Interview mit Bernd Putze, Dr. Stephan Wittkop und Lutz Stockhausen von der Hauhinco Maschinenfabrik

Große Projekte, gute Prognosen

1908 als Bergbauzulieferer gegründet, entwickelte sich Hauhinco in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der Weltmarktführer im Segment wasserhydraulischer Systeme und Anlagen. Um den Wandel auch prozesstechnisch und mit Blick auf die Zukunft zu unterfüttern, legte das Unternehmen in den letzten drei Jahren in Sachen IT erheblich nach – mit neuer ERP- und Business-Intelligence-Software.

  • Wie sich die Hauhinco Maschinenfabrik auch mithilfe moderner Business-Software in einem internationalen Umfeld behaupten will, erläutern Geschäftsführer Bernd Putze (mi.) , Projektcontroller Dr. Stephan Wittkop und IT-Leiter Lutz Stockhausen (re.) im Interview.

  • Hauhinco-Geschäftsführer Bernd Putze (re.) , Projektcontroller Dr. Stephan Wittkop und IT-Leiter Lutz Stockhausen (li.)

  • Seit über 100 Jahren bietet Hauhinco Systemlösungen im Bereich Wasserhydraulik für spezielle Anforderungen im Industriebereich und Bergbau an.

  • „Die Einführung einer konsolidierten Datenbasis hat unsere Prozesse vereinfacht und verschlankt, da die berechtigten Mitarbeiter immer schnell und überall Zugriff auf relevante Daten haben", erklärt Bernd Putze, Geschäftsführer der Hauhinco Maschinenfabrik.

In Sprockhövel – gelegen im südlichen Ruhrgebiet und wegen der anfangs einfachen Abbaubedingungen gerne als Wiege des Ruhrbergbaus bezeichnet – hat das ehemalige Familienunternehmen Hauhinco seinen Hauptsitz. Unter dem Namen Hausherr Hinselmann & Co. als lupenreiner Bergbauzulieferer entstanden, bestand die Produktpalette zu Beginn aus Abbauhämmern, Spitzhacken und Förderbändern.

Als sich die Abbaumethoden aufgrund der schwierigeren geologischen Gegebenheiten im nördlichen Ruhrgebiet veränderten, veränderte auch Hauhinco das Produktspektrum und entwickelte sich zu einem weltweit agierenden Hersteller wasserhydraulischer Steuerungen für Maschinenanlagen und Pumpen. Und als der Bergbau in Deutschland dann endgültig in die Krise geriet, rückten andere Absatzmärkte und Industriezweige in den Fokus. Wie sich die Westfalen auch mithilfe moderner Business-Software in einem internationalen Umfeld behaupten wollen, erläutern Geschäftsführer Bernd Putze , Projektcontroller Dr. Stephan Wittkop und IT-Leiter Lutz Stockhausen im Interview.

ITM: Herr Putze, vom reinen Bergbauzulieferer zum Hersteller von Wasserhydraulik-Systemen – wie kam es zu diesem Wandel?
Bernd Putze:
Im deutschen Bergbau wurde bereits Ende der 60er Jahre auf den hydraulischen Strebausbau umgestellt. Seitdem werden Untertage sogenannte Schilde verwendet, die zusammen mit dem Abbau vorrücken. Seit 1965 entwickelt Hauhinco die dafür benötigten speziellen Pumpen zum Antrieb der Strebhydraulik. Zudem werden diese Pumpen dazu benutzt, den beim Abbau entstehenden Staub durch Wasserbedüsung gering zu halten. Vor dem Hintergrund, dass der Bergbau in Deutschland voraussichtlich 2018 komplett stillgelegt wird, beschränkt sich der Umsatz mit deutschen Bergbauunternehmen mittlerweile nur noch auf Ersatzteile und Reparaturen – Neugeschäft gibt es keines mehr. Stattdessen liegt unsere Exportquote bei ca. 70 Prozent, inklusive indirektem Export sogar bei 90 bis 95 Prozent.

ITM: Welche Regionen beliefern Sie hauptsächlich?
Putze:
In Sachen Bergbau sind es vornehmlich Osteuropa und Asien: Polen, Ukraine, Russland, Kasachstan und China. Weitere Schwerpunktländer sind Australien sowie Nord- und Mittelamerika.

ITM: Eine Exportquote von 90 Prozent ist beachtlich. Wie hat Sie die schlechte gesamtwirtschaftliche Lage der letzten Jahre getroffen?
Putze:
In den letzten Jahren haben wir von dieser Entwicklung kaum etwas gespürt. Erst in diesem Jahr hat sich dies geändert, wobei der Umsatz im Bereich Bergbau recht konstant blieb. Bemerkbar macht sich ein vorsichtigeres Investitionsverhalten vor allem im Industriebereich, etwa im Segment Umformtechnik, wo wir mittlerweile recht stark sind.

ITM: Sie haben sich also neue Absatzfelder erschlossen?
Dr. Stephan Wittkop:
Der Bergbau spielte immer eine große Rolle für uns. Zudem ist jedoch über die Jahre die Industrie zu unserem zweiten Standbein geworden. Als Komplettlieferant für wasserhydraulische Systemlösungen entwickeln wir von der ersten Idee bis hin zur Inbetriebnahme alles aus einer Hand: angefangen bei der Planung, Projektierung und Konstruktion über die Fertigung, erste Testläufe und die Inbetriebnahme der Anlagen vor Ort. Diese Art Generalunternehmerschaft schätzen die Kunden sehr.
Kurzum: Das Geschäftsfeld Bergbau existiert für uns nach wie vor, mit den wasserhydraulischen Systemen wollen wir jedoch in immer mehr Industriebereiche vorstoßen.

ITM: Wie unterschiedlich sind diese Wasserhydraulik-Systeme?
Wittkop:
Ein hydraulisches System ist prinzipiell immer gleich aufgebaut und besteht aus einem Flüssigkeitserzeuger – in der Regel einer Pumpe – dann aus den Ventilblöcken, die als Steuerelemente die jeweilige Flüssigkeit zum Bestimmungsort lenken, und am Ende der Anlage aus dem Flüssigkeitsverbraucher. Das Endprodukt kann alles sein, wofür Hydraulik benötigt wird – von der Hebebühne über Schilde für den Untertagebergbau bis hin zu Pressen für das Hoch- und Herunterfahren von Gesenken, etwa im Flugzeugbau.

Als Generalunternehmer sehen wir uns sehr gut aufgestellt. Zum Beleg: Vergangenes Jahr wurden wir für die Planung und Projektabwicklung bei der Inbetriebnahme einer 50.000-Tonnen-Presse von dem Auftraggeber Alcoa ausgezeichnet. Absolut essentiell im Industriebereich ist das Verständnis für die Prozesse der Kunden. Das ist unsere Stärke.

ITM: Hat Hauhinco jüngst zwei größere Software-Implementierungen vorgenommen, um diese Qualität in der Projektabwicklung noch zu steigern?
Putze:
Ja, wir haben eine neue ERP-Software von Oxaion eingeführt und kurze Zeit später eine Business-Intelligence-Lösung aus dem Hause Stas.

In der Vergangenheit wurde bei uns hauptsächlich auf Excel-Basis geplant. Dies führte neben Eingabefehlern auch dazu, dass jeder Mitarbeiter zu Projektbesprechungen seine eigenen Tabellen und Zahlen sowie zum Teil auch seine eigenen Wahrheiten mitbrachte. Folglich strebten wir eine Vereinheitlichung an. Die Einführung einer konsolidierten Datenbasis hat unsere Prozesse vereinfacht und verschlankt, da die berechtigten Mitarbeiter immer schnell und überall Zugriff auf relevante Daten haben.

Wittkop: Wobei uns klar ist, dass sich Excel nie ganz verdrängen lässt. Es ist auch in Ordnung, wenn die Mitarbeiter zur Unterstützung ihrer täglichen Aufgaben zusätzlich mit Excel arbeiten. In abteilungsübergreifenden Besprechungen jedoch gelten nur noch die konsolidierten Daten.

ITM: Sie selbst bieten Leistungen aus einer Hand. War es daher nicht Ihr Bestreben, ERP und BI ebenfalls aus einer Hand zu bekommen?
Wittkop:
Eine integrierte Lösung war uns natürlich sehr wichtig, damit wir in dem Projekt und dem Zusammenspiel der Lösungen unser eigenes Vorgehen wiederfinden. In diesem Zusammenhang kam uns die enge Partnerschaft beider Anbieter und die tiefe Integration der Produkte zugute.

ITM: Welche ERP-Software hatten Sie zuvor im Einsatz?
Lutz Stockhausen:
Vor der Umstellung auf Oxaion Business Solution Anfang 2011 hatten wir ein von Ratioplan entwickeltes System im Einsatz, das bereits 1988 eingeführt worden war. Im Laufe dieser langen Zeit waren natürlich zahlreiche Anpassungen vorgenommen worden, so dass uns die Software quasi auf den Leib geschneidert, allerdings nicht mehr zeitgemäß war. Es begann damit, dass es keine grafische Ober­fläche gab, und endete mit einer Reihe von Problemen bei der Abwicklung unseres zunehmend komplexeren Projektgeschäftes. Die Module, die zur Abbildung dieser Prozesse notwendig wären, existieren nicht und sind auch nicht nachzukaufen. Somit fiel die Entscheidung, eine komplett neue Lösung anzuschaffen.

ITM: Wie verliefen Auswahl und Implementierung?
Stockhausen:
Gemeinsam mit einer IT-Beratungsfirma wurde anhand eines Anforderungskatalogs eruiert, welches System passen könnte. Die Implementierung begann 2010, live gingen wir im Januar 2011. Es war ein einschneidender Schritt, einigen Mitarbeitern fällt es immer noch schwer, sich mit dem neuen System anzufreunden. Zur Einführung selbst: In enger Zusammenarbeit mit Oxaion bildeten wir Workshops in den einzelnen Abteilungen, um die Prozesse und Abläufe exakt zu definieren. Dies dauerte etwa ein Jahr, was damit zu begründen ist, dass wir im Vergleich zur Vorgängersoftware prozesstechnisch erheblich umdenken mussten. Zusätzlich waren wir gefordert, unsere Prozessergebnisse detailliert an die Oxaion-Mitarbeiter  zu liefern. Insgesamt funktionierte dieses Vorgehen sehr gut, so dass wir Anfang 2011 den Hebel endgültig umlegen konnten. Seitdem läuft das System stabil.

ITM: Haben Sie Anpassungen vornehmen müssen?
Wittkop:
Natürlich haben wir Anpassungen vorgenommen. Zusätzlich sind in der Zwischenzeit bereits weitere Prozesse hinzugekommen oder haben sich weiterentwickelt, so dass wir bis heute nicht fertig sind mit einzelnen Nachbesserungen. Was das neue ERP-System aus meiner Sicht aber auszeichnet, ist seine Integriertheit. Für ein ERP-System bietet es sehr gute PPS-Funktionalität für einen Mittelständler unserer Größe – sei es ein grafischer Leitstand oder die Feinplanung. Damit kommt man bereits sehr weit, ohne  viel in spezielle MES-Lösungen investieren zu müssen.

Besonders zu erwähnen ist zudem das integrierte Projekttool, über das wir alle Projekte, auch Forschungsprojekte, abwickeln. Dies ist eine der eigentlichen Stärken der Software. Diese Integration schätzen wir sehr.

Putze: Hinsichtlich der Anpassungen kommt uns auch zugute, dass Oxaion den direkten Datenexport in andere Programme zulässt, beispielsweise in Excel.

ITM: Welche Anbieter standen außerdem zur Wahl?
Stockhausen:
Von ursprünglich zehn vorgeschlagenen Anbietern wählten wir drei aus, die ihre Produkte in zweitägigen Workshops vorstellten. Um es vorwegzunehmen: Obwohl SAP aus funktionaler Sicht ganz vorne mit dabei war, wäre es für uns viel zu mächtig gewesen. Daher wurde SAP bewusst außen vor gelassen. In der engeren Auswahl befanden sich schließlich neben Oxaion noch ams und Psipenta. Zum Zeitpunkt der Auswahl hatten wir unter funktionalen Gesichtspunkten eigentlich einen anderen Favoriten. Allerdings handelte es sich dabei um eine reine Einzelfertigersoftware, die für uns nicht passend gewesen wäre. Wir bauen zwar auch einzelne Anlagen, haben jedoch genauso kleine und mittelgroße Serien im Portfolio. Wir waren also auf der Suche nach einer Lösung, die unsere Einzel-  und Serien­fertigung gemeinsam berücksichtigt. Hier konnte Oxaion am meisten punkten. In der Rückschau sind wir uns sehr sicher, richtig entschieden zu haben, weil uns diese starke Fokussierung auf ganz wenige große Einzelprojekte zu stark beschnitten hätte.

ITM: Sie setzen hardwareseitig seit Jahren auf die IBM AS/400. Spielte dies bei der Auswahl eine Rolle?
Stockhausen:
Nein, die Hardware war ausdrücklich kein Hauptargument im Auswahlprozess. Im Nachhinein bin ich jedoch froh, dass wir bei unserer bewährten Hardware geblieben sind. Denn die AS/400 ist nach wie vor eine sichere Maschine, die ganz wenig administrativen Aufwand erfordert.

ITM: Im Anschluss an die Implementierung des ERP-Systems wagten Sie sich direkt an die nächste Großbaustelle: Was sprach für ein zusätzliches  Business-Intelligence-Systems?
Wittkop:
Nach der Einführung der ERP-Software stellten wir die Überlegung an, wie sich verdichtete Daten aus dem System heraus generieren ließen. Auf der Suche nach Anbietern und BI-Systemen stießen wir auf Stas.

Mitte 2011 begann die Implementierung, im Februar dieses Jahres  wurde das System für unsere Führungskräfte geöffnet. Auch dieser Zeitraum erscheint vielleicht sehr lang, aber es dauert halt wie in jedem IT-Projekt seine Zeit, bis man die erforderlichen Prozesse definiert hat. Die Führungskräfte können nun verdichtete Daten aus verschiedenen Abteilungen – Einkauf, Vertrieb, Finanzen und Fertigung – einsehen. Wir haben eine Reihe vordefinierter Berichte abgebildet, die aus unserem Controlling stammen.

ITM: Welcher Art sind diese Berichte?
Putze:
Wie viele andere Unternehmen auch erstellen wir Monatsberichte, in denen Features wie Auftragseingang, Auftragsbestand, G&V oder Liquiditäts- und Cashflow-Betrachtungen aufgeführt werden. Diese Berichte sind heute schnell erstellt und tagesaktuell. Wir müssen also nicht mehr warten, bis alle Daten aus Excel zusammengetragen sind. Änderungen sind mit Ampelfunktionen versehen, so dass immer ersichtlich ist, ob wir unterjährig im Plan liegen. Somit können wir sofort reagieren. Wir können die Informationen auch mobil über WLAN bereitstellen.

ITM: Diese Berichte konnte das ERP-System nicht liefern?
Stockhausen:
Nicht in dieser Ausprägung. Oxaion hat zwar in der Zwischenzeit ein eigenes Informationssystem über iReport entwickelt, kam damit für uns jedoch ein wenig zu spät. Zwar haben wir dadurch den Grundgedanken des „Alles aus einer Hand“ verlassen, andererseits treten aufgrund der Zusammenarbeit von Stas und Oxaion im Grunde keine Schnittstellenproblematiken auf.

Oxaion stellt verdichtete Daten für Stas zur Verfügung, es gibt Schnittstellendateien, die automatisiert geführt werden können. Zudem gibt es vordefinierte Datenreports, die Daten aus dem vorgelagerten ERP-System in das Data Warehouse laden. Dies war eines der Hauptargumente für Stas, denn ein großer Teil der Arbeit war damit bereits erledigt.

ITM: In Sachen Data Warehouse sind Mittelständler aufgrund der zu erwartenden Kosten und des Aufwands bislang eher zurückhaltend. Können Sie diese Bedenken bestätigen?
Stockhausen:
Die große Herausforderung ist immer die Datenübernahme. Die zentrale Frage ist: Wie gelangt man an die Daten aus dem ERP-System und wie muss die Struktur des Data Warehouse aussehen, um hinterher bestimmte Auswertungen fahren zu können? Bei anderen Anbietern hätten wir sehr viel Eigenleistung erbringen müssen, was wir zu dem Zeitpunkt mit der ERP-Implementierung vor der Brust nicht hätten leisten können.

Die Nutzung eines Data Warehouse ist nur dann gewinnbringend und ohne großen Arbeitsaufwand möglich, wenn alle Abläufe über ein integriertes System erfolgen. Der große Vorteil für uns besteht darin, dass das Data Warehouse über eine Microsoft-SQL-Datenbank vordefiniert ist. Jede Nacht werden aktualisierte Daten aus dem Vorsystem in das Data Warehouse übertragen. So etwas mit unserer relativ kleinen IT-Mannschaft von null aufzubauen, wäre eine Mammutaufgabe gewesen. Wir wären mit Sicherheit nicht so weit, wie wir heute sind.

Putze: Ohne die Integration beider Systeme hätten wir das BI-Projekt erst einmal hintanstellen müssen. Mit einem anderen System wäre der Aufwand für unsere IT nicht zu leisten gewesen, da sie zu sehr mit der ERP-Implementierung beschäftigt war.

ITM: Haben Sie sich denn trotzdem andere Systeme angeschaut?
Wittkop:
Ja, z.B. die Lösung von Corporate Planning bei einem Referenzkunden. Dort konnten wir erkennen, welche Stärken dieses System hat, dass der manuelle Aufwand für den Aufbau der Berichte für uns letztlich aber zu groß gewesen wäre. Diese Zeit wollten wir nicht investieren.

Stas haben wir uns bei der Karl Marbach GmbH angesehen. Dort war schnell ersichtlich, dass der Aufbau der Software mit den vorgefertigten Berichten und der einheitlichen Bedienoberfläche insgesamt besser für uns geeignet war. Im Nachhinein fehlt uns allerdings ein wenig die Möglichkeit zur grafischen Aufbereitung. Anschauliche Grafiken sind meiner Meinung nach besser erfassbar als Zahlenkolonnen.

ITM: Wie viele Mitarbeiter arbeiten heute mit der BI-Software?
Putze:
Insgesamt sind es zehn Mitarbeiter, die auch über iPads und VPN auf die Daten zugreifen können. Stas ist ein Management-Informationssystem, mit dem die Geschäftsführung und die direkt darunter angesiedelten Führungskräfte der Abteilungen seit März und zunehmend intensiv arbeiten. Mittlerweile kommt es auch schon einmal zu Rückfragen zu der Richtigkeit der Zahlen.

Es wurden Kennzahlen definiert, so dass die Führungskräfte auf Knopfdruck beispielsweise einen Bericht über die Durchlaufzeiten erhalten. Kommt es dort zu Verzögerungen, lässt sich nun viel schneller eine Fehleranalyse vornehmen. Es ist natürlich unser Ziel, im BI-System Zielvorgaben für die einzelnen Bereiche zu definieren, um damit für mehr Transparenz zu sorgen.

ITM: Wie bewerten Sie die Arbeit mit Stas und seine Funktionsweise?
Wittkop:
Die Erfahrungen, die wir bis jetzt machen konnten, sind sehr positiv: Man hat von überall Zugriff auf die relevanten Zahlen, auch von mobilen Endgeräten aus. Die Berichte, die wir erhalten, sind vor allem aussagekräftig. Die Frage stellt sich nun, wie es weitergeht. Ich würde mir wünschen, dass die Oberfläche ein wenig modernisiert wird. Auch sollte es möglich sein, dass sich die Anwender wie in einem Baukasten die relevanten Felder selbst auf ihre jeweilige Startoberfläche integrieren können. Punkt zwei wäre die grafische Aufbereitung der Zahlen, um sie schneller erfassbar zu machen.

Stas hat seine Stärken vor allem im Rechnungswesen und im Bereich Finanzen; dort ist ein sehr ausgeprägtes Hintergrundwissen vorhanden. Als wir dann tiefer in die Fertigung einstiegen, musste unsere IT-Abteilung noch ein wenig Nachhilfe leisten bei der Erstellung der benötigten Berichte zu Durchlaufzeiten, Verfügbarkeiten etc. Wir haben die Formeln selbst entwickelt und geschaut, wo die Tabellen und Zahlen im ERP zu finden sind, natürlich in Anlehnung an Standards von VDI, VDA und VDMA. Unsere Ergebnisse haben wir Stas präsentiert und mit ihnen diskutiert.

ITM: Wenn Sie beide Projekte Revue passieren lassen: Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Wittkop:
Größtenteils schon. Allerdings weiß man ja mittlerweile, dass Präsentationen und die eigentliche Implementierung immer zwei Paar Schuhe sind und dass die Kosten wegen notwendiger Anpassungen meist ein wenig höher liegen, als ursprünglich veranschlagt. Da helfen auch Lastenhefte nicht wirklich. Es wird immer Anpassungsbedarf geben, das ist vollkommen normal.

ITM: Solange man releasefähig bleibt, ist dies zu verkraften. Falls nicht, wird es schwierig.
Stockhausen:
Dafür ist unser altes System ein sehr gutes Beispiel. Der letzte Release-wechsel fand zum Jahrtausendwechsel statt – weil wir mussten. Mit Oxaion planen wir jetzt für 2014 den nächsten Release-wechsel, wobei aufgrund der getätigten Anpassungen auch hier eine Aufwandsabschätzung erfolgen muss.

Wittkop: Wir müssen an der Stelle jedoch am Ball bleiben. Die Zyklen werden immer kürzer, so dass man es sich nicht mehr leisten kann, wie früher üblich einige Releasewechsel zu überspringen. Gerade im neuen Release von Oxaion werden eine Menge neuer Features enthalten sein, die auch für uns wiederum interessant sind. Man kann z.B. die gesamten Prozesse eines Qualitätsmanagement-Audits abbilden.

ITM: Beteiligen Sie sich auch aktiv an der Weiterentwicklung des Systems?
Stockhausen:
Im neuen Release wird bereits eine von uns angestoßene Erweiterung enthalten sein. Dabei handelt es sich um die sogenannte Reihenfolgeplanung in der Kapazitäteneinplanung der Maschinen. Sie erlaubt es, einzelne Arbeitsschritte an den Arbeitsplätzen ohne große Lücken zeitlich stringent hintereinander einzuplanen.

Wittkop: Das Ganze geschieht im Rahmen einer Entwicklungskooperation zwischen Oxaion und uns. Speziell im Bereich grafischer Leitstand kommt diese Entwicklung voll zur Geltung, weil Oxaion jetzt das bietet, was klassische MES-Systeme leisten.

ITM: Kehrt nach diesen beiden Großprojekten nun ein wenig Ruhe ein in der IT-Abteilung?
Putze:
Nein, es geht direkt weiter in Richtung CAD/CAM. Derzeit arbeiten wir noch mit veralteten Systemen. Wir befinden uns momentan im Auswahlverfahren mit zwei, drei verbliebenen Anbietern. Grundsätzlich haben wir jedoch einen Favoriten ausgemacht und führen vermutlich zum 1.1.2014 eine neue CAD/CAM-Lösung ein.

ITM: Was ist derzeitig das Problem?
Putze:
Wir arbeiten mit einer 20 Jahre alten Insellösung, so dass immer eine doppelte Dateneingabe notwendig war.

Wittkop: Das ERP-System läuft mittlerweile sauber. Unser CAD-Programm war Anfang der 90er eines der führenden und eines der ersten, das 3D-Konstruktion erlaubte. Durch die Aufrüstung in der Fertigung mit neuen Maschinen benötigen wir nun aber zusätzlich ein zukunftsfähiges CAM-System, das bislang völlig fehlte. Auch hier verfolgen wir den integrierten Ansatz, damit sowohl die Fertigung als auch die Konstruktion gleichermaßen mit der Software arbeiten können – selbstverständlich mit Anbindung an das ERP-System, welches das führende System sein wird.

Stockhausen:
Wir suchen ein integriertes CAD/CAM-System mit gemeinsamer Datenbasis. Denn ein Prozess ohne Schnittstellen oder manuellen Datennachtrag  ist weniger fehleranfällig. So ist es wenig wahrscheinlich, dass zwei Konstrukteure unwissentlich an demselben Teil arbeiten.

ITM: Inwiefern verlangt gerade das immer schnelllebigere Marktumfeld solche Schritte?
Putze:
Man ist von außen gefordert, sich immer schneller aufzustellen. Informationen werden wesentlich früher benötigt als noch vor fünf oder gar zehn Jahren.

Wittkop: Ich verstehe allerdings nicht ganz, warum es häufig so lange dauert, Daten intelligent aufzubereiten. Ganz frech gesprochen ist ein ERP-System in meinen Augen nicht mehr als eine Ansammlung getunter Pivot-Tabellen, die Logik hinter ERP-Systemen ist nicht neu. Folglich muss es doch nur darum gehen, diese Daten mit neuen Methoden aufzubereiten. Nichts anderes haben wir zusammen mit Oxaion im Falle der Reihenfolgeplanung getan.

Um releasefähig zu bleiben, ist es also wichtig, benötigte  Funktionen in das Standard­release zu „drücken“. Hier haben wir bei Oxaion größere Chancen gesehen als bei einem der ganz großen Anbieter. 



Bernd Putze

  • Alter: 59
  • Familienstand: verheiratet, 3 Kinder
  • derzeitige Position: Geschäftsführer


Lutz Stockhausen

  • Alter: 51
  • Familienstand: verheiratet, 2 Kinder
  • derzeitige Position: Leiter IT


Dr. Stephan Wittkop

  • Alter: 39
  • Familienstand: verheiratet, 2 Kinder
  • derzeitige Position: Leiter Projektcontrolling

 

Die Hauhinco Maschinenfabrik
Seit über 100 Jahren bietet Hauhinco System­lösungen im Bereich Wasserhydraulik für spezielle Anforderungen im Industriebereich und Bergbau an. Ob Einzelkomponenten wie Hochdruckpumpen und Ventile oder kundenspezifische Gesamtlösungen – der Mittelständler versorgt seine Kunden mit Engineering- und Serviceleistungen. 

  • Branche: Wasserhydraulik-Systeme für Bergbau und Industrie
  • Mitarbeiter: 110, davon 3,5 in der IT-Abteilung (8-10 arbeiten mit Stas, 80-85 mit Oxaion)

www.hauhinco.de

 

 

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