Interview mit Dr. Veit Wadewitz, Geschäftsführender Gesellschafter bei UBK

„Gemeinsame Datenmodelle wünschenswert!“

Gemeinsame Datenmodelle würden die Integration im ERP-Bereich signifikant verbessern und vereinfachen, betont Dr. Veit Wadewitz, Geschäftsführender Gesellschafter der UBK GmbH, im Interview mit IT-MITTELSTAND.

Dr. Veit Wadewitz, Geschäftsführender Gesellschafter der UBK GmbH

ITM: ERP-Systeme sind schon lange Standard im Mittelstand. Wo sehen Sie die Gründe dafür, dass das Zusammenspiel verschiedener ERP-Systeme, zum Beispiel denen von Kunden und Lieferanten oder denen von Konzern-Töchtern und Konzernzentrale, auch heute immer noch schwierig und komplex ist?

Dr. Veit Wadewitz: Unterschiedliche ERP-Systeme basieren auf unterschiedlichen Sollprozessen und damit auf völlig verschiedenen Datenmodellen. Die Verknüpfung dieser Modelle über eine offene Schnittstelle ist aufgrund der auf der Empfängerseite wegen der Datenintegrität notwendigen Validierungen außerordentlich komplex.

ITM: Genauso schwierig gestaltet sich oft die ERP-Anbindung von Fremdsystemen (CRM, WMS, PIM, Online-Shop). Hat das die gleichen Ursachen – oder kommen weitere Aspekte hinzu?

Dr. Wadewitz: Neben dem oben genannten Punkt kann auch eine teilweise inkompatible Datenstruktur in Stammdaten und/oder Bewegungsdaten die Anbindung von Fremdsystemen (CRM, WMS, PIM, Online-Shop) erschweren oder unmöglich machen.

ITM: Inwiefern würden gemeinsame Datenmodelle, wie sie z-B. Adobe, Microsoft und SAP mit ihrer im September 2018 lancierten Open-Data-Initiative anstreben, das Zusammenspiel der ERP-Systeme untereinander und mit Fremdsystemen verbessern?

Dr. Wadewitz: Gäbe es gemeinsame herstellerübergreifende Datenmodelle in bestimmten Teilbereichen, so könnte die Anbindung von Modulen unterschiedlicher Anbieter in diesen Teilbereichen signifikant verbessert und vereinfacht werden.

ITM: Ein Problem bei der Integration heißt heute „Schnittstelle“: Was empfehlen Sie IT-Leitern, wie sie die berüchtigte Schnittstellen-Problematik vermeiden oder zumindest beherrschen können?

Dr. Wadewitz: Zu empfehlen ist gegenwärtig entweder die Verwendung eines integrierten ERP-Systems, das alle oder die meisten benötigten Funktionen „inline“ mitbringt. Darüber hinaus soll möglichst nur mit den externen Modulen gearbeitet werden, die vom ERP-Anbieter empfohlen und im Standard angebunden werden.

Möchte man diesen Weg nicht gehen, so existieren unabhängige Lösungen für programmierbare Datendrehscheiben. Diese Anbieter bieten nicht nur Konnektoren zu sehr vielen gängigen Softwarelösungen, sondern auch die Möglichkeit, die Datenübertragung mit Workflow-Regeln und Validierungen gezielt zu steuern. Ziel sollte es sein, nicht an individuellen Schnittstellen zu programmieren, sondern auch hier möglichst auf ein Standardprodukt zurückzugreifen.

ITM: Eine bewährte Schnittstelle zwischen ERP-Systemen, vor allen Dingen über Firmengrenzen hinweg, bilden schon lange EDI-Systeme. Was fehlt bewährten Standards wie Edifact noch?

Dr. Wadewitz: Edifact und seine Abwandlungen bieten zwar die Möglichkeit Daten strukturiert in Protokollen auszutauschen, dieses Modell ist aber in sehr starre Formen gepresst und daher wenig flexibel und wandlungsfähig. Darüber hinaus handelt es sich um einen asynchronen Datenaustausch, d.h. es kann eine unbestimmte Zeitspanne dauern, bis die Informationen vom Sender zum Empfänger gelangen.

ITM: Herr Dr. Wadewitz, vielen Dank für das Interview!

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