Weniger ist manchmal mehr

Glasfaserausbau braucht Zeit

„Wir sollten nicht den Fehler machen, jetzt mit noch mehr Fördermitteln auf einen sehr schnellen, flächendeckenden Ausbau zu setzen“, warnt Ludwig Kohnen, Geschäftsführer von EWE Tel / EWE Vertrieb, im Interview. Denn: Der Glasfaserausbau benötige Zeit!

Ludwig Kohnen, Geschäftsführer von EWE Tel / EWE Vertrieb

Laut Ludwig Kohnen, Geschäftsführer von EWE Tel / EWE Vertrieb, ist der Glasfaserausbau „eine Gemeinschaftsaufgabe für mehrere Jahre“.

ITM: Herr Kohnen, im internationalen Vergleich soll Deutschland in Sachen Breitbandausbau und schnelles Internet bekanntlich weit zurückliegen. Wie schätzen Sie selbst die Lage ein?
Ludwig Kohnen:
Wir haben schon viel erreicht, stehen aber noch am Anfang des Weges. In Deutschland wurde zu lange auf die Kupferinfrastruktur gesetzt, nun wurde der richtige Weg eingeschlagen.

ITM: In welchen konkreten Regionen hierzulande müssen die Unternehmen bislang mit digitalen Kriechspuren auskommen?
Kohnen:
Das ist individuell. Grundsätzlich haben Unternehmen aber die Möglichkeit, einen Glasfaseranschluss zu erhalten – sofern sie sich das leisten wollen. Wir bieten beispielsweise allen Firmen einen Glasfaseranschluss an.

ITM: Wer oder was sind die Bremsfaktoren beim Breitbandausbau in Deutschland?
Kohnen:
In Deutschland wurde wie gesagt zu lange auf die Kupferinfrastruktur gesetzt, doch nun wurde der richtige Weg eingeschlagen.

ITM: Warum sind allerdings auch Deutschlands Mittelständler auf eine schnelle Internetleitung angewiesen?
Kohnen:
Schnelle Internetverbindungen sind von hoher Bedeutung. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten und die Glasfaserinfrastruktur bildet die Grundlage der Digitalisierung. Diese ist aber nicht kostenlos zu bekommen, das sollte allen Beteiligten bewusst sein.

ITM: Welche Vorteile und Möglichkeiten ergeben sich für Unternehmen, wenn die Glasfaserkabel bis zur Anschlussbuchse im Büro reichen (Stichwort FTTH)?
Kohnen:
Die Unternehmen müssen sich über ihre Internetanbindung keine Gedanken mehr machen. Egal, wie hoch der Bedarf in Zukunft sein wird – wer einen Glasfaserhausanschluss hat, ist dafür gerüstet.

ITM: Unter welchen Voraussetzungen/inwieweit sind die Unternehmen gewillt, mit Eigenbeteiligungen den Ausbau zu beschleunigen?
Kohnen:
Wir sind gerne bereit, mit den Unternehmen individuelle Möglichkeiten zu finden, den Ausbau gemeinsam zu gestalten. Einige Unternehmen nehmen dieses auch in Anspruch, um die Investitionskosten zu reduzieren.

ITM: Welche Stolpersteine könnte es bei der Glasfaserverlegung jederzeit geben?
Kohnen:
Der Weg Richtung Gigabitgesellschaft ist nicht aufzuhalten und Glasfaser ist dafür das Medium.

ITM: Welchen Einfluss haben bis dato etwa die 2014 ins Leben gerufene „Netzallianz Digitales Deutschland“, das 2016 festgelegte „DigiNetz-Gesetz“ oder auch der kürzliche „Relaunch des Breitbandförderprogramms“ auf den Ausbau digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze tatsächlich ausgeübt?
Kohnen:
Es waren erste wichtige Schritte. Die Einsicht, dass nur Glasfaser uns nach vorne bringt, kam leider erst kürzlich. Auch greifen nicht alle Instrumente, wie ursprünglich geplant. So erzielt das DigiNetz-Gesetz – das ja den Glasfaserausbau beschleunigen und vergünstigen sollte – oft negative Effekte für den Breitbandausbau. Das Problem in der Praxis: Das Gesetz wird derzeit vielfach für einen Überbau missbraucht, da zusätzliche Glasfaserleitungen kostengünstig mitverlegt werden können. Dadurch werden die Glasfaserausbauprojekte der Erstausbauenden gefährdet und vielfach sogar unrentabel, was dazu führt, dass das risikobereite und investierende Unternehmen bestraft wird.

ITM: Ein jüngst zusammengestelltes zehnköpfiges Gremium soll nun „wirklich“ Tempo machen bei der Digitalisierung. Wie schätzen Sie das zukünftige Wirken des Digitalrats der Bundesregierung ein?
Kohnen:
Es ist zu früh, darüber zu urteilen. Sie verfolgen aber ein gemeinsames Ziel, damit ist schon ein sehr gutes Fundament gelegt.

ITM: Zudem hat die Bundesregierung erst im August einem milliardenschweren Fond für den Breitbandausbau zugestimmt. Dieser soll u.a. durch die Versteigerung der 5G-Frequenzen finanziert werden. Wird diese Rechnung aufgehen?
Kohnen:
Wir sollten nicht den Fehler machen, jetzt mit noch mehr Fördermitteln auf einen sehr schnellen, flächendeckenden Ausbau zu setzen. Der Glasfaserausbau benötigt Zeit. Noch mehr Fördermittel in noch kürzerer Zeit führen nicht zu einem erhöhten Ausbauvolumen. Dadurch werden nur die Tiefbaumaßnahmen weiter verteuert, weil die Nachfrage nach diesen Leistungen extrem steigt. Dadurch steigen die Kosten für alle Baumaßnahmen. Dieses führt auch dazu, dass Unternehmen kaum noch eigenwirtschaftlich ausbauen können. Für eine Summe, für die wir früher zehn Kilometer verlegen können, können wir dann nur noch fünf Kilometer verlegen. Das Gebiet rechnet sich dann nicht mehr für uns. Durch eine massive Erhöhung des Fördervolumens entsteht also hauptsächlich neuer Förderbedarf.

ITM: Wo wird Deutschland Ihrer Meinung nach Ende 2018 in Sachen Breitbandausbau stehen?
Kohnen:
Der Glasfaserausbau ist eine Gemeinschaftsaufgabe für mehrere Jahre. Nur wenn wir Schritt für Schritt vorgehen, ist dieser erfolgreich umzusetzen.

Bildquelle: EWE

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