SaaS: Interview mit Michael Kaiser, Papierkram

Gute Zukunft für Cloud-Buchhaltung

Im Interview betont Dr. Michael Kaiser, Geschäftsführer von Papierkram.de, dass gerade im Bereich der Freiberufler und KMUs die Bedeutung von Cloud-Buchhaltung rasant zunehmen wird.

Dr. Michael Kaiser, Papierkram

„Für die meisten liegt sicherlich die Zukunft in der Cloud“, meint Dr. Michael Kaiser, Geschäftsführer von Papierkram.de.

ITM: Herr Dr. Kaiser, welche Bedeutung schreiben Sie generell dem Thema „Finanzbuchhaltung in der Cloud“ zu?
Dr. Michael Kaiser:
Wir sind davon überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren der Markt für Finanzhaltungssoftware grundlegend wandeln wird. Die typischen Desktoplösungen bzw. selbst gehosteten Pakete werden immer weiter von Cloud-Lösungen verdrängt werden. Dieser Meinung sind nicht nur wir, sondern auch Experten von IDC und Forrester, die den Marktanteil von Cloud-Lösungen für Finanzbuchhaltung kleiner und mittlerer Unternehmen bis 2016 bei 50 Prozent sehen.

ITM: Inwiefern ist das Thema für den Mittelstand interessant und wird von diesem auch nachgefragt?
Kaiser:
Gerade im Bereich der Freiberufler und KMUs wird die Bedeutung von Cloud-Buchhaltung rasant zunehmen, da der Aufwand für den Umstieg hier gegenüber großen Konzernen eher beherrschbar ist und die Potentiale zur Vereinfachung und damit Kosteneinsparung enorm sind.

ITM: Welche konkreten Vorteile und Möglichkeiten bietet eine Fibu-Cloud-Lösung im Vergleich zu einer klassischen Buchhaltungssoftware/Inhouse-Lösung?
Kaiser:
Es gibt eine große Bandbreite von Vorteilen. Einerseits gibt es die typischen Vorteile aller Cloud- bzw. Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS): keine aufwändige Installation, direkte Inbetriebnahme, keine teure Hardware vor Ort und globale Verfügbarkeit.

Im Bereich der Finanzbuchhaltung gibt es aber noch einige weitere Faktoren, die die Cloud besonders attraktiv machen: Zum einen fallen die aufwändigen und riskanten Updates weg. Aufgrund der ständigen gesetzlichen Änderungen und neuer technischer Anforderungen (z.B. die sich ständig ändernde Elster-Schnittstelle mit der Finanzverwaltung) sind bei Finanzbuchhaltungssystemen mehrere Updates pro Jahr unumgänglich. Die Updates inklusive der dazugehörigen Tests sind nicht nur teuer und führen zu Unterbrechungen in der Nutzbarkeit des Systems, sie bergen auch immer das Risiko eines Datenverlusts, was erneut Aufwand in der Wiederherstellung nach sich zieht. Ein weiterer, insbesondere für die Fibu wichtiger Aspekt sind die Datensicherungskonzepte, die bei Cloud-Lösungen aufgrund der Nutzung durch viele Kunden in der Regel ausgefeilter sein können als bei selbst gehosteten KMU-Lösungen. Bei Papierkram haben wir nicht nur Server mit redundanter Datenspeicherung und stundenweisen Backups, sondern speichern diese Backups verschlüsselt in mehreren, zertifizierten Rechenzentren. So sind die Daten selbst im Falle einer Katastrophe sicher.

ITM: Welche Aspekte werden vom Mittelstand eher kritisch hinterfragt bzw. halten die Anwender noch davon ab, auf Fibu aus der Wolke zu vertrauen?
Kaiser:
Im Dialog mit unseren Kunden bzw. Interessenten bemerken wir natürlich, dass im Licht von Cyberattacken und NSA-Schnüffelei Bedenken bezüglich der Datensicherheit bestehen. Wir haben darauf dadurch reagiert, dass wir nicht wie einige Wettbewerber auf Cloud-Plattformen von Drittanbietern wie Amazon zurückgreifen, sondern die gesamte Infrastruktur selbst kontrollieren. Alle Daten liegen in Deutschland, in Tüv-zertifizierten Rechenzentren auf unseren eigenen Servern. Die Datenübertragung findet durchgehend verschlüsselt statt. Aufgrund unseres defensiven Sicherheitskonzepts waren wir beispielsweise vom berüchtigten Heartbleed-Bug nie betroffen. Weiterhin sind wir rechtlich an die hiesigen Datenschutzgesetze gebunden.

ITM: Welche grundsätzlichen und insbesondere technischen Voraussetzungen muss ein Unternehmen mitbringen, um eine Onlinebuchhaltungssoftware nutzen zu können?
Kaiser:
Neben einer stabilen Internetverbindung ist es natürlich wichtig, bestehende Daten zu portieren. Bei komplexeren Buchhaltungssystemen mit stark angepassten Kontenrahmen kann dies durchaus aufwändig sein. Dies ist aber natürlich ein prinzipielles Problem, das auch beim Umstieg von einer selbst betriebenen Buchhaltungssoftware auf eine andere anfällt.

ITM: Nach welchen Kriterien sollten Unternehmen entsprechende Anbieter und Lösungen auswählen?
Kaiser:
Neben dem Vorhandensein aller benötigten Features ist es auch sinnvoll, das Tempo der Entwicklung und die Vertrauenswürdigkeit des Anbieters zu betrachten. Man sollte aber nicht „blind“ das Cloud-Produkt wählen, das von dem Anbieter der bisherigen, lokalen Fibu-Lösung offeriert wird. Viele der klassischen Hersteller haben offensichtlich Probleme, von der Entwicklung herkömmlicher PC-Software auf webbasierte Entwicklung umzusteigen, und liefern eher unterdurchschnittliche Nutzerfreundlichkeit. Auch schöpfen sie die Vorteile der Cloud oft nicht aus. Aus Gründen der Rechtssicherheit und Compliance sollte man außerdem darauf achten, dass die Daten in einem europäischen oder – besser noch – deutschen Rechenzentrum liegen.

ITM: Mit welchem Aufwand (zeitlich, finanziell, personell) ist die Einführung einer Fibu-Cloud-Lösung verbunden?
Kaiser:
Es gibt darauf leider keine allgemeine Antwort. Der Aufwand hängt von vielen Faktoren, u.a. der Unternehmensgröße, Unternehmensstruktur und Branche, ab. Die Umstellung kann von wenigen Stunden bis zu mehreren Monaten in Anspruch nehmen.

ITM: Welche Vertrags- und Bezahlmodelle sind hier üblich?
Kaiser:
Im SaaS-Bereich haben sich Monats- und (meist etwas günstigere) Jahressubskriptionen durchgesetzt. Die Kosten staffeln sich dann oft nach Anzahl der Mitarbeiter und Funktionspaketen. Teilweise gibt es noch kostenpflichtige Zusatzleistungen.

ITM: Wie gestaltet sich ein möglicher Anbieterwechsel – insbesondere auch im Hinblick auf die Überführung der Buchungshaltungsdaten in die neue Cloud-Lösung? Was sind hier häufige Probleme?
Kaiser:
Bei Papierkram arbeiten wir gerade an umfangreichen Exportfunktionen, da wir unsere Kunden aufgrund von Zufriedenheit mit dem Produkt und nicht wegen eines „Lock-ins“ halten möchten. Leider machen es viele Anbieter aber nicht gerade einfach, alle notwendigen Daten in einem sinnvollen Format zu exportieren. Hier muss man sich gerade bei größeren Migrationen im Vorfeld eingehend informieren.

ITM: Welche Zukunftschancen sehen Sie für „Fibu aus der Cloud“ und welche Rolle wird die Integration von Komponenten wie „Controlling“, „Anlagenbuchhaltung“ etc. spielen?
Kaiser:
Es zeichnet sich ab, dass in den nächsten Jahren ein großer Teil der KMUs ihre Fibu in der Cloud erledigen wird. Da es sich durch den rechtlichen und institutionellen Rahmen um eine stark standardisierte Tätigkeit handelt, ist sie prädestiniert für SaaS-Lösungen. Durch die häufig verfügbaren Webservice-APIs der einzelnen Anbieter können weitere Anwendungen flexibel angebunden werden. Man ist also nicht zwingend darauf angewiesen, dass ein Anbieter alle Funktionen zur Verfügung stellt. Hier ist auch übergangsweise oder dauerhaft eine Mischung zwischen Cloud- und On-Premise-Lösungen denkbar. Es wird sicher auch weiterhin Unternehmen geben, die so spezielle Anforderungen in der Buchhaltung haben, dass diese über eine Standardsoftware kaum abzubilden sind. Für die meisten liegt aber sicherlich die Zukunft in der Cloud.

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