Studie: Mittelstand vernachlässigt!?

Hemmnisse der Digitalisierung im Mittelstand

Staatliche Förderung konzentriert sich meist auf Kleinunternehmen, während Großunternehmen für gewöhnlich über die finanziellen Mittel verfügen, eigenständig Innovationen anzustoßen. Mittelständler hingegen hängen bei ihren Digitalisierungsbemühungen oftmals in der Luft. Ingo Wittrock, Head of Marketing bei Ricoh Deutschland, erläutert die Hintergründe.

Ingo Wittrock, Head of Marketing bei Ricoh Deutschland

Ingo Wittrock, Head of Marketing bei Ricoh Deutschland, sieht Defizite bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten im Mittelstand.

ITM: Herr Wittrock, von Digitalisierung als Fitmacher für die Zukunftsfähigkeit von Firmen wird viel gesprochen, aber noch zu wenig gehandelt. Woran hapert es?
Ingo Wittrock:
Weniger an Wissen über die Chancen der Digitalisierung als vielmehr an Handlungsstrategien und konkreten Investitionen. Es ist und muss gerade Mittelständlern klar sein, dass sie sich zukünftig noch stärker mit der Digitalisierung ihres Geschäfts und ihrer Arbeitsprozesse beschäftigen müssen. Unterschiedliche Faktoren sind zu berücksichtigen, wie wir in unserer aktuellen Studie „Das Middle Child Syndrome“ herausgefunden haben.

ITM: Was meinen Sie damit?
Wittrock:
Europaweit steht der Mittelstand vor dem Dilemma, als „mittleres Kind“ benachteiligt zu sein: Die Unternehmen stehen im Wettbewerb zu den strukturell starken Großkonzernen und zugleich trendigen, häufig protegierten Start-ups. 67 Prozent der befragten Unternehmen haben Probleme, mit neuen Marktteilnehmern und etablierten Konzernen mitzuhalten. Investitionen in digitale Technologien sind ein Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit, geschehen aber nicht von heute auf morgen: 76 Prozent der Mittelständler erkennen, dass es eine klar definierte, langfristige Vision für den digitalen Wandel benötigt. Der Beratungsbedarf ist groß.

ITM: Die Beschaffung digitaler Technologien ist gerade für Mittelständler mit großen Investitionen verbunden. Wie lässt sich dies bewerkstelligen?
Wittrock:
Der deutsche Mittelstand steht im europäischen Vergleich relativ gut da: Die Politik, auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, unterstützt mit vielen Förderprogrammen die Investition in digitale Tools. So bieten beispielsweise die Bundeshauptstadt mit ihrem „Berlin Mittelstand 4.0“ oder aktuell das Land Bayern mit dem mit 80 Mio. Euro ausgestatteten „Digita Bonus“ einen regionalen Fond, der Mittelständlern den Weg in die Digitalisierung ebnen soll.

Unsere Studie zeigt aber die Ausnahmestellung von Deutschland: 75.000 Mittelständler in ganz Europa fühlen sich abgeschnitten von finanziellen Hilfen und behindert durch komplexe gesetzliche Vorschriften. Natürlich ist auch in Deutschland die Beschaffung und Finanzierung von digitalen Tools eine Hürde, aber es gibt hierzulande mehr Unterstützung.

ITM: Welche Prioritäten sollten Mittelständler bei der Digitalisierung im Auge behalten?
Wittrock:
Wir haben in der Studie nach den wichtigsten Vorteilen der Digitalisierung gefragt. Am häufigsten wurde hierbei die Verbesserung des Kundenservices (36 %) genannt, dann folgen die Erhöhung der Produktivität der Mitarbeiter (32 %) sowie die Gewinnung von Top-Talenten (27 %).

Tools können gewährleisten, dass die Kundenkommunikation zielgerichteter und effizienter wird. Die Produktivität der Mitarbeiter erhöht sich, wenn diese einfach und überall auf Informationen zugreifen können und Workflows optimiert werden. Und Spitzenkräfte wollen heute mehr denn je mit den neuesten digitalen Tools arbeiten – ein wichtiges Kriterium gerade für mittelständische Unternehmen, um als attraktive Arbeitgebermarke auftreten zu können.

ITM: Warum engagiert sich ein internationaler Hersteller von Druckern und Multifunktionssystemen wie Ricoh für die digitale Transformation, also für ein eher unternehmensstrategisches Thema?
Wittrock:
90 Prozent der Firmen sehen das Druck- und Dokumentenmanagement auf dem Weg zu mehr Effizienz und höherer Produktivität von zentraler Bedeutung. Nicht nur als Lösungsanbieter für digitale Bürokommunikation, sondern als strategischer Partner im Digitalisierungsprozess wollen wir insbesondere dem Mittelstand dabei helfen, effizienter zu arbeiten.

Bildquelle: Ricoh

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