Alternativen für Mittelständler

Hohe Bandbreiten per Richtfunk oder Satellit

Frank Dittmar (Pan Dacom Networking AG) und Stephan Schott (Eusanet GmbH) im Gespräch über die Möglichkeiten, als Mittelständler auch ohne Glasfaser oder 5G an schnelles Internet zu kommen.

  • Stilisierter Glasfasanschluss vor einer Erdkugel

    Viele mittelständische Unternehmen haben keine Zeit mehr, um auf den schleppenden Breitbandausbau zu warten. ((Bildquelle: Thinkstock/iStock))

  • Frank Dittmar, Business Development Manager, Pan Dacom Networking AG

    „Überall da, wo eine Sichtverbindung existiert und der nächstegelegene Terminierungspunkt nicht weiter als 50 Kilometer entfernt liegt, ist Richtfunk der Satellitentechnik überlegen”, so Frank Dittmar, Business Development Manager bei der Pan Dacom Networking AG, Dreieich. ((Bildquelle: Pan Dacom Networking AG))

  • Stephan Schott, Geschäftsführer der Eusanet GmbH, Bischberg

    „Sowohl beim Richtfunk als auch bei der Satellitenanbindung kommen die Daten via Dachantenne ins Haus. Daher sollten Blitzschutzvorkehrungen einkalkuliert werden“, meint Stephan Schott, Geschäftsführer der Eusanet GmbH, Bischberg. ((Bildquelle: Eusanet GmbH))

Schon seit vielen Jahren doktern unsere Bundesregierungen am dringend notwendigen Ausbau der Breitbandnetze herum. Es hapert aber an tragfähigen Strategien, an der Investitionsbereitschaft und am Zusammenwirken der beteiligten Telekommunikationsgesellschaften, die alle auf ihren eigenen Vorteil schielen. Schnelle Erfolge sind angesichts der Langfristigkeit von Infrastrukturprojekten nicht zu erwarten.

Leidtragende sind sämtliche Teile der Bevölkerung. Dabei geht es nicht nur um das Privatvergnügen mit dem schnellen Internet, sondern auch um das Gesundheitswesen, die Schulen und Universitäten und alle Behörden (Stichwort: E-Government). Leidtragende sind aber vor allem auch alle Mittelständler, die bei ihren Digitalisierungsstrategien ausgebremst werden, was im internationalen Wettbewerb gravierende Standortnachteile nach sich ziehen kann.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Doch findige Mittelständler müssen nicht lange Jahre auf wirklich schnelles Internet warten, bis sie irgendwann Glasfaseranschlüsse bekommen oder die neue Mobilfunkgeneration 5G nutzen können, die im Idealfall bis zu hundertmal schneller sein kann als das heutige LTE. Eigeninitiative vorausgesetzt, ist heute schon per Satellitenübertragung oder Richtfunkstrecke in ganz Deutschland superschnelles Internet möglich. Mittlerweile sind beispielsweise Breitbandzugänge via Satellit mit der VDSL-Geschwindigkeit 50 Mbit/s machbar – und der Ausbau auf 100 Mbit/s ist bereits in Sichtweite. Schnelles Internet aus dem All kann also Versorgungslücken in Regionen schließen, die nicht an die terrestrische Breitbandversorgung angebunden werden.

Weil allerdings sowohl beim Richtfunk als auch bei der Satellitenübertragung einiges bei der Integration in das Unternehmensnetz zu beachten ist, hat IT-MITTELSTAND zwei ausgewiesene Experten dazu befragt.

ITM: Wenn Festnetz und Mobilfunk die notwendige Bandbreite an einem Standort nicht liefern können: Wann sind Satellitenverbindungen, wann Richtfunkstrecken die DSL-Alternative der Wahl für das Firmennetz?

Stephan Schott: Leider wird bei der Breitbandversorgung in den einschlägigen Werbeversprechen der Anbieter der Mobilfunk sehr oft entgegen den Tatsachen mit dem Festnetz gleichgesetzt. Dabei ist es in Regionen mit schlechten Festnetzanbindungen meist auch mit wirklich schnellem Mobilfunk nicht weit her. Denn die Bandbreite muss an die Umsetzer herangeführt werden. Sogar die Bundesnetzagentur geht bei der Frequenzversteigerung für 5G davon aus, dass es keine flächendeckende Anbindung in Deutschland geben wird.

Daher ist der Satellit immer dort eine echte Alternative, wo die Breitbandzugänge ungenügend oder gar nicht vorhanden sind. Meiner Meinung nach sollten Unternehmen den Satelliten dem Mobilfunk sogar vorziehen, denn dieser ist deutlich flexibler einsetzbar und lässt sich nutzbringend mit anderen Technologien kombinieren.

So ist man beim Richtfunk immer auf Sichtverbindungen angewiesen. Richtfunklösungen sind daher für Unternehmen mit langen Strecken vom Breitbandzugangspunkt zum Firmensitz nur sehr umständlich zu realisieren und finanziell kaum darstellbar. Baut man aber eine oder mehrere Satellitenbasisstationen am Firmensitz, kann man die Bandbreite direkt oder in Kombination via Richtfunk vor Ort verteilen und nutzen. Selbst lokale Glasfasernetze lassen sich so anbinden. Mit entsprechenden Lösungen versorgen wir inzwischen ganze Ortschaften.

Frank Dittmar: Überall da, wo eine Sichtverbindung existiert und der nächstgelegene Terminierungspunkt nicht weiter als 50 Kilometer entfernt liegt, ist Richtfunk der Satellitentechnik überlegen. Frühere Störungen aufgrund von Witterung oder Vogelflug lassen sich per Doppeloptik längst weitgehend neu-tralisieren oder spielen bei heutiger Mikrowellentechnik so gut wie gar keine Rolle mehr.

Anders als eine gängige Satellitenverbindung bietet Richtfunk stabile Bandbreiten mit gleich hohen Transferraten in Upstream- und Downstream-Richtung. Diese Symmetrie ist für viele Business- und Collaboration-Anwendungen inklusive Videokommunikation unabdingbar.

Demgegenüber bringt es eine Satellitenanbindung selbst mit kostspieliger Kanalbündelung bestenfalls auf ein Downstream-/Upstream-Verhältnis von 50 zu 6. Außerdem verursachen die extrem langen Signalwege viel zu hohe Latenzwerte, um beispielsweise eine kleinere Zweigstelle per VPN sicher an die Zentrale anbinden zu können. Eine Vernetzung via Satellit kann für Mittelständler also nur dann die Ultima Ratio sein, wenn direkte Funkverbindungen ausgeschlossen sind. In allen anderen Fällen ist Richtfunk eindeutig die bessere Wahl.

ITM: Mit welchen Kosten ist zu rechnen, wenn ein Werk so performant an das Firmennetz angeschlossen wird?
Dittmar: Unter Kostenaspekten scheint die Satellitentechnik mit meist marginalem Investitionsbedarf auf den ersten Blick im Vorteil zu sein. Dafür aber sind die Unterhaltskosten vergleichsweise hoch, zumal sich die Abrechnung üblicherweise am übertragenen Datenvolumen orientiert.

Beim Richtfunk hingegen kehrt sich dieses Verhältnis um – moderate Einstiegsinvestitionen stehen geringen laufenden Kosten gegenüber. Wie hoch diese im Einzelnen ausfallen, hängt u.a. davon ab, ob lizenzfreie Frequenzen genutzt werden oder nicht. Aber auch wenn Lizenzgebühren anfallen, erweist sich Richtfunk aus TCO-Perspektive als eine ausgesprochen kostengünstige Vernetzungsoption.

Schott: Von welchen Bandbreiten und Einsatzzwecken gehen wir hier für das Unternehmen konkret aus? Wird der Satellit nur als Backup für bestehende Infrastrukturen genutzt oder ist an eine ständige Breitbandversorgung des Unternehmens und seiner Mitarbeiter gedacht? Unsere Satellitenlösung bietet bis zu 50 Mbit im Download und bis zu 10 Mbit im Upload. Die Hardware-Kosten einer entsprechenden SAT-Anlage liegen je nach Tarif bei Hardware-Miete oder Kauf zwischen 0 und 499 Euro.

Die Installation übernimmt der Kunde meist selber. Die laufenden monatlichen Kosten beginnen bei 15,90 Euro für unseren Backup-Hybrid-Tarif. Ein Standardtarif liegt bei 49 Euro pro Monat. Alle Preise sind Brutto – und selbstverständlich sind wir für unsere Kunden sehr flexibel und skalierbar. So lassen sich zwei oder mehr SAT-Anlagen ohne hohen Aufwand bei einem höheren Bandbreitenbedarf miteinander für die Versorgung des Unternehmens kombinieren.

ITM: Was sind typische Stolpersteine beim Aufbau solcher Netzwerkverbindungen, die es im Vorfeld aus dem Weg zu räumen gilt?
Schott: Eigentlich gibt es keine. Sie benötigen als Unternehmen nur freie Sicht Richtung Süden in einem Winkel von ca. 30 Grad. Dann lässt sich das Satellitensignal ohne Probleme empfangen. Und noch ein Argument: Die Ausfallsicherheit ist beim Satelliten deutlich höher als beim Festnetz oder Mobilfunk.

Dittmar: Sowohl beim Richtfunk als auch bei der Satellitenanbindung kommen die Daten via Dachantenne ins Haus. Daher sollten gegebenenfalls notwendige Blitzschutzvorkehrungen in der Zeit- und Aufwandsplanung für das Vernetzungsprojekt einkalkuliert werden. Ähnliches gilt für Wanddurchbrüche im Gebäude – hier spielen Aspekte wie Brandschutz und die VDE-Sicherheitsnormen für Elektroinstallationen eine Rolle.

Speziell beim Richtfunk ist überdies zu beachten, dass es für lizenzfreie Frequenzbänder keine Exklusivgarantie für die Ewigkeit gibt. Irgendwann könnten andere Unternehmen hinzukommen und im selben Spektrum kommunizieren, was zu Bandbreiteneinschränkungen führen kann.

Wer stabile Bandbreiten auch in Zukunft absichern will und deshalb lizenzpflichtige Frequenzen favorisiert, sollte die mitunter langwierige Beantragungsprozedur bei der Bundesnetzagentur berücksichtigen. Und nicht zuletzt müssen die topologischen Grundvoraussetzungen für den Richtfunk auch künftig erfüllt sein. Welche Entwicklungsvorhaben stehen in dem per Richtfunk überbrückten Gelände an? Wird dort ein Wald aufgeforstet? Sind Windräder oder andere hohe Gebäude geplant? Sicht ist Pflicht – diese Maxime muss auch in zehn Jahren noch Gültigkeit haben.

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