gegenteil von HCI. Ziel der vorkonfigurierten Systeme und der Installationshilfe ist vielmehr, dass die Kunden ihre gewohnten Tools weiterhin verwenden können. „Nutanix muss man im Idealfall gar nicht anfassen. Sollte dies doch nötig sein, ist die Oberfläche selbsterklärend, so dass die Einarbeitung leicht fällt“, so Sterck. „Ein wenig lässt sich dies mit der NAS-Entwicklung vergleichen: Waren hier vor 15 Jahren noch umfangreiche Linux-Kenntnisse nötig, so klappen alle Operationen heute über eine Benutzeroberfläche, die jeder versteht, der schon einmal mit einem GUI gearbeitet hat. Bei HCI, und insbesondere Nutanix, verlief dieser Entwicklungsprozess nun viel schneller, auch weil viele Kunden große Installationen mit dem neuen Ansatz realisieren wollten.“

Weil man die Infrastruktur nicht auf HCI umstellen muss, sondern ein Setup im Produktivbetrieb parallel zur bestehenden Technik betreiben kann, sind die Einstiegskosten vergleichsweise gering. Drei Nodes braucht es dennoch, mit einer sinnvollen Ausstattung an Speicher und Installationskosten kommt das Gesamtsystem auf rund 60.000 Euro netto. Wie schnell solche Installationen einsatzbereit sind, fasst Erik Sterck häufig mit einem Satz zusammen, den seine Kunden zunächst oftmals für einen Scherz halten: „Mittags läuft das.“ Das heißt, dass die Setup-Zeit für das System mit einem Consultant bis zur Verfügbarkeit der Anwendungen für die Nutzer rund vier Stunden beträgt.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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