IT-Talente finden

„Im Mittelstand muss ein Umdenken stattfinden“

Alexander Schlomberg, Geschäftsführer von Expertlead, einer B2B-Plattform zur Vermittlung von Tech-Freelancern, erklärt die Schere zwischen steigender Nachfrage nach IT-Fachkräften und gleichzeitig fehlender Stellenbesetzung.

Alexander Schlomberg, Geschäftsführer von Expertlead

Der Mittelstand muss laut Alexander Schlomberg, Geschäftsführer von Expertlead, aufhören, weiter- hin in alten Strukturen zu denken. ((Bildquelle: Expertlead))

Insgesamt 54.000 freie Stellen im Jahr 2018 – das besagt eine aktuelle Studie der Bundesagentur für Arbeit zum IT-Fachkräftemangel in Deutschland. Viele Unternehmen suchen derzeit händeringend nach Software-Entwicklern und IT-Anwendungsberatern. Im Schnitt brauchen sie 132 Tage, um eine Stelle zu besetzen. Dabei bestätigt diese hohe Zahl eine Entwicklung, die sich schon lange abzeichnete. Schließlich ist das Problem der Stellenbesetzung in der deutschen Wirtschaft nicht erst seit gestern ein Thema, auch wenn die Digitalisierung mit Riesenschritten voranschreitet. Verwunderlich ist, wie langsam hiesige Unternehmen auf diese Problematik reagieren – insbesondere der Mittelstand.

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Die Frage bleibt: Gibt es hierzulande zu wenige IT-Fachkräfte? Wie die Statistiken der Bundesbehörde zeigen, gab es in Deutschland im Jahr 2018 rund 802.000 IT-Fachleute. Das waren sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Ebenso steigen die Absolventen- und die Studienanfängerzahlen kontinuierlich. Gleichzeitig stehen in Deutschland für bestimmte Bereiche allerdings immer weniger echte Talente zur Verfügung, im Ausland schon. Es wäre also falsch zu behaupten, es gäbe generell zu wenig Fachkräfte.

In die vermeintliche Provinz locken

Die vorliegende Problematik ist daher vielmehr in einer zunehmenden Diskrepanz zwischen den meist sehr konservativen Vorstellungen der jeweiligen Unternehmen und denen der IT-Fachkräfte zu suchen. Vor allem mittelständische Unternehmen stehen anderen Arbeitsmodellen wie Remote Work und projektbasierten Aufträgen häufig skeptisch gegenüber. Oft wollen sie nicht, dass IT-Fachkräfte „aus der Ferne“ arbeiten und suchen daher bevorzugt festangestellte IT-Experten – überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum. Hier muss ein Umdenken in den Köpfen der deutschen Mittelständler stattfinden. Denn die großen, techaffinen Unternehmen können nicht nur besser zahlen, sondern verfügen auch über Strukturen, die für ITler attraktiver sind. Für Mittelständler ist es daher deutlich schwieriger, IT-Talente von sich zu überzeugen und in die vermeintliche Provinz zu locken.

ITler legen mehr und mehr Wert auf Flexibilität und können es sich aufgrund der hohen Nachfrage erlauben, sehr selektiv die interessantesten Projekte auszuwählen. Sie wollen sich durch anspruchsvolle, abwechslungsreiche Projekte persönlich und fachlich weiterentwickeln und entscheiden sich daher vermehrt gegen eine Festanstellung. Der Mittelstand muss daher aufhören, weiter-
hin in alten Strukturen zu denken, und sich für neue Arbeitsmethoden öffnen. Wenn kleine und mittelständische Unternehmen das nicht tun, laufen sie Gefahr, den Anschluss bei der Digitalisierung zu verlieren.

Wenn Unternehmen also mit den besten ITlern zusammenarbeiten wollen, müssen sie verstehen, wie diese ticken, und die Angst vor neuen Arbeitsmethoden endlich ablegen.

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