Messeschreck Corona

Hannover Messe im Sommer

Mit der Ausbreitung von Covid-19 wächst auch die Verunsicherung. Besonders davon betroffen: Großveranstaltungen wie die Hannover Messe, wo die Verantwortlichen nun zügig Entscheidungen treffen müssen.

Arzt mit Handschuhen

Die Verbreitung des Coronavirus beeinträchtigt das Messegeschäft: die Veranstalter wollen keine Risiken eingehen. ((Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus))

Deutschland Messeveranstalter treibt derzeit nicht nur die Sorge um die rasche Verbreitung des Coronavirus um – Großveranstaltungen sind als potenzielle Ansteckungs-Hotspots in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. In den vergangenen Wochen gab es kaum einen Tag, an dem nicht eine Messe gecancelt oder verschoben wurde.

Nun ist mit der Hannover Messe, die am 20. April 2020 starten sollte, auch Deutschlands wichtigste Industrie- und Innovationsmesse vor dem Virus in die Knie gegangen – zumindest vorübergehend. Denn mit einem Ausweichtermin, der für den 13. – 17. Juli 2020 anberaumt ist, gilt: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“ 

Die Entscheidung für die Terminverschiebung sei in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Region Hannover, dem Ausstellerbeirat der Hannover Messe sowie den Partnerverbänden VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) und ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) erfolgt.
 
Das Gesundheitsamt der Region Hannover habe den Veranstaltern dringend empfohlen, die Hinweise des Robert-Koch-Instituts zu beachten. Diese beinhalten umfassende Maßnahmen zur Gesundheitssicherung bei der Ausrichtung von Großveranstaltungen. Dazu gehören Fiebermessstationen an allen Eingängen, sowie die Umsetzung der Maßnahme, keine Teilnehmer aus Risikogebieten zuzulassen und Teilnehmern, die Kontakt zu Personen aus Risikogebieten hatten, den Zutritt zu den Veranstaltungen zu verweigern. Dies hätte eine umfangreiche Überprüfung aller Messeteilnehmer zur Folge – von Ausstellern über Besucher bis hin zu Dienstleistern, Standbauern und Catering-Firmen.
 
Die Deutschen Messe empfand die Maßnahmen als nicht realisierbar. Zudem würde die nach Angaben des Veranstalters die Umsetzung dazu führen, dass die störungsfreie Durchführung der Veranstaltung in einem Maße beeinträchtigt wäre, dass der mit der geplanten Ausrichtung angestrebte Veranstaltungszweck weder für die Aussteller, noch für die Besucher nicht oder nur mit erheblichen Einschränkungen erreicht werden könnte.

„Mit dem Termin im Juli bieten wir unseren Ausstellern den frühestmöglichen Zeitpunkt, um ihre Innovationen einem Weltpublikum zu präsentieren und Geschäfte anzubahnen“, sagt Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe AG. „Angesichts der weltwirtschaftlichen Herausforderungen, die durch das Coronavirus im ersten Halbjahr ausgelöst wurden, bietet der neue Termin erhebliche Chancen. Denn so kann die weltweit wichtigste Industriemesse bereits im Juli frühzeitig wichtige Impulse für die globale Konjunktur setzen. Damit ist und bleibt die Hannover Messe die Galionsfigur der deutschen Industrie.“
 
„Der VDMA unterstützt die Entscheidung der Deutschen Messe AG. Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten, die durch das Coronavirus verursacht werden, halten wir eine Verschiebung der Messe in den Juli für richtig“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. „Wir gehen davon aus, dass sich die Lage in den kommenden Monaten beruhigt und der Maschinenbau dann von einer sich belebenden Geschäftslage profitieren wird.“
 
„Die heutige Entscheidung der Deutschen Messe AG, die Hannover Messe zu verschieben, ist inhaltlich richtig und kommt zur rechten Zeit“, betont auch Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. „Als international bedeutende Industriemesse lebt sie in besonderer Weise von der Begegnung von Menschen aus aller Welt. Diese kann nur erfolgen, wenn keine Gesundheitsgefahren bestehen. Für die Elektroindustrie ist es wichtig, dem Publikum ihre Produkte für Industrie 4.0, Elektrifizierung und mehr Energieeffizienz nunmehr im Sommer zu präsentieren.“

Mit der Twenty2X wurde gerade erst die neue Veranstaltung für den digitalen Mittelstand auf Mitte Juni verschoben – der Veranstalter wollte auch hier nichts dem Zufall überlassen. Und selbst Google, die Mutter aller Tech-Konzerne, hat seine Entwicklerkonferenz I/O abgesagt und angekündigt, diese in einem „neuen Format nachholen“ zu wollen.

sk

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