IoT im Handel

Grundstein für die Automatisierung

Ulrich Spaan, Geschäftsleitung im EHI, über die Chancen und Hürden der IoT-Technologie für den stationären Handel.

Grundstein für die Automatisierung

Ulrich Spaan, Geschäftsleitung im EHI, sieht vor allem in Optimierung von internen Abläufen großes Potential für IoT im Einzelhandel.

ITM: Herr Spaan, auf welchem Stand ist der mittelständische Handel in Deutschland bei der Implementierung von IoT-Technologie?
Ulrich Spaan:
Der Handel befindet sich hier noch in den Anfängen. Derzeit stehen vor allem Infrastrukturprojekte im Vordergrund, die einen umfassenden Einsatz von IoT-Applikationen in den Filialen möglich machen. In den kommenden Jahren wird die Bedeutung des „vernetzten Stores“ aber stark zunehmen

ITM: Welche Hürden erschweren den Einsatz der Technik aktuell noch? Spaan: Zum einen gibt es technische Hürden. Vorhandene Netzwerke sind oft nicht leistungsfähig genug bzw. verfügen nicht über die erforderlichen Bandbreiten. Auch Hintergrundsysteme sind zum Teil nicht darauf ausgerichtet, große Datenmengen in Echtzeit zu verarbeiten. Zum Teil fehlt es auch noch an konkreten Anwendungsszenarien oder aber die Wirtschaftlichkeit von Investitionen in IoT-Anwendungen wird in Frage gestellt.

ITM: Was können sich Einzelhändler denn konkret von der fortschreitenden Vernetzung ihrer Filialen versprechen?
Spaan:
Eine starke Automatisierung von Abläufen in der Filiale, die einhergeht mit einer Vereinfachung vieler Prozesse im Tagesgeschäft. So kann schneller auf Fehlermeldungen reagiert werden, Out-Of Stock Situationen können früher erkannt werden, Abverkäufe optimiert und Abschriften etwa im Lebensmittelbereich reduziert werden. 

ITM: Mit IoT lassen sich auch Aspekte wie Kundenansprache, Bestandsmanagement oder Zahlungsabwicklung beeinflussen. Wo liegt Ihrer Meinung nach das größte Potential?
Spaan:
Wie in den vorhergehenden Antworten beschrieben liegen die Vorteile für mich vor allem in der Optimierung der Abläufe in der Filiale, ebenso in der Vermeidung von Abschriften und im Bestandsmanagement. Die Kundenansprache steht für mich nicht an erster Stelle. Hierbei stellt sich allerdings auch die Frage, welche Anwendungen man definitorisch unter IoT fasst. Zahlungssysteme gehören für mich nicht zwingend dazu.

ITM: Sind Ihnen Anwendungsfälle im Mittelstand bekannt, bei denen die Technologie bereits vorbildlich genutzt wird?
Spaan: Bisher nein, ich bin aber sicher, dass es diese in den kommenden Jahren geben wird. 

ITM: IoT-Devices gelten schon jetzt als Einfallstore für Hacker. Wie können sich Händler gegen diese neuen Risiken schützen?
Spahn: 
IoT-Anwendungen sollten ganzheitlich betrachtet werden und Projekte von professionellen Dienstleistern begleitet werden. Risiken entstehen sicher vermehrt, wenn man versucht Einzelprojekte in Eigenregie durchzuführen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Wie können neben Händlern und Kunden auch die Mitarbeiter vor Ort, also etwa Verkäufer oder Lageristen, von der Technik profitieren?
Spaan:
Meiner Ansicht nach profitieren vor allem die Mitarbeiter vor Ort von IoT-Anwendungen, weil diese Prozesse vereinfachen und automatisieren. Dadurch bleibt mehr Zeit für den Kunden. 

ITM: Inwiefern könnte die Einführung von 5G das Thema weiter popularisieren?
Spaan:
Wenn durch die Verfügbarkeit von 5G größere Informationsmengen schneller in Echtzeit übertragen werden können, so wird dadurch sicher auch der Einsatz von IoT-Anwendungen im Handel favorisiert. Allerdings sehe ich hier eher mittelfristige als kurzfristige Effekte.

Bildquelle: EHI Retail Institute

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